Dies ist der Höhepunkt des Projekts 11-11-11, das von der Direktorin für Bildung und Kultur (BKAD) ins Leben gerufen wurde, um das 11-jährige Bestehen des neuen Schulgesetzes zu feiern. Ziel ist es, mehr über das Befinden der Jugendlichen am Ende ihrer Schulpflicht zu erfahren und die Meinung derjenigen einzuholen, die am meisten von der Schule betroffen sind.
An diesem Freitagmorgen treffen sich im Rathaus in Freiburg 69 delegierte Schülerinnen und Schüler der Orientierungsschulen des Kantons und diskutieren zunächst schulische Themen in kleinen Gruppen an runden Tischen, die von Schulinspektorinnen und Schulinspektoren moderiert werden. An den Tischen sitzen auch Vertretungen aller politischen Fraktionen.
Für die Diskussionen an den runden Tischen wurden Themen aus den 11 im Unterricht behandelten Themen ausgewählt. Dabei handelt es sich u.a. um den Lehrplan, den Stundenplan, die Kleiderordnung, das allgemeine Wohlbefinden an der OS und die bei Lehrpersonen geschätzten Kompetenzen.
Eine Abstimmung
An diesem Freitagnachmittag versammeln sich die Schülerinnen und Schüler im Saal des Grossen Rates zu einer echten Plenarsitzung unter der Leitung des Grossratspräsidenten Bruno Marmier. Das Thema der Debatte ist die Schulorganisation (Bildungsgänge) in der Sekundarstufe I (Orientierungsschule): Welche Argumente sprechen für die Beibehaltung des Klassentypenmodells? Welche Argumente sprechen für ein anderes Modell oder andere Modelle? Welche Möglichkeiten würden sich bieten, wenn diese Frage erneut diskutiert werden könnte? Nach der Debatte über diese Fragen stimmen die abgeordneten Schülerinnen und Schüler am Ende des Nachmittags analog einem Postulat zur folgenden Frage ab: «Wollen Sie, dass die BKAD eine Arbeitsgruppe einsetzt, um die verschiedenen Modelle der Klassenorganisation in der Sekundarstufe I zu analysieren und zu bewerten? »
Am Freitag waren die Meinungen vielfältig, die Argumente und Gegenargumente gut durchdacht, die Diskussionen intensiv. Bei der Abstimmung haben die Delegierten der kantonalen Orientierungsschulen schliesslich mit 55 Ja-Stimmen und 13 Nein-Stimmen beschlossen, die BKAD zu beauftragen, eine Arbeitsgruppe zu bilden, um die verschiedenen Modelle der Klassenorganisation in den OS zu analysieren und zu bewerten.
Die Schülerinnen und Schüler würden gerne später mit dem Unterricht beginnen
Die Themen, die für die Diskussionen an den runden Tischen und in der Plenardebatte ausgewählt wurden, stammen aus den 11 Themen, die im Herbst in allen 11H-Klassen der 23 Orientierungsschulen des Kantons insbesondere im Rahmen des Unterrichts in Geschichte und Politik (RZG) aber auch in andern Fächern behandelt wurden. Aus den Debatten im Unterricht lassen sich folgende Tendenzen ableiten:
- Die Schülerinnen und Schüler hoben insbesondere die Idee hervor, morgens später mit der Schule zu beginnen und zwischen den Unterrichtsstunden 5-10 Minuten Pause zu machen sowie die Mittagspause zu verkürzen.
- Die Fragen zur Kleiderordnung interessieren die Schüler besonders.
- Sie tendieren zu Wirtschaft, Finanzbildung, Informatik und Digitalisierung (Medien- und Anwendungskompetenzen) als nützliche Fächer für das Leben in der heutigen Gesellschaft und haben eine starke Nachfrage nach Sprachen und praktischen/administrativen Kompetenzen.
- Die Schülerinnen und Schüler schätzen vor allem die zwischenmenschlichen Kompetenzen der Lehrkräfte (Einfühlungsvermögen, Geduld, Respekt, Zuhören, Humor), die pädagogische Klarheit und die Beherrschung des Fachs sowie das Klassenmanagement. Diese Kompetenzen werden dicht gefolgt von der Leidenschaft für den Beruf und der Wertschätzung der Schülerinnen und Schüler.
- Schliesslich sind es die Bewertungen, die Schülerinnen und Schüler am meisten stressen, weit vor Mobbing, Konflikten, Spott oder Hausaufgaben.
Schülerinnen und Schüler, die sich wohlfühlen und den Humor ihrer Lehrpersonen schätzen
Die gleichen Schulthemen wurden allen Schülerinnen und Schüler der 11H-Klasse im Herbst 2025 in Form eines individuellen Fragebogens vorgelegt: 3464 Schülerinnen und Schüler nahmen daran teil, was einer Rücklaufquote von 85 % entspricht.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Schülerinnen und Schüler sich wohlfühlen, ausgeglichen sind und Interesse an ihrer Schulbildung haben:
- Für die grosse Mehrheit der Schülerinnen und Schüler (über 75 %) entsprechen die Fächer, in denen sie an der Orientierungsschule (Sekundarstufe I) unterrichtet werden, ihren Bedürfnissen im Hinblick auf die Vorbereitung auf ihren weiteren Bildungsweg.
- Unterrichtslektionen von 45-50 Minuten sind für fast 80 % der Schülerinnen und Schüler, die den Fragebogen ausgefüllt haben, am besten geeignet.
- Mehr als 87 % von ihnen sind der Meinung, dass die Nutzung digitaler Geräte (Computer, Tablet, Internet usw.) Teil der Arbeit der Schülerinnen und Schüler sein sollte.
- Fast 80 % der Schülerinnen und Schüler sagen, dass ihre Schule über eine angemessene und ausreichende Ausstattung verfügt, sowohl innen als auch aussen.
- Zwei Drittel sind der Meinung, dass die Kleidung der Schülerinnen und Schüler nicht in der Schulordnung festgelegt werden sollte.
- Für drei Viertel der Schülerinnen und Schüler werden Mädchen und Jungen in ihrer Schule gleichbehandelt.
- Mehr als 85 % der befragten Schülerinnen und Schüler sagen, dass sie in der Schule so respektiert werden, wie sie sind.
- Nach Meinung der Schülerinnen und Schüler sind die drei wichtigsten Eigenschaften einer guten Lehrperson Humor, klare Erklärungen und Geduld.
- Im Allgemeinen gibt die grosse Mehrheit der Schülerinnen und Schüler an, dass sie sich in der Schule wohlfühlen (85 %), in ihrer Klasse etwas besser (89 %) und mit den anderen Schülerinnen und Schüler noch besser (91 %).
- Drei Viertel von ihnen fühlen sich ausreichend auf die Herausforderungen ihrer Zukunft vorbereitet.
- Zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler (62 %) sind der Meinung, dass ihre Meinung als Schüler im Schulalltag ausreichend berücksichtigt wird.
Niveaustufen pro Fach?
Was die Frage der Schulorganisation nach Klassentypen in der Sekundarstufe I betrifft, zeigten die Schüler grosses Interesse an Niveaustufen pro Fach, wie sie in den Kantonen Waadt, Neuenburg und Wallis praktiziert werden, um eine allgemeine Einstufung zu vermeiden. Vor der Debatte am 23. Januar wünschten sich viele Klassen eine offizielle Studie zum Vergleich der Modelle. Die Selektion am Ende der Primarstufe wird als Quelle von Stress und Druck empfunden. Darüber hinaus wird die Stigmatisierung, die mit dem Zweig «Exigences de base» («Realklasse») verbunden ist, vehement abgelehnt, und es werden Forderungen nach einer Umbenennung oder Überarbeitung der Bezeichnung laut.
Die Klassen stellten sich die Frage, ob es möglich wäre, früher im Lehrplan nützlichere und berufsorientiertere Optionen anzubieten.
Die Entwicklung der Schule
Diese Sichtweise der Schülerinnen und Schüler auf die Schule ergänzt verschiedene Bestandesaufnahmen, die in den letzten Monaten durchgeführt wurden: Ergebnisse der «COFO du SEnOF», Ergebnisse des Audits der SEnOF, Treffen mit Schuldirektionen, Lehrpersonen, Elternverbänden, Gemeinderäte usw. Dieses Zusammentragen von Informationen aller Schulpartner wird dazu beitragen, die Überlegungen zur zukünftigen Schulentwicklung zu bereichern.