Gewalt in Paarbeziehungen kennt keine Altersgrenze. Personen ab 64 Jahren machen heute fast 20 % der Schweizer Bevölkerung aus und sind ebenfalls von häuslicher Gewalt betroffen. Apothekerinnen und Apotheker sowie die Fachpersonen Apotheke nehmen hier eine zentrale Rolle ein: Durch ihren regelmässigen Kontakt mit älteren Personen erkennen sie Gewaltsituationen, hören den Betroffenen zu und verweisen sie an entsprechende Hilfsangebote. Ältere Opfer suchen selten direkt spezialisierte Hilfe auf; sie wenden sich eher an eine Vertrauensperson. Somit ist die Apotheke eine wichtige Anlaufstelle in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld.
Speziell für Seniorinnen und Senioren entwickelte Präventionsinstrumente
Die nationale Studie der Hochschule für Gesundheit La Source (HES-SO) und des senior-lab zeigt, dass Gewalt bei älteren Paaren oft bereits früh in der Partnerschaft beginnt und bis ins hohe Alter fortbesteht. Die Pensionierung ist eine risikoreiche Zeit, die eine bestehende oder latente Gewaltdynamik verschärfen kann. Soziale Isolation, Unkenntnis über Hilfsangebote, Scham oder Angst vor den Folgen können den Zugang zu Hilfsangeboten erschweren. Ältere Opfer wenden sich nur zögerlich an Opferhilfeeinrichtungen oder die Polizei; Anlaufstellen im unmittelbaren Lebensumfeld sind deshalb von zentraler Bedeutung.
Der neue Kurs zielt darauf ab, das Apothekenpersonal zu sensibilisieren, ihm praktische Hilfsmittel an die Hand zu geben und geeignete Schritte bei Gewaltsituationen bei älteren Paaren aufzuzeigen. Da die Theorie nochmals aufgegriffen wird, eignet sich der Kurs sowohl als Fortbildung im Anschluss an das erste Schulungsmodul als auch als Einstiegskurs.
Der E-Learning-Kurs wurde in Zusammenarbeit mit der Westschweizer Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten, den Kantonsapothekerinnen und -apothekern der Partnerkantone sowie der Hochschule für Gesundheit La Source (HES-SO) und mit dem technischen Fachwissen von Take off Concept entwickelt. Die Schulungsinhalte basieren auf den Materialien des angewandten Forschungsprojekts «Prävention von Gewalt bei älteren Paaren» der Hochschule für Gesundheit La Source (HES-SO), dem Nationalen Kompetenzzentrum Alter ohne Gewalt und senior-lab.
Das Forschungsprojekt wurde vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) finanziell unterstützt. Seine Umsetzung im Kanton Freiburg wurde durch die kantonale Strategie Nachhaltige Entwicklung und dem kantonalen Programm – Ernährung, Bewegung, psychische Gesundheit ermöglicht. Diese spezifische Fortbildung ist Teil der Massnahmen zur Stärkung der Weiterbildung von Fachpersonen im Rahmen des kantonalen Handlungskonzepts zur Bekämpfung von Gewalt in Paarbeziehungen und deren Auswirkungen auf die Familie.
Die Fortbildung richtet sich an Apothekerinnen und Apotheker sowie an Fachpersonen Apotheke und ist für die ersten 145 Anmeldungen im Kanton Freiburg kostenlos (max. drei Anmeldungen pro Apotheke). Anschliessend kostet die Teilnahme 90 Franken pro Anmeldung. Die Fortbildung ist auf Deutsch und Französisch verfügbar und wird von der Freiburger Apothekergesellschaft unterstützt. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein von pharmaSuisse anerkanntes Zertifikat. Interessierte können sich über den folgenden Link anmelden: www.pharmaciesfribourg.ch/de/dienstleistung-und-beratung/dienstleistungen .
Bis heute verzeichnet das im Juni 2025 eingeführte Basismodul insgesamt 124 Anmeldungen, davon 109 aus dem französischsprachigen und 15 aus dem deutschsprachigen Kantonsteil. Insgesamt absolvierten mehr als 65 % der Freiburger Apotheken diese erste Schulung. 87 % des deutschsprachigen und 85 % des französischsprachigen Apothekenpersonals, das sich angemeldet hat, schloss das erste Modul zum Erkennen von häuslicher Gewalt ab.