Im Kanton Freiburg bleiben die Unterschiede zwischen Frauen und Männern sowohl bei den Löhnen als auch beim beruflichen Status deutlich ausgeprägt. Wie auf Schweizer Ebene verdienen Frauen weniger als Männer. Zudem sind sie bei den niedrigen Einkommen übervertreten, bei den hohen Löhnen untervertreten und seltener in Führungspositionen anzutreffen.
Differenz zwischen dem Medianlohn der Frauen und der Männer im privaten Sektor im Kanton Freiburg im Jahr 2024. Gemessen am Medianlohn verdienten Frauen im privaten Sektor 11,0% weniger als Männer.
Bruttomonatslohn im Privatsektor
- Gemessen am Medianlohn verdienten Frauen im privaten Sektor im Kanton Freiburg im Jahr 2024 11,0% weniger als Männer, was einer Differenz von 716 Franken pro Monat entspricht.
- Das Lohngefälle hat sich zwischen 2012 und 2018 schrittweise verringert bevor es im Jahr 2020 wieder zunahm; in der Folge blieb das Gefälle relativ stabil.
Verteilung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Privatsektor nach Lohnklassen
- Im Privatsektor verdienen im Jahr 2024 16,2% der vollzeitbeschäftigten Frauen 4000 Franken netto oder weniger pro Monat, gegenüber nur 3,3 % der Männer. Umgekehrt verdienten 18,1% der vollzeitbeschäftigten Männer im Privatsektor mehr als 8000 Franken, wohingegen 11,2% der Frauen denselben Lohn erreichten.
- Frauen sind am häufigsten im Lohnband 4001 bis 5000 Franken vertreten, Männer im Band 5001 bis 6000 Franken.
- Diese Daten zeigen, dass Frauen in Niedriglohnbereichen konzentriert und in Hochlohnbereichen unterrepräsentiert sind, während die Lohnverteilung bei Männern stärker nach oben tendiert.
Erwerbstätige nach Erwerbsstatus
- Im Kanton Freiburg waren im Jahr 2024 53,6% der erwerbstätigen Männer (im privaten und öffentlichen Sektor) Arbeitnehmer ohne Personalführung. Bei den Frauen lag dieser Anteil bei 70,1%.
- Etwa 23% der Männer waren in einer Position mit Führungsaufgaben tätig, bei den Frauen waren es 13 %. Rund 4,4% der Männer gingen einer Tätigkeit als Geschäftsführer oder Mitglied der Geschäftsleitung nach, während es bei den Frauen nur 2,1% waren.
- Insgesamt waren Männer also häufiger in Führungspositionen vertreten als Frauen.
Frauen verdienen – nach wie vor – weniger als Männer
Trotz erzielter Fortschritte verdienen Frauen in Freiburg wie auch in der gesamten Schweiz immer noch weniger als Männer. Dieses Lohngefälle ist das Ergebnis zahlreicher Faktoren, die tief in den geschlechtsspezifischen Ungleichheiten verwurzelt sind. Im Jahr 2022 (Die Zahlen für 2024 sind noch nicht verfügbar). betrug das durchschnittliche Lohngefälle zwischen Frauen und Männern (privater und öffentlicher Sektor) in der Schweiz noch immer 16,2 %; 48,2 % davon können nicht durch strukturelle Unterschiede (Unterschiede in den Profilen und Merkmalen der Person, der ausgeübten Tätigkeit oder dem Tätigkeitsbereich) erklärt werden. Konkret bedeutet dies, dass Frauen im Jahr 2022 durchschnittlich rund 657 Franken pro Monat weniger verdienten als Männer, ohne dass es dafür eine Erklärung gibt. Dieser Abschnitt bezieht sich auf die Zahlen von 2022, da die Analyse des unerklärten Anteils der Lohnunterschiede auf der Grundlage der Zahlen von 2024 noch nicht verfügbar ist.
Langfristig summieren sich diese Unterschiede in der Altersvorsorge: In der Schweiz lag die durchschnittliche jährliche Rente der Frauen im Jahr 2023 um 16'379 Franken unter jener der Männer (das entspricht einem Pension Gap von rund 31 %). Im europäischen Vergleich ist dieser Pension Gap relativ hoch. Er lässt sich hauptsächlich durch die bei Frauen häufiger unterbrochenen Erwerbsverläufe und die Teilzeitarbeit erklären, welche die Sparbeiträge der 2. Säule mindert – während die AHV-Rente (1. Säule) zwischen Frauen und Männern nahezu identisch ist.
Ungleiche Löhne bereits bei Arbeitsmarkteintritt
Entgegen der landläufigen Meinung treten Lohnunterschiede bereits lange vor der Geburt des ersten Kindes auf: In der Schweiz zeigte eine 2019 veröffentlichte Studie, dass bereits zwischen jungen Frauen und Männern ohne besondere familiäre Verpflichtungen ein Lohnunterschied von etwa 5 % bestand. Dies zeigt, dass Diskriminierungen unabhängig von Teilzeit- oder Hausarbeit, die überwiegend von Frauen geleistet wird, existieren.
Das «unerklärte» Lohngefälle ist zum Teil auf geschlechtsspezifische Diskriminierung zurückzuführen. Mehrere aktuelle Studien zeigen, dass Frauen genauso oft oder sogar häufiger Lohnverhandlungen führen als Männer. Sie werden jedoch häufiger abgelehnt oder erhalten von vornherein niedrigere Lohnangebote als Männer.
Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und Karriereunterbrechungen
Frauen leisten den Grossteil der unbezahlten Arbeit (Hausarbeit, Kinderbetreuung oder Angehörigenpflege). Diese wichtige Arbeit schränkt jedoch ihr Engagement im Beruf ein. Sie nehmen daher häufig Teilzeitstellen an, die weniger wertgeschätzt werden und wenig Aufstiegsmöglichkeiten bieten.
Ausserdem werden ihre beruflichen Laufbahnen häufiger aus familiären Gründen unterbrochen. Diese Zeiten ausserhalb des Arbeitsmarktes werden nach wie vor als «Lücken» in ihrem Lebenslauf angesehen; die während dieser Zeit erworbenen Kompetenzen werden im Beruf oft nur wenig anerkannt.
Die Arbeitswelt ist nach wie vor stark geschlechtsspezifisch geprägt: Traditionell weibliche Berufe (Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesen, personenbezogene Dienstleistungen) sind oft schlechter bezahlt als überwiegend männliche Berufe, selbst wenn die Verantwortlichkeiten und Ausbildungsniveaus vergleichbar sind.
Gläserne Decke
Die gläserne Decke bezeichnet die unsichtbaren Hürden, die Frauen, aber auch andere Minderheiten, daran hindern, leitende Positionen in Unternehmen einzunehmen. Leitungsfunktionen werden nach wie vor mehrheitlich von Männern besetzt, insbesondere aufgrund traditionell männlicher Führungsmodelle (Autorität, schnelle Entscheidungsfindung, maximale Verfügbarkeit).
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