Die Milchwirtschaft spielt im Kanton Freiburg eine zentrale Rolle sowohl aufgrund ihres historischen, gesellschaftlichen und kulturellen Erbes als auch durch ihre landschaftliche Prägung des ländlichen Raums. Sie ist auch ein wichtiger Pfeiler der Wirtschaft, der Wertschöpfung generiert und zur Vitalität der ländlichen Regionen beiträgt. Die Milchproduktion ermöglicht zudem eine effiziente Nutzung der Grünflächen des Kantons und spielt damit eine wesentliche Rolle für eine nachhaltige Bewirtschaftung.
Angesichts der aktuellen und zukünftigen Herausforderungen führten Grangeneuve und die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL 2023 gemeinsam eine Umfrage zur Zukunft der Milchproduktion durch, um die Bedürfnisse und Erwartungen der Produzentinnen und Produzenten sowie der Akteure im Kanton besser zu verstehen. Dieses partizipative Vorgehen ermöglichte es, die Prioritäten zu ermitteln, und bildete die Grundlage für die Ausarbeitung des Aktionsplans für die Milchwirtschaft.
Ziel des Aktionsplans für die Milchwirtschaft ist es somit, die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Milchproduktion im Kanton Freiburg zu verbessern und dabei den strukturellen, ökologischen und sozioökonomischen Herausforderungen des Sektors Rechnung zu tragen. Er will die Branche durch Massnahmen unterstützen, die die vier in der HAFL-Studie identifizierten Themen abdecken: 1. Investitionen, Infrastrukturen und Fortbestand des Milchstalls, 2. Natürliche Ressourcen und Anpassung an den Klimawandel, 3. Nachfolge und Übernahme des Bauernhofs, 4. Lebensqualität der Produzentinnen und Produzenten.
Ein weiteres Ziel des Plans besteht darin, den Austausch und die Transparenz innerhalb des Milchsektors zu stärken zwecks Förderung einer gemeinsamen Dynamik und besseren Koordination zwischen den Akteuren. Schliesslich will er die Attraktivität der Berufe in der Milchproduktion und der Milchtechnologie steigern, indem er ein positives und modernes Image der Branche vermittelt.
Der Aktionsplan nutzt vor allem die Hebel, die im Zuständigkeitsbereich des Kantons liegen, insbesondere den Ausbau der Beratungsangebote sowie die finanzielle Unterstützung von Investitionen. Dabei stützt er sich auf die bereits bestehenden staatlichen Massnahmen und setzt auf Kontinuität: Mehrere Massnahmen und Dienstleistungsangebote sind im Kanton bereits vorhanden und sollen ausgebaut werden. Weitere sollen aufgrund der ermittelten Bedürfnisse neu eingeführt werden.
Um die von den Partnern der Milchwirtschaft geäusserten Erwartungen zu berücksichtigen und gemäss den ihm gesetzlich übertragenen Aufgaben wird Grangeneuve zudem neue Massnahmen entwickeln, wobei der Schwerpunkt auf sechs Hauptthemenbereichen liegt:
- Effiziente Fütterung
- Massnahme: Pilotprojekt zur wirtschaftlichen Optimierung der Fütterung von Milchkühen
- Nachhaltiges landwirtschaftliches Bauen
- Massnahmen: Verbesserung der Kommunikation durch eine Neugestaltung der Website und eine bessere Definition der Etappen bei landwirtschaftlichen Bauvorhaben sowie ein Leistungsangebot für die Projektkoordination
- Auf einem Milchviehbetrieb arbeiten
- Massnahmen: Leistungen: wirtschaftliche-technologische Analysen von Milchviehbetrieben und Stundenlohn, Begleitung der Niederlassung und der Betriebsübernahme durch die nächste Generation, Optimierung der Arbeitsabläufe in den Betrieben
- Die Milchwirtschaft stärken
- Massnahme: Organisation eines Tages zum Thema Milchproduktion für angehende Landwirtinnen und Landwirte und Milchtechnologinnen und Milchtechnologen
- Den Beruf Milchproduzentin/Milchproduzent aufwerten
- Massnahmen: Koordination der Kommunikation mit der Branche, Umsetzung von Projekten zum sozialen Umfeld der Milchproduzentinnen und -produzenten
- Tiergesundheit und Tierwohl
- Massnahme: Projekt zur Entwicklung einer Entscheidungshilfe-App für die gezielte Behandlung von Euterentzündungen und das Trockenstellen bei Milchkühen
Der Plan ist als evolutiv und anpassungsfähig konzipiert, damit schrittweise neue Massnahmen entsprechend den Erwartungen der Branche und den verfügbaren Mitteln integriert werden können.