Rauschtrinken bei Jugendlichen: welche Risiken und wo gibt es Unterstützung?

12 Mai 2022 - 15H52

Rauschtrinken im Kanton Freiburg: In welchem Ausmass sind die Jugendlichen betroffen? Überblick über die verfügbaren Daten und Unterstützungsangebote.

Was ist binge drinking?

Beim sogenannten binge drinking (engl. für Rauschtrinken) wird innerhalb kurzer Zeit eine grosse Menge Alkohol konsumiert. Ein nicht zu vernachlässigender Teil der Freiburger Jugendlichen ist davon betroffen. Bei einer 2018 im Kanton Freiburg durchgeführten Schüler/innen-Befragung gaben 33 % der Jungen und 28 % der Mädchen im Alter von 15 Jahren an, in den letzten 30 Tagen mindestens einmal binge drinking erlebt zu haben. Diese Zahlen bleiben seit 2010 hoch. Eine andere Studie aus dem Jahr 2017, die bei der Bevölkerung des Kantons Freiburg durchgeführt wurde, ergab, dass 26,6 % der 15- bis 34-Jährigen Jährigen mindestens einmal im Monat binge drinking erleben. Im Jahr 2012 lag dieser Anteil noch bei 21 %, was einen Aufwärtstrend dieser Konsumpraxis belegt.

Welche Gesundheitsrisiken für die Jugendlichen?

Übermässiger Alkoholkonsum hat stärkere Auswirkungen auf die Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, da sich ihr Gehirn noch entwickelt und daher besonders anfällig für die toxischen Wirkungen von Alkohol ist. Diese Art des Konsums bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird mit einem erhöhten Risiko für eine Abhängigkeit im Erwachsenenalter in Verbindung gebracht. Hinzu kommen unmittelbare Risiken wie gewalttätiges Verhalten, ungeschützter oder nicht einvernehmlicher Geschlechtsverkehr, Trunkenheit am Steuer oder Alkoholkoma. Im Kanton Freiburg kommen jedes Jahr rund 120 Jugendliche zwischen 12 und 20 Jahren mit einer Alkoholvergiftung in die Notaufnahme. Die 14- bis 15-Jährigen sind am stärksten betroffen.

Welche Präventions- und Unterstützungsangebote gibt es?

  • Sie sorgen sich um eine/n Jugendliche/ zwischen 11 und 18 Jahren?

    Dann rufen Sie die Nummer des Kantons Freiburg an: 026 305 74 73. Bei der kantonalen Indikationsstelle «Sucht» für Minderjährige können sich alle telefonisch beraten lassen und falls nötig ein Gespräch mit Expertinnen und Experten vereinbaren.

  • Auf den Online-Plattformen ciao.chontecoute.ch und feel-ok.ch (auf Deutsch) finden die Jugendlichen Informationen und Unterstützung und können sich austauschen. Die Websites haben spezifische Rubriken zu Alkohol und anderen psychoaktiven Substanzen.

    Seit Dezember 2021 gibt es ein Früherkennungsdispositiv der Erwachsenen- und Kinder-Notfallstation am HFR Freiburg für Jugendliche unter 25 Jahren, die wegen Alkoholvergiftung aufgenommen werden. Das HFR-Pflegepersonal, von REPER für diese Fälle geschult, führt Gespräche mit den betroffenen Jugendlichen, um sie zu informieren und sie mit ihrem Einverständnis für einen Zweitkontakt an REPER zu verweisen.

    Für die Eltern: REPER hört Familien zu und unterstützt sie ganz gezielt in ihrer Situation: Information, Beratung, Begleitung.

  • AKTE ist eine Präventionsressource von REPER für die Fachpersonen der Schulen, die den Jugendlichen dabei hilft, psychosoziale Kompetenzen im Hinblick auf Risikoverhalten und Sucht (Risikokonsum) zu entwickeln.

    Das Programm der Gesundheitsförderung und Prävention von Risikoverhalten für Jugendliche Gouvernail richtet sich an Erziehungsinstitutionen für Jugendliche und junge Erwachsene. Es wird von REPER durchgeführt.

  • Das von REPER geleitete Programm Cool&Clean richtet sich an Sportvereine und -clubs, ihre Leitenden und Trainer/innen und an die Schulen (Sportlehrpersonen). Es unterstützt leitende Personen darin, die Lebenskompetenzen der Jugendlichen zu fördern, gefährliche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und richtig zu reagieren. Cool&Clean steht für erfolgreichen, fairen und sauberen Sport.

  • Über das Projekt Smart Event unterstützt REPER Organisatoren temporärer Veranstaltungen (Jugendfeste und -festivals, Fasnacht,...) beim Umsetzen konkreter Massnahmen zum Schutz der Jugend und zur Vorbeugung von Risikoverhalten.

    AdO Preventeam des Vereins Ado begleitet Partyveranstaltungen. Geschulte Präventionsagentinnen und -agenten intervenieren vor Ort und arbeiten dabei direkt mit den Veranstalterinnen und Veranstaltern zusammen. Die Prävention durch Peers soll positives Verhalten stärken und die am Veranstaltungsort anwesenden Personen und Dienstleistenden unterstützen.

Weiterführende Informationen: