01 Dezember 2021 - 14H59

Drei Jahre nach dem ersten Barometer Gleichstellung legt die Schweizerische Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten (SKG) ein zweites Barometer vor mit Fokus auf Er-werbsarbeit und unbezahlter Care-Arbeit. Die Befragten beurteilen den Stand der er-reichten Gleichstellung deutlich kritischer als vor drei Jahren. Die Mehrheit der Befrag-ten orten nach wie vor Defizite bei der Gleichstellung in der Familie und am Arbeitsplatz.
Barometer zur Gleichstellung 2021 - Ideen
Agrandir Barometer zur Gleichstellung 2021 - Ideen © Etat de Fribourg - Staat Freiburg - CSDE
Barometer zur Gleichstellung 2021 - Ideen

Das Barometer Gleichstellung 2021 der Schweizerischen Konferenz der Gleichstellungsbeauftraten (SKG) zeigt auf, inwieweit in Bezug auf die Vereinbarkeit von Erwerbs-, Familien- und Hausarbeit Wunsch und Wirklichkeit auseinanderliegen. Und es macht klar, dass der Schuh drückt.

Die im Auftrag der SKG von der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit in Zusammenarbeit mit gfs.bern durchgeführte repräsentative Online-Befragung erfolgte im April 2021. Befragt wurden 2'245 Personen zwischen 18 und 65 Jahren aus der gesamten Schweiz. Aufgrund der Gewichtung der Daten repräsentiert die Stichprobe die verschiedenen Haushaltsformen aus allen sieben Grossregionen.

Das Barometer Gleichstellung 2021 zeigt:

  • Für die grosse Mehrheit der Befragten ist die Gleichstellung von Frau und Mann in Familie, Ausbildung und Arbeit, wie sie die Bundesverfassung verlangt, nicht erreicht. Sie schätzt den Stand schlechter ein als noch vor drei Jahren. Dies gilt besonders für die Bereiche Familie, Erwerbsarbeit und Politik. Dabei sind Frauen deutlich kritischer als Männer.
  • Der Grossteil der Befragten ist sich bewusst, dass Frauen mehr unbezahlte Care-Arbeit leisten als Männer.
  • Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie haben vor allem Frauen, die gleichzeitig Kinder betreuen und Angehörige pflegen sowie alleinerziehende Mütter und Väter.
  • Gefragt nach dem bevorzugten Erwerbsmodell spricht sich eine Mehrheit der Befragten für Teilzeitarbeit für beide Elternteile aus. Nur 10 Prozent der befragten Männer und 11 Prozent der befragten Frauen wünschen sich das traditionelle Ernährermodell (Mann arbeitet Vollzeit, Frau ist nicht erwerbstätig).
  • Die Corona-Pandemie hat bereits bestehende Belastungen noch verstärkt. Unabhängig von den Haushaltsformen sind Frauen stärker gefordert. Die Einschätzungen der Befragten zu möglichen positiven langfristigen Folgen der Corona-Pandemie in Bezug auf Erwerbs- und unbezahlte Care-Arbeit sind zurückhaltend.
  • Eine klare Mehrheit aller Befragten wünscht sich die Möglichkeit von Jobsharing, Teilzeit und Pensen-Reduktion auf allen Hierarchiestufen sowie flexible Arbeitszeiten. Noch höher ist die Zustimmung für gleiche Karrierechancen sowie die Lohngleichheit von Frauen und Männern.
  • 40 Prozent der Befragten haben auf die offene Frage geantwortet, was sie sich für ihre eigene individuelle Lebenssituation in Bezug auf Care-Arbeit wünschen. Der Wunsch nach "partnerschaftlicher Arbeitsteilung", "Mehr Zeit" und "gesellschaftlicher Wertschätzung" wird am Häufigsten genannt.
  • Auch bei den von den Befragten selber eingebrachten Ideen, was für die Gleichstellung der Geschlechter bei der Care-Arbeit getan werden könnte, zeigt sich ein breites Spektrum an Antworten auf allen Ebenen – der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Gleichstellung hat für die Bevölkerung eine hohe Relevanz. Das zeigen neben dem Barometer Gleichstellung 2021 nicht zuletzt auch weitere nationale Umfragen wie das «Barometer Gute Arbeit 2021» von Travail.Suisse. Tatsächliche Gleichstellung ist kein ‘nice to have’. Dem Verfassungsauftrag der tatsächlichen Gleichstellung nachzukommen, bleibt in der Verantwortung aller – von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.