Der Kanton Freiburg und die Gemeinde Rue weihen diesen Montag, 21. September, das Waldreservat La Crêta ein, das erste Waldreservat im Glanebezirk. Dieses Projekt wurde in enger Zusammenarbeit mit der Revierkörperschaft Glâne-Farzin, die für die Bewirtschaftung der Wälder der Gemeinde zuständig ist, durchgeführt. In einem Dienstbarkeitsvertrag verpflichtet sich Rue, in den nächsten 50 Jahren auf jegliche forstwirtschaftlichen Eingriffe auf dieser 8,35 Hektar grossen Parzelle sowie auf die Errichtung von Infrastrukturen oder Anlagen innerhalb des Waldreservats zu verzichten. Waldbauliche Massnahmen sind nur in Ausnahmefällen möglich, zum Beispiel, um Bäume zu entfernen, die auf eine Weide oder eine landwirtschaftliche Fläche gefallen sind. Diese Bäume werden ins Waldreservat verschoben und dort liegengelassen. Das Ziel ist es, die Natur auf diesem Gebiet sich selbst zu überlassen, damit sie sich frei entfalten kann.
Das Waldreservat La Crêta, das früher für die Holzernte genutzt wurde, besteht hauptsächlich aus Laubbäumen wie Buche und Ahorn sowie einigen Eschen, Vogelkirschen und Haseln. Es finden sich jedoch auch Nadelbäume, grösstenteils Fichten. Die abgestorbenen Bäume (Dürrlinge) werden stehen gelassen (nicht gefällt). Es finden sich jedoch auch Baumstämme, die bereits umgefallen sind und am Boden vermodern.
Stehendes oder liegendes Totholz sowie alte Bäume sind für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten unverzichtbar, darunter seltene Insekten und Pilze. Sie dienen als Nistplätze oder Quartier für bestimmte Vogelarten, Siebenschläfer und Fledermäuse. Auch Amphibien und Reptilien finden in den auf dem Boden liegenden Baumstämmen Unterschlupf. Waldreservate dienen dem Schutz jener Arten, die auf alte Bäume und Totholz angewiesen sind. Ausserdem ermöglichen sie es Bäumen und Waldbeständen, ihren gesamten Lebenszyklus zu durchlaufen, und sorgen so für natürlich strukturreiche Wälder.
Mit der Einweihung von La Crêta verfügt der Kanton Freiburg nun über 31 Waldreservate. Drei weitere sind derzeit in Vorbereitung und sollen noch dieses Jahr entstehen. Diese Walreservate umfassen 2013 Hektar, was 4,7 % der Gesamtfläche der Freiburger Wälder entspricht. Bis 2030 soll der Anteil an Waldreservaten gemäss den Zielen des Bundes und der Kantone 10 % erreichen.
Gefahren im Wald und Verantwortung
Im Waldreservat La Crêta gibt es weder offizielle Fusswege noch sonstige Infrastrukturen für Waldbesucherinnen und -besucher. Wer sich in das Waldreservat begibt, tut dies auf eigene Verantwortung. Die Besucherinnen und Besucher müssen sich der spezifischen Gefahren im Wald bewusst sein.