Die Ergebnisse der Schweizerischen Gesundheitsbefragung und der HBSC Erhebungen bei den 11- bis 15-jährigen Schülerinnen und Schülern zeigen äusserst aktuelle Herausforderungen der öffentlichen Gesundheit während der Pandemie

9. Dezember 2020 -10h01

Die Ergebnisse beider Gesundheitsstudien zeigen, dass die grosse Mehrheit der Freiburgerinnen und Freiburger ihre Gesundheit vor der Pandemie als gut einschätzte. Dies ist erfreulich, doch weisen die Studien auch auf gewisse Problemstellungen hin, beispielsweise beim Konsum von Alkohol, Tabak oder ähnlichen Produkten sowie bei den psychischen Störungen. Durch die derzeitige Pandemie können die Risikofaktoren für diese Problemstellungen verstärkt werden. Daher lanciert die Direktion für Gesundheit und Soziales ein neues Portal, welches das Präventions- und Betreuungsangebot bei Alkoholproblemen erfasst und an das Angebot an bestehenden Ressourcen erinnert, das der eigenen Gesundheitsförderung dient.

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Grundsätzlich fühlte sich die grosse Mehrheit der Freiburgerinnen und Freiburger vor der Pandemie gesundheitlich gut. Die Ergebnisse der 2018 durchgeführten HBSC-Studie zur Gesundheit von Schülerinnen und Schülern zeigen, dass sich die grosse Mehrheit der 11- bis 15-jährigen Schülerinnen und Schüler (je nach Alter und Geschlecht zwischen 83 % und 95 %) bei guter oder ausgezeichneter Gesundheit fühlte, während die Ergebnisse der Schweizerischen Gesundheitsbefragung von 2017 angeben, dass sich eine grosse Mehrheit der Freiburger Bevölkerung ab 15 Jahren (86 %) bei guter oder sehr guter Gesundheit fühlte.

Die Ergebnisse dieser Studien dienen u. a. als Grundlage für das Monitoring und die Anpassung der kantonalen Strategie zur Gesundheitsförderung und Prävention sowie der kantonalen Programme Ernährung und Bewegung, psychische Gesundheit, Alkohol und Tabak.

Es wird jedoch daran erinnert, dass die Studien vor der Pandemie durchgeführt worden sind, welche die physische und psychische Gesundheit eines Teils der Freiburger Bevölkerung auf eine harte Probe stellt. Die Auswirkungen der Pandemie werden möglicherweise in die Ergebnisse der nächsten Erhebungen einfliessen.

Beide Erhebungen zeigen auf, wie wichtig es ist, dass die laufenden Bemühungen der Gesundheitsprävention und -förderung sowie der Koordination bei der Behandlung von Suchtproblemen fortgesetzt werden. Die Aktionen zur Schaffung eines gesundheitsfördernden und wohlwollenden Umfelds für die Bevölkerung müssen ebenfalls beibehalten werden.

Vor diesem Hintergrund lanciert die Direktion für Gesundheit und Soziales (GSD) ein neues Portal, welches das Präventions- und Betreuungsangebot bei Alkoholproblemen erfasst. Das neue Portal wird heute auf der Website des Staates Freiburg aufgeschaltet und erinnert an das Angebot an bestehenden Ressourcen, das der eigenen Gesundheitsförderung dient.

Der Konsum von Alkohol, Tabakprodukten und anderen Produkte, welche die Tabakindustrie auf den Markt bringt, sowie psychische Störungen bleiben die Hauptproblematiken im Kanton.

Ein paar Ergebnisse

1) Ein neues Internetportal für den vereinfachten Zugang zum Präventions- und Betreuungsangebot bei Alkoholproblemen

Der Anteil der Personen ab 15 Jahren, die täglich Alkohol zu sich nehmen, ist zwischen 1992 und 2017 von 22,9 % auf 12,2 % gesunken. In den höheren Altersklassen konsumieren sowohl die Frauen als auch die Männer häufiger Alkohol.

Auch bei den Jugendlichen ist gegenüber der Erhebung von 2014 eine Abnahme erkennbar. Dennoch bleibt das «Binge-Drinking» ein weit verbreitetes Konsumverhalten, das bei den 15‑Jährigen leicht zugenommen hat: 33 % der Knaben und 28 % der Mädchen im Alter von 15 Jahren haben in den 30 Tagen vor der Erhebung mindestens einmal bei ein und demselben Anlass fünf oder mehr alkoholische Getränke zu sich genommen.

Problematischer Alkoholkonsum und Alkoholabhängigkeit haben nicht nur weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit der Betroffenen, sondern auch auf die Gesamtbevölkerung. Um den Zugang zu Gesundheitsförderungs-, Präventions- und Betreuungsangeboten zu stärken, lanciert die GSD heute ein Internetportal, das alle Angebote im Kanton Freiburg zusammenfasst. Diese Kommunikations- und Informationsmassnahme für die Bevölkerung wird im Rahmen des Kantonalen Alkoholaktionsplans durchgeführt, der 2018 vom Staatsrat gutgeheissen wurde.

Die aus mehreren in der Alkoholprävention und -betreuung tätigen Einrichtungen bestehende Gruppe «Alkohol – Freiburg spricht darüber» koordiniert seit mehreren Jahren zusammen mit der GSD Kommunikationsaktionen, welche die Debatte rund ums Thema Alkoholkonsum lancieren sollen.


2) Von der Tabakindustrie auf den Markt gebrachte Tabakprodukte und Kantonales Programm zur Tabakprävention

Der Konsum von Tabakprodukten gilt als eine der Hauptursachen des Risikos chronischer, nicht übertragbarer Krankheiten und ist dem Kanton daher ein prioritäres Anliegen der öffentlichen Gesundheit.

Laut diesen Ergebnissen sind die neu lancierten Produkte der Tabakindustrie, wie z. B. die E-Zigarette, Problemstellungen, die insbesondere bei den Jugendlichen angegangen werden müssen.

Ausserdem gelingt es einem grossen Anteil der Jugendlichen, selbst Tabak und Alkohol zu kaufen. Ein Drittel hat mindestens einmal in einem Laden, Kiosk, einer Bar, im Restaurant oder am Automat selbst Tabak gekauft. Beim Alkohol sind es 16 % der 14- bis 15-jährigen Mädchen und 23 % der gleichaltrigen Knaben, die mindestens einmal selbst in einem Laden, Kiosk, in einer Bar oder im Restaurant Alkohol gekauft haben.

Eine Gesetzeslücke erlaubt den Jugendlichen den Kauf dieser neuen Tabakprodukte. Diese Lücke wird auf nationaler Ebene frühestens Mitte 2023 geschlossen. Doch hat der Staatsrat beschlossen, Massnahmen gegen den ansteigenden Tabakkonsum und den Erfolg von E-Zigaretten und Snus bei den Jugendlichen zu treffen. Gemäss Vorsorgeprinzip und unter Berücksichtigung der ersten wissenschaftlichen Belege für die Schädlichkeit dieser Produkte hat der Staatsrat seine Gesetzesgrundlagen geändert, um die neuen, von der Tabakindustrie auf den Markt gebrachten Produkte in die bestehenden Gesetzesgrundlagen zu integrieren und den Jugendschutz zu verstärken, dies durch Änderung von Artikel 31 des Gesetzes über die Ausübung des Handels (HAG), welcher die Abgabe der neuen Produkte reglementiert. Die Abgabe der neuen Produkte wird den gleichen Regeln wie Tabakerzeugnisse unterstellt sein. Mit dieser Änderung, die 2021 in Kraft treten wird, sieht der Staatsrat ein Verkaufsverbot für alle Tabakerzeugnisse, E‑Zigaretten und ähnliche Produkte an unter 18-Jährige vor. Die Vorgehensweise des Staatsrats steht damit im Einklang mit den Zielen des kantonalen Tabakpräventionsprogramms 2018–2021 und verstärkt diese; es soll insbesondere die Anzahl Rauchender in der Freiburger Bevölkerung senken, allen voran bei den Jugendlichen.

Für kohärente und koordinierte Aktionen im Kanton setzt die Fachstelle Tabakprävention ‒ CIPRET Freiburg im Auftrag der GSD das 3. Kantonale Tabakpräventionsprogramms «ohne Tabak, frei atmen» 2018‒2021 um. Das Programm bietet koordinierte Aktionen mit verschiedenen Zielsetzungen an: Verbesserung der Kenntnisse in der Bevölkerung über die schädlichen Auswirkungen von Tabak und den neuen, von der Tabakindustrie lancierten Tabakprodukten, Senkung des Anteils Rauchender, insbesondere bei den Jugendlichen, und Entwicklung von Synergien für einen bereichsübergreifenden Präventionsansatz. Das Programm wird durch den Kanton Freiburg und den Tabakpräventionsfonds finanziert.


3) Plattform www.psygesundheit.ch – der psychischen Gesundheit Sorge tragen

Fast eine von fünf Personen im Kanton Freiburg (19 %) berichtet von mittlerer bis starker psychischer Belastung. Dieser Anteil ist deutlich höher als im Schweizer Durchschnitt (15 %), unterscheidet sich jedoch nicht signifikant von den Ergebnissen der SGB 2012.

Die Kampagne www.psygesundheit.ch, u. a. finanziert von der GSD und den lateinischen Kantonen, verzeichnet die Ressourcen zur Förderung der psychischen Gesundheit und antwortet auf Fragen von Personen, die um ihre Angehörigen besorgt sind. Der COVID-19-Pandemie ist eine spezielle Rubrik gewidmet.

Bei den 11- bis 15-jährigen Schülerinnen und Schülern fühlt sich die grosse Mehrheit bei guter oder ausgezeichneter psychischer Gesundheit. Dennoch erfahren viele Schülerinnen und Schüler Stress: Mit 15 Jahren fühlt sich ein Viertel der Knaben und etwas mehr als ein Drittel der Mädchen durch die Arbeit für die Schule gestresst.

Die Müdigkeit nimmt mit dem Alter sowohl bei den Knaben als auch bei den Mädchen deutlich zu. Beispielsweise fühlten sich 80 % der 15-jährigen Mädchen in den sechs Monaten vor der Erhebung mindestens einmal pro Woche müde.

Für Antworten auf spezifische Fragen von Jugendlichen zu Ausbildung, Identität, Selbstwertgefühl oder Beziehungen hat sich die Gesundheitskampagne psygesundheit mit www.feelok.ch zusammengeschlossen: www.psygesundheit.ch/de.