Der Sommer 2026 wird als aussergewöhnliche Herausforderung für die Bewirtschaftung der Wasserressourcen im Kanton Freiburg in Erinnerung bleiben. Das bereits im März einsetzende Niederschlagsdefizit und die ab Juni anhaltenden hohen Temperaturen führten zu einem deutlichen Rückgang der Wasserführung zahlreicher Fliessgewässer, zu einem Anstieg des Trinkwasserverbrauchs und zu einem wachsenden Druck auf die Wasserressourcen.
Wasserführung der Fliessgewässer auf Tiefststand
Mehrere Fliessgewässer im Kanton erreichten im Juni, Juli und August rekordtiefe Abflusswerte. Angesichts dieser Situation untersagte der Kanton am 18. Juni die Wasserentnahme aus Freiburger Oberflächengewässern. Ausgenommen waren bestimmte grosse Seen und Fliessgewässer, die über ausreichende Reserven verfügten. Mit dieser Massnahme sollten die für den Erhalt der aquatischen Ökosysteme erforderlichen Mindestabflüsse sichergestellt werden. Die Niederschläge am Ende des Sommers haben die hydrologische Lage zwar verbessert, reichen jedoch noch nicht aus, um das Entnahmeverbot aufzuheben.
Der Sommer 2026 war zudem von aussergewöhnlich hohen Wassertemperaturen in mehreren Fliessgewässern und Seen geprägt. Die Broye verzeichnete im Juni in Payerne mit 29,36 °C einen Rekordwert, während im Murtensee und im Neuenburgersee besonders hohe Oberflächentemperaturen gemessen wurden. Selbst der auf über 1000 Metern Höhe gelegene Schwarzsee blieb von dieser Entwicklung nicht verschont: An seinem Ausfluss erreichte die Wassertemperatur mit 26,35 °C einen historischen Höchststand.
Diese Bedingungen setzen der Wasserfauna zu. Denn wenn die Wasserführung abnimmt, erwärmt sich das Wasser schneller und enthält weniger Sauerstoff. Dadurch werden die Fische anfälliger für Krankheiten und Verschmutzungen und der Rückgang geeigneter Lebensräume verschärft ihre Situation zusätzlich. Besonders betroffen sind Arten, die auf kaltes Wasser angewiesen sind, wie beispielsweise die Forelle.
Diese Beobachtungen bestätigen, wie wichtig es ist, die Revitalisierung der Fliessgewässer weiter voranzutreiben, die Ufervegetation zu fördern und die natürlichen Verbindungen zwischen Fliessgewässern, ihren Zuflüssen und dem Grundwasser wiederherzustellen.
Um diese Phänomene besser zu überwachen, wurden im Jahr 2024 im Rahmen des kantonalen Klimaplans Temperatursonden in das kantonale hydrometrische Messnetz integriert. Diese Messgeräte ermöglichen eine präzisere Echtzeitüberwachung der Wassertemperaturen und der Entwicklung der Fliessgewässer. Sie tragen zu einem besseren Verständnis der Auswirkungen von Trockenheit und Hitze auf die aquatischen Lebensräume bei und stärken die Überwachungs- und Prognosekapazitäten des Kantons.
Verschmutzungsereignisse erfordern erhöhte Wachsamkeit
Der Sommer war zudem von mehreren Verschmutzungen geprägt. Diese Ereignisse haben gezeigt, wie stark Trockenperioden die Auswirkungen von Verschmutzungen verstärken können. Bei geringer Wasserführung werden Schadstoffe weniger verdünnt, wodurch ihre Auswirkungen schwerwiegender sein können. Vor diesem Hintergrund rief das Amt für Umwelt die Bevölkerung bereits Mitte Juli zur Vorsicht auf und empfahl, die offiziellen Badeplätze zu nutzen, deren Wasserqualität regelmässig überwacht wird. Über die gesundheitlichen Aspekte hinaus führen die geringen Abflüsse zu einer erhöhten Fragilität der aquatischen Lebensräume. Die Bevölkerung wurde daher aufgerufen, sich rücksichtsvoll zu verhalten, um diese Ökosysteme zu schützen, die durch die aussergewöhnlichen klimatischen Bedingungen bereits stark belastet sind.
Eine noch verfügbare, aber zunehmend beanspruchte Ressource
Die Trockenheit veranlasste zudem mehr als die Hälfte der Freiburger Gemeinden, ihre Bevölkerung dazu aufzurufen, den Wasserverbrauch zu reduzieren oder vorübergehende Einschränkungen einzuführen, insbesondere bei der Gartenbewässerung, dem Befüllen von Schwimmbädern und dem Autowaschen.
Entgegen manchen Annahmen kam es im Kanton jedoch nicht zu einer flächendeckenden Wasserknappheit. Die wichtigsten Grundwasservorkommen und grossen Stauseen verfügten dank der Niederschläge vom Herbst und Winter insgesamt über ausreichende Reserven. Die beobachteten Schwierigkeiten betrafen vor allem bestimmte lokale Ressourcen, die gegenüber Trockenheit besonders anfällig sind, sowie Infrastrukturen, die gleichzeitig mit hohen Verbrauchsspitzen konfrontiert waren. Diese Situation macht deutlich, dass eine auf Kantonsebene reichlich vorhandene Ressource nicht zwangsläufig überall, jederzeit und in den erforderlichen Mengen verfügbar ist.
Die Grundwasservorkommen, aus denen rund drei Viertel des im Kanton verbrauchten Trinkwassers stammen, werden künftig verstärkt überwacht. Der Ausbau des kantonalen Überwachungsnetzes wird dazu beitragen, ihr Verhalten besser zu verstehen und künftige Trockenperioden frühzeitig zu erkennen.
Vorbereitung auf die Herausforderungen von morgen
Die Ereignisse des Sommers 2026 haben die im Sachplan Gewässerbewirtschaftung (SPGB) und im Sachplan Trinkwasserinfrastrukturen (STWI) identifizierten Herausforderungen eindrücklich bestätigt. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, stehen eine engmaschigere Überwachung der Wasserressourcen, die Sicherung der Trinkwasserversorgung, die Vernetzung der Versorgungsnetze, die Revitalisierung der Fliessgewässer, die Modernisierung der Abwasserinfrastrukturen sowie der Schutz der Trinkwasserfassungen im Vordergrund.
Der vergangene Sommer hat gezeigt, dass Wasser im Kanton Freiburg insgesamt weiterhin verfügbar ist, seine Bewirtschaftung jedoch zunehmend anspruchsvoller wird. Vor dem Hintergrund des Klimawandels gewinnt ein vorausschauender, sparsamer und nachhaltiger Umgang mit dieser lebenswichtigen Ressource weiter an Bedeutung.
Angesichts dieser wachsenden Herausforderungen hat der Staatsrat den strategischen und gesetzlichen Rahmen des Kantons im Bereich der Bewirtschaftung der Wasserressourcen weiter gestärkt. So verabschiedete er im Juni 2026 eine Bewässerungsstrategie, die den Ausbau leistungsfähiger Infrastrukturen fördern soll, um die lokale landwirtschaftliche Produktion zu sichern und gleichzeitig eine nachhaltige Nutzung der Wasserressourcen zu gewährleisten. Seit dem 1. August 2026 ist zudem eine Teilrevision des kantonalen Gewässergesetzes in Kraft. Sie sieht insbesondere eine Erhöhung des Beitragssatzes für Gewässersanierungsprojekte vor.
Am 26. August hat der Staatsrat den kantonalen Klimaplan der zweiten Generation (KKP2) verabschiedet. Dieser sieht im Bereich der Anpassung vor, den Schutz und die Bewirtschaftung der Wasserressourcen des Kantons angesichts der Auswirkungen des Klimawandels zu verstärken. Zu den vorgesehenen Massnahmen zählen insbesondere der Ausbau der Überwachung der Grund- und Oberflächengewässer, die Beschleunigung von Massnahmen zum Schutz der strategischen Wasserfassungen, die Unterstützung der Revitalisierung von Fliessgewässern sowie eine bessere Antizipation von Trockenperioden und Nutzungskonflikten. Am 7. Oktober hat der Grosse Rat zudem einen Verpflichtungskredit von 41 Millionen Franken genehmigt. Dieser umfasst eine Zusatzfinanzierung von 10 Millionen Franken, die je zur Hälfte für die Unterstützung der Landwirtschaft sowie für Massnahmen zur Revitalisierung von Wäldern und Fliessgewässern vorgesehen ist. Für einige andere Grossprojekte werden separate Finanzierungsgesuche vorgelegt.
Wasserschutz als gemeinsame Verantwortung
Im Juli 2026 lancierte das Amt für Umwelt eine Sensibilisierungskampagne für die Bevölkerung. Mit Plakaten, Informationsmaterial für die Gemeinden, Beiträgen in den sozialen Netzwerken und Videos in den Fahrzeugen der TPF zeigte die Kampagne auf, dass einfache Massnahmen im Alltag die Belastung der Wasserressourcen deutlich verringern können. Ob im Garten, bei der Autopflege, rund um den Swimmingpool oder im Haushalt: Jede Geste zählt. Bereits kleine Verhaltensänderungen tragen dazu bei, diese lebenswichtige Ressource langfristig zu erhalten.