Im Rahmen der kantonalen Strategie zur Gesundheitsförderung und Prävention «Perspektiven 2030» setzen die beiden Programme eine Priorität des Regierungsprogramms 2022–2026 um:
Den Freiburgerinnen und Freiburgern ein Lebensumfeld bieten, das die Gesundheit das ganze Leben lang fördert
Chronische nichtübertragbare Krankheiten (NCD) – wie Herz-Kreislauf-, muskuloskelettale und Atemwegserkrankungen, Krebs oder Diabetes – sind für 72 % der Gesundheitskosten in der Schweiz verantwortlich. Im Jahr 2022 litten fast 36 % der Freiburger Bevölkerung ab 15 Jahren an mindestens einer NCD (ohne Pflegeheimbewohnende; 37 % in der Schweiz). Psychische Erkrankungen stellen ebenfalls eine grosse Herausforderung für die Gesellschaft dar, ihre Kosten werden auf 21,4 Milliarden Franken geschätzt , von denen mehr als die Hälfte auf Produktivitätsverluste zurückzuführen sind. Im Jahr 2022 gaben 12,5 % der Freiburger Bevölkerung an, unter Symptomen einer mittelschweren bis schweren Depression zu leiden, wobei der Unterschied zum Schweizer Wert nicht signifikant ist (9,8 %).
Die NCD stehen teilweise im Zusammenhang mit verhaltensbezogenen Risikofaktoren wie einer unausgewogenen Ernährung, Bewegungsmangel oder Tabakkonsum. Letzterer ist nach wie vor die häufigste vermeidbare Todesursache in der Schweiz. Schätzungen auf der Grundlage von Daten aus dem Jahr 2017 zufolge ist fast jeder siebte Todesfall darauf zurückzuführen. Obwohl der Tabakkonsum langfristig sowohl in der Schweiz als auch im Kanton Freiburg zurückgeht, entwickelt sich der Markt rasch weiter, mit neuen Produkten wie Puffs, Snus oder E-Zigaretten, die besonders junge Menschen ansprechen und das Suchtpotenzial erhöhen..
Gewaltprävention durch die Unterstützung von gewaltausübenden Personen sowie der Opfer als integraler Bestandteil des neuen KAP 2026-2029
Das kantonale Aktionsprogramm zielt darauf ab, eine ausgewogene Ernährung, eine regelmässige körperliche Aktivität und die psychische Gesundheit zu fördern, wobei es sich auf die Erkenntnisse der letzten fünfzehn Jahre stützt. Es richtet sich in erster Linie an Kinder, Jugendliche und Seniorinnen und Senioren, die zu Hause leben, sowie an ihr Umfeld, wie Eltern, Angehörige und Fachpersonen. Das KAP will die Schaffung gesundheitsfördernder Umgebungen in Gemeinden und Schulen unterstützen, die Kompetenzen der Akteurinnen und Akteure, die diese Zielgruppen betreuen, stärken und kritische Lebensübergänge wie den Schuleintritt, die Adoleszenz oder das Älterwerden begleiten. Das KAP wird von Gesundheitsförderung Schweiz und der GSD mitfinanziert und vom Amt für Gesundheit (GesA) in enger Zusammenarbeit mit einem umfangreichen Partnernetzwerk umgesetzt.
Die Massnahmen zur Gewaltprävention bauen auf den bestehenden Leistungen der Freiburger Partner auf und tragen zur Umsetzung des kantonalen Konzepts zur Bekämpfung von Gewalt in Paarbeziehungen und deren Auswirkungen auf die Familie bei. Sie richten sich nicht nur an die Opfer von Gewalt, sondern auch an die gewaltausübenden Personen.
Zu den prioritären Massnahmen gehört beispielsweise das Programm «Unterstützung für gewaltausübende Eltern» des Vereins EX-pression , das gewaltausübenden Personen, die freiwillig Hilfe suchen, Unterstützung bietet. Diese «freiwilligen» Unterstützungsanfragen machen derzeit 40 % aller Anfragen des Vereins aus. EX-pression bietet zu Präventionszwecken und zur Vermeidung von Rückfällen spezielle Beratungsprogramme für gewaltausübende Personen sowie ein sozialtherapeutisches Begleitprogramm speziell für Eltern an. Im Jahr 2025 wurden 164 Menschen, die mit Kindern leben, von EX-pression begleitet.
Gewalt in Paarbeziehungen hat negative Auswirkungen auf das körperliche und psychische Wohlbefinden der Betroffenen und der Kinder, die ihr ausgesetzt sind, und führt zu ernsthaften gesundheitlichen Folgen. Die von der Familienberatung durchgeführte Massnahme As’trame bietet Kindern, die Gewalt ausgesetzt sind, einen Raum, in dem sie ihre Erfahrungen verarbeiten, Anerkennung für das Erlebte finden und spezifische Ressourcen entwickeln können. Auch die Eltern werden für die Risiken sensibilisiert, denen ihre Kinder in solchen Situationen ausgesetzt sind, und nachdrücklich dazu ermutigt, Unterstützung in Anspruch zu nehmen (sowohl für das gewaltbetroffene als auch für das gewaltausübende Elternteil), um der Gewalt ein Ende zu setzen.
Schliesslich befasst sich die Massnahme Paare, Pensionierung und Paargewalt mit der Problematik der Gewalt in der Partnerschaft im Ruhestand. Ein neuer E-Learning-Kurs zum Thema Gewalt bei älteren Paaren wurde kürzlich für Apothekerinnen und Apotheker sowie Fachpersonen Apotheken lanciert, um Gewaltsituationen zu erkennen, den Opfern zuzuhören und sie an die entsprechenden Hilfsangebote weiterzuleiten. Diese Massnahme richtet sich an die 84 Apotheken im Kanton als niederschwellige Orte für einen direkten Kontakt zu Seniorinnen und Senioren, Stammkunden und einer besonders gefährdeten und von sozialer Isolation bedrohten Bevölkerungsgruppe. Sie wird vom Büro für Gleichstellung und Familie in Zusammenarbeit mit der Kantonsapothekerin umgesetzt.
Eine zweisprachige und erweiterte Version des Escape Games Mission Télomère für das KPT 2026–2029
Das kantonale Tabakpräventionsprogramm wird auf alle tabak- oder nikotinhaltigen Produkte sowie auf ähnliche Produkte ausgeweitet. Es zielt darauf ab, den Einstieg in den Konsum insbesondere bei Jugendlichen zu verhindern, dazu beizutragen, dass der Konsum von Tabak und alternativen Produkten nicht mehr als normal gilt, und die Rahmenbedingungen (Schutz vor Passivrauchen, Regulierung von Werbung und Verkauf) zu verbessern. Er sieht auch Massnahmen zur Unterstützung der Entwöhnung und zur Stärkung der Zusammenarbeit mit anderen kantonalen Programmen vor, um einen ganzheitlichen und kohärenten Ansatz zu fördern. Das KPT wird von der GSD, dem nationalen Tabakpräventionsfonds und der Loterie Romande finanziert und vom CIPRET Freiburg im Auftrag der GSD und in Zusammenarbeit mit Schulen, sozialen Einrichtungen, Gesundheitsbehörden, Akteuren vor Ort und Verkaufsstellen umgesetzt.
Mit mehr als 9'100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Rahmen des vorangegangenen Programms 2022-2025 ist das Escape Game Mission Télomère nach wie vor eine wesentliche Massnahme des neuen Programms. Die Förderung des kritischen Denkens sowie der Fähigkeit, Gruppendruck zu widerstehen, ist eine Priorität, damit junge Menschen fundierte und verantwortungsbewusste Entscheidungen treffen können. Das Escape Game wird hauptsächlich für Klassen des 1. Zyklus angeboten. Im Rahmen des Programms 2026-2029 wird eine optimierte und zweisprachige Version von Mission Télomère eingeführt, mit einem neuen Rätsel zu den aktuellen Marketingstrategien und der Attraktivität neuer Nikotinprodukte.
Die Ausstellung Tabak im Fokus ergänzt das Angebot und vertieft das Wissen der Jugendlichen über Tabakkonsum und Nikotinprodukte. Sensibilisierungsworkshops in Schulklassen, neue nationale Angebote wie vapefree.info oder Free.Fair.Futur ergänzen das Angebot für Schulen ebenfalls.