Mit einem Proteingehalt von über 35 % ist die Lupine sowohl für die Viehfütterung als auch für die menschliche Ernährung ein interessantes Nahrungsmittel. Derzeit verarbeiten und verwerten die meisten Produzentinnen und Produzenten ihre Ernte aufgrund fehlender Absatzmärkte auf ihrem eigenen Betrieb, aber es sind Schritte zur Entwicklung einer Verarbeitungskette in der Schweiz im Gange.
Die Lupine: eine vielversprechende Kulturpflanze
Eine Besonderheit der Lupine ist, dass sie Alkaloide (bittere Substanzen) enthält, die in zu hohen Dosen sowohl in der menschlichen als auch in der tierischen Ernährung Probleme verursachen können. Diese Gehalte schwanken von Jahr zu Jahr erheblich. Die Hoffnung liegt bei der Züchtung, um diese Schwankungen zu verringern.
Ein weiterer Nachteil ist, dass sie kalkhaltige Böden nicht verträgt. Technisch ist sie jedoch eine Kultur, die sich recht leicht in die Fruchtfolge integrieren lässt und neben der Stickstofffixierung auch über eine spezielle Fähigkeit verfügt, um aus dem Boden schwer verfügbaren Phosphor aufzunehmen. Es gibt zwei Arten von Lupinen: die weisse Lupine und die schmalblättrige Lupine (oder blaue Lupine). Die weisse Lupine zeichnet sich durch einen geringeren Alkaloidgehalt und ein höheres Ertragspotenzial aus als die schmalblättrige Lupine. Letztere ist jedoch widerstandsfähiger gegen Anthraknose (die wichtigste Pilzkrankheit). Sie ist zudem frühreifer, weist jedoch eine geringere Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Unkräutern auf und wird daher hauptsächlich in Mischkultur mit Getreide angebaut.
Sortenversuch in Grangeneuve
Im Rahmen eines Demonstrationsversuchs im Jahr 2022 wurden Lupinen in Grangeneuve ausgesät. Das Hauptziel bestand darin, sich mit den verschiedenen Sorten vertraut zu machen (Weisslupine: Frieda und Sulimo / Schmalblättrige Lupine: Boregine und Boruta) und diesen Anbau unter verschiedenen Produktionssystemen (ÖLN, pfluglose Bodenbearbeitung, Bio in Mischkultur mit Hafer) zu beobachten. Dieser Demonstrationsversuch diente zudem dazu, dem Start-up «Lupifood» die Möglichkeit zu geben, verschiedene Lupinensorten für die Herstellung von Tofu oder anderen Lebensmitteln zu testen und zu verkosten.
Was die Entwicklung betrifft, so gingen die schmalblättrigen Sorten als erste auf (etwa zehn Tage nach der Aussaat). Die weissen Lupinen blühten jedoch am schnellsten und am längsten (etwa zwei Monate nach der Aussaat). Bei der pfluglosen Anbaumethode zeigten die Pflanzen eine gute Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Nachwachsen der vorherigen Wiese.
Was die weissen Lupinensorten betrifft, so erwies sich Frieda als voluminöser, höher, verzweigter und auch späterreifer als Sulimo. Bei den schmalblättrigen Lupinen ist Boregine deutlich interessanter als Boruta, insbesondere in Mischkultur mit Hafer (100 % Lupine und 10 % Hafer). Da die Sorte Boruta nicht verzweigt ist, bedeckte sie den Boden weniger und blieb sehr klein.
Der Vergleich der Sorten hinsichtlich ihrer Toleranz gegenüber Anthraknose konnte in diesem Vorversuch nicht beobachtet werden. Die aussergewöhnlichen Bedingungen des Sommers 2022 (sehr heiss und trocken) waren für diese Krankheit nicht förderlich.
Was den Unkrautdruck betrifft, bietet die Lupine eine gute Bodenbedeckung, bis die Blätter zu welken beginnen und dadurch viel Licht auf den Boden durchlassen, was ein hohes Risiko für eine Spätverunkrautung mit sich bringt.
Die sehr trockenen Bedingungen bei der Herbizidausbringung im Frühjahr 2022 haben die Wirksamkeit des Vorauflaufherbizids stark eingeschränkt. Die herbizidfreien Varianten mit drei Striegeldurchgängen zeigten eine geringere Spätverunkrautung. Die Kombination aus Boregine 70 % (verzweigte Sorte) und Boruta 30 % (unverzweigte Sorte) erwies sich als sehr attraktiv, um länger mit Unkräutern zu konkurrieren.
Insgesamt zeigte sich in diesem Demo-Versuch, dass der Lupinenanbau stark von den herrschenden Boden- und Klimabedingungen abhängt. Unterschiedliche Bodentiefen führten zu einem sehr heterogenen Reifegrad auf der Parzelle und die Trockenheit trug dazu bei, dass die Hülsen der schmalblättrigen Lupine aufplatzten. Ein Teil der Ernte wurde in zwei Phasen gedroschen: In Schwaden gemäht und einige Tage später gedroschen. Dadurch wurden die Reifeunterschiede zwischen den verschiedenen Hülsen-Etagen reduziert und die vorhandenen Unkräuter wie Gänsefussgewächse und andere getrocknet, um somit das Dreschen zu erleichtern. Diese Technik scheint für Lupinen sehr gut geeignet zu sein.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Anbau von Lupinen im Vergleich zu anderen Kulturen wenig Pflege erfordert. Die durchschnittlichen Erträge liegen bei etwa 30 dt / ha, wobei die jährlichen Schwankungen wie bei den meisten Körnerleguminosen erheblich sein können. Es handelt sich um eine Kultur, die empfindlich auf schwankende Bodenbedingungen reagiert und anfällig für Spätverunkrautung sein kann. Ihr Ertrag an Protein pro Hektar ist interessant, sowohl für die Produktion von Tierfutter und auch als pflanzliche Proteinquelle für den Menschen. Limitierend bleiben die schwankenden Alkaloidgehalte. Dieses Risiko kann jedoch durch eine gute «Verdünnung» in der Futterration oder durch vorgängiges Einweichen bei der Herstellung von Lebensmitteln reduziert werden.
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