Von solchen Langzeitgrabungen abgesehen, hat das AAFR unzählige Feldeinsätze im Rahmen der Begleitung von Erschliessungs- und Hochbauarbeiten durchgeführt. Die vor mehr als 10 Jahren eingeführte Methode der systematischen Begleitung der im ganzen Kantonsgebiet durchgeführter linearen Bauprojekte war Gegenstand einer analytischen Bilanz, die zur Veröffentlichung kam. Diese Freiburger Methode dient weiterhin mehreren anderen Kantonsarchäologien als Vorbild.
Neben des Bewahrungsausftrags stellt auch die Wissensvermittlung an das Fachpublikum und die breite Öffentlichkeit eine wichtige Aufgabe des Amtes dar. Diese erfolgt in Form von bereichsübergreifenden Projekten wie Analysen, Auswertungen, Publikationen oder Kulturvermittlungsangebote. Die Teilnahme des AAFR am Festival „Kultur & Schule” war diesbezüglich ein grosser Erfolg. Ausserdem fanden in Zusammenarbeit mit dem MAHF Vorbereitungsarbeiten für eine neue archäologische Sonderausstellung statt, die im Jahr 2026 ihre Tore öffnet.
Die Digitalisierung beim AAFR hat mit dem Start eines Projektes einen wichtigen Meilenstein erreicht: In Zusammenarbeit mit ITA soll das archäologische Informationssystem (SIAF) durch eine neue innovative Lösung ersetzt werden. Das Grabungspersonal ist bereits so ausgestattet, dass es die gesamte grafische und schriftliche Dokumentation effizient auf vernetzten Tablets erstellen kann. Um die Digitalisierung weiter voranzutreiben, setzt das Amt seine wegweisenden Überlegungen mit institutionellen und privaten Partnern fort. Insbesondere die Digitalisierung wissenschaftlicher Prozesse birgt ein enormes Wertschöpfungspotenzial.
Die Nutzung der drei wichtigen Subventionen des Bundes (BAK) für die Kulturgüter von nationaler Bedeutung –Grenilles (römischer Gutshof), das Freiburger Burgquartier (1. Etappe der Neugestaltung) und det Klein-Sankt-Johann-Platz – ermöglicht es dem Amt, die erforderlichen zusätzlichen Ressourcen einzusetzen, ohne die notwendigen Arbeiten im übrigen Kantonsgebiet wesentlich zu beeinträchtigen.
Den hohen Erwartungen im Bereich Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz (GSA) wird durch die Arbeit des Ausschusses für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (ASG) des Dienstes angemessen Rechnung getragen. So fanden mehrere wichtige Weiterbildungen und Schulungen statt (Maschinistenführerschein, Drohnenpilotenlizenz, Ergonomieschulungen, Sensibilisierung für Gefahren, Erste Hilfe im Unternehmen, Sauerstoff und Erste Hilfe unter Wasser). Ausserdem konnte die Qualität der Reaktionen des Amtes in Notfällen und bei Unfällen durch die Einführung von Prozessen, die Erneuerung von technischer Ausrüstung und Sicherheitsvorkehrungen deutlich verbessert werden.
Das AAFR hat zudem seine Rolle bei der Realisierung des kantonalen interinstitutionellen Lagergebäudes (SIC) verstärkt, indem es seit Sommer die Verantwortung für die Arbeitsgruppe der Nutzer im Lenkungsausschuss und im Projektausschuss übernommen hat.
Wie in den Vorjahren waren im Rahmen von Neubau-, Infrastruktur- und Erschliessungsvorhaben (einschliesslich linearer Bauprojekte) zahlreiche Baustellen Gegenstand archäologischer Begleitung. Das prospektive Potenzial dieser baubegleitenden Untersuchungen ist von entscheidender Bedeutung für die Bewahrung des archäologischen Erbes innerhalb und ausserhalb archäologischer Perimeter. Die archäologische Karte wird anhand der Feldbeobachtungen laufend aktualisiert, und die zahlreichen archäologischen Überreste werden unmittelbar nach ihrer Identifizierung gesichert, um Platz für Entwicklungsprojekte zu schaffen.
Was die Feldarbeit betrifft, war das Jahr 2025 insbesondere durch das Ende der Ausgrabungen im Rahmen der ersten Etappe der Neugestaltung des Freiburger Burgquartiers im März geprägt. Bei diesen Untersuchungen kamen bedeutende mittelalterliche Gebäudefundamente und Kellerräume zutage, die an die unzähligen Gräber des Friedhofs unter dem Sankt-Katharinen-Platz angrenzen. Der Sektor für Mittelalter und Bauarchäologie nahm anschliessend die archäologische Begleitung der Neugestaltung des Klein-Sankt-Johann-Platzes auf. Dieses Vorhaben startete mit der Freilegung bemerkenswerter baulicher Überreste und Gräber aus dem Mittelalter im Umfeld einer 1224 erbauten und 1832 abgerissenen Kapelle. In Vallon fanden sich handwerkliche Holzkonstruktionen, die sich im Uferbereich eines Flusses sehr gut erhalten haben. Sie befanden sich in der Nähe eines Brunnens und stehen vermutlich mit der Korbflechterei in Zusammenhang. Der Sektor für Vor- und Frühgeschichte hat an mehreren Siedlungsplätzen und an einer Begräbnisstätte Ausgrabungen durchgeführt. Die eingehende Untersuchung des letzten Grabhügels von Grandvillard/Fossard d'Enbas brachte sehr gut erhaltene Gräber mit reichen Schmuckbeigaben aus der Eisenzeit zum Vorschein. Ausserdem führte der Sektor mehrere diagnostische Untersuchungen mittels mechanischer Sondierungen durch und dokumentierte Überreste aus verschiedenen älteren Epochen.
Die präventive Freiburger Archäologie führt geeignete Massnahmen weiterhin möglichst proaktiv und flexibel und in Abstimmung mit der Raumplanung und dem Bauwesen durch. Der extrem hohe Arbeitsdruck beansprucht die personellen Ressourcen aber über das hinaus, was vernünftigerweise erwartet werden kann. Trotz aller Bemühungen eines aufmerksamen und effizienten Ausschusses für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (ASG) wirkt sich das negativ auf die körperliche und psychische Gesundheit der Mitarbeitenden aus. Auch wenn die konjunkturellen Veränderungen durch Digitalisierung und interne Optimierungen abgefedert werden konnten, ist es dem AAFR derzeit nicht mehr möglich, den gesamten Auftrag ohne zusätzliche Ressourcen zu erfüllen, da die Personalstärke seit zwei Jahrzehnten unverändert geblieben ist. Der 27. Band der Freiburger Hefte für Archäologie veranschaulicht die Dynamik der kantonalen Archäologie im Umgang mit den aktuellen Herausforderungen und zeigt zugleich die Grenzen ihrer Kapazitäten auf.
Wichtige Ereignisse
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Im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens wurden 1098 Gutachten (2024: 1155) für das Bau- und Raumplanungsamt (BRPA), andere kantonale Ämter oder Gemeinden erstellt. Überdies waren 28 (29) Dossiers zur Ortsplanung und 19 (17) Dossiers zur Detailplanung Gegenstand einer Begutachtung. Das AAFR hat einen grossen Teil der Gutachten mit Hilfe der in FRIAC zur Verfügung stehenden Vorlagen erstellt.
Der Sektor hat 476 (445) Feldeinsätze veranlasst. Zurzeit zählt der Kanon 3121 (3087) archäologische Perimeter, darunter 26 Schutzperimeter und 2 unter Schutz gestellte Zonen. Im Kantonsgebiet sind 3710 (3650) archäologische Fundstellen bekannt, von denen 47 Stätten im Bundesverzeichnis für schützenswerte Kulturgüter eingetragen sind (39 der Klasse A von nationaler Bedeutung und 8 der Klasse B von regionaler Bedeutung).
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Im Rahmen seiner präventiven Massnahmen führte das AAFR im Jahr 2025 insgesamt 476 Interventionen in unterschiedlichen Gemeinden durch: 5 Rettungsgrabungen, 8 Bauanalysen, 356 Baubegleitungen – davon 98 im Rahmen linearer Bauprojekte – 17 abklärende Sondierungen, 78 Prospektionen – davon 67 durch Sondengänger ausgeführt – sowie 4 Unterwassereinsätze und 8 andere Interventionen.
Die Baubegleitungen, Sondierungen und Prospektionen haben zur Entdeckung von 60 neuen archäologischen Fundstellen geführt. Die im Feld gemachten Entdeckungen sind Gegenstand kurzer Berichte, die online über die spezifische Webanwendung ChronArc (https://geo.fr.ch/ChronArc/ ) sowie in den Online-Karten des Kantons Freiburg (https://map.geo.fr.ch/ , Thema Denkmalpflege) einzusehen sind.
Im Folgenden werden die wichtigsten archäologischen Interventionen des Jahres 2025 aufgelistet. Hinzu kommen zahlreiche Baubegleitungen und Sondierungen, die im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens durchgeführt wurden.
Sektor für Vor- und Frühgeschichte: Ausgrabung eines Grabmonumentes (Tumulus) aus der Eisenzeit in Grandvillard/Fossard d’Enbas; Ausgrabung von eisenzeitlichen Siedlungen in Cheyres/Le Ferrajo und Posieux/Fin du Desalley; Rettungsgrabung im Rahmen von Baustellenbegehungen von Feuerstellen aus der Jungsteinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit in Lossy/Pré du Bois, in Murten/Brünneleacher und Kerzers/Bachmatte; Sondierungkampagnen in Delley/Route du Port, Posieux/Impasse de l’Onlion, Posieux/Impasse du Sapex 30, 30a und 32, Posieux/Fin du Desalley, Posieux/Route de Grangeneuve-Agroscope, Posieux/Fin de la Tioleyre, Prez-vers-Noréaz/Route de Fribourg, Cheyres/Route du Ferrajo und Villars-sous-Mont/Rue de l’Intyamon; Tauchintervention zur Überwachung der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Seeuferstation Greng/Grengspitz und Wiederversenkung eines Einbaums in einem Unterwasserdepot; Schutzmassnahmen für die Schalensteine in Forel/En Chéseau 2 und das Felschutzdach in Arconciel/La Souche.
Sektor für Römische Epoche und Spätantike: Rettungsgrabungen in Vallon/Petite Glâne (Kulturschichten aus der Römerzeit und aussergewöhnlich gut erhaltene Holzkonstruktionen aus dem Mittelalter bei Arbeiten zur Revitalisierung des Flusses) und Vuadens/En Briez (beheizbare Räume und Wasserbecken des römischen Gutshofs); kleinere Interventionen in Kleinguschelmuth/Dorf (Kulturschichten mit Fundmaterial aus der Römerzeit) und Galmiz; Sondierungsgrabungen in Bösingen/Leimackerstrasse, Bussy/Route des Maréchets (römisches Fundmaterial und ausgedehnte vorgeschichtliche Besiedlung), Farvagny-le-Grand/Route du Bry, Haut-Vully/Mur, Riaz/Fin de Plan, Romanens/Route de Rueyres, Saint-Aubin/ AgriCo (2. Kampagne, Siedlungsreste aus der Vorgeschichte und der Römerzeit). Zusammen mit dem HBA koordinierte und realisierte der Sektor auch Massnahmen zur Erhaltung geschützter Überreste (Restaurierung des römerzeitlichen Tempels von Riaz/Tronche-Bélon).
Sektor für Mittelalter und Bauarchäologie: bis Ende März Fortsetzung der archäologischen Begleitmassnahmen im Rahmen der 1. Etappe der Neugestaltung des Freiburger Burgquartiers mit der Freilegung von Gräbern des ehemaligen Friedhofs und von Überresten der ersten Häuser der Stadt; ab April archäologische Begleitmassnahmen im Rahmen der Neugestaltung des Klein-Sankt-Johann-Platzes in Freiburg mit der Freilegung des Friedhofes – der die Fundamente der im 19. Jahrhundert abgerissenen mittelalterlichen Kapelle umgibt – und von anderen baulichen Überresten in den an den Platz angrenzenden Strassen; darüber hinaus zahlreiche Ausgrabungen, Bauanalysen und Begleitung von Renovierungs- und Bauvorhaben in den mittelalterlichen Städten und anderen mittelalterlichen Fundstellen.
Im Felde erstellen die Mitarbeitenden des AAFR die Dokumentation zunehmend in digitaler Form direkt auf Tablets und setzen weiterhin geeignete technologische Mittel für einen effizienten Betrieb ein. Dazu gehören beispielsweise die GNSS-Vermessung, die Fotogrammmetrie oder der sichere, durch zertifiziertes Personal durchgeführte Einsatz von Drohnen für Luftaufnahmen.
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Im Rahmen von Auswertungs- und Inwertsetzungsprojekten wurde eine enge und reibungslose Koordination zwischen den Feldeinsätzen und den Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten am archäologischen Sachgut sichergestellt. Die präventive Konservierung der Sammlungen wurde mit Umverpackungsmassnahmen und dem Zusammenkleben von anpassenden Fragmenten in den verschiedenen Depots des AAFR fortgesetzt.
Rund 9000 neu entdeckte Fundobjekte haben Eingang in die kantonale Sammlung gefunden. Nach einer ersten Grobinventarisierung im Informationssystem wurden sie entsprechend ihrer stofflichen Beschaffenheit den verschiedenen Labors zugewiesen (Eingangsprozess). Die im Jahr 2025 durch die verschiedenen Labors behandelten Fundensembles setzten sich folgendermassen zusammen: 1855 Keramik- oder Steinensembles (2024: 1300), 1852 organische Ensembles (2700), 1730 Metallensembles (1300) et 102 Glasensembles (70).
Die Entsalzung der Metallobjekte zwecks Neutralisierung zerstörerischer Korrosionen wurde fortgesetzt. Zahlreiche Fundstücke aus verschiedenen Interventionen konnte auf diese Weise erhalten werden. Dank einer interkantonalen Zusammenarbeit mit dem Kanton Jura erfolgte im Centre de recherche et de conservation de Jurassica in Porrentruy die Entsalzung zweier grosser Eisenobjekte aus dem römischen Gutshof von Grenilles.Das Labor für organisches Material führte die Lyophilisierung (Gefriertrocknung) wassergesättigter Objekte aus der Freiburger Sammlung zwecks Stabilisierung weiter.Die Klimaüberwachung in den Depots im Rahmen der präventiven Konservierung basiert auf Echtzeitmessungen der Temperatur und Luftfeuchtigkeit durch vernetzte Sonden. Dieses System ermöglicht ein schnelles Eingreifen im Störungsfall.
Die Umverpackung der Sammlungen von Objekten aus Metall, organischen Materialien und Keramik wurde mit unverminderter Intensität fortgesetzt. Alle archäologischen Funde wurden mit technischen Materialien verpackt, die auf eine langfristige Aufbewahrung ausgelegt sind.
In den Depots des AAFR wurden die Arbeiten zur Verdichtung und Optimierung der Lagerkapazitäten durch Umverpackungs- und Kompaktierungsmassnahmen weitergeführt, wobei gleichzeitig die Angaben im Informationssystem überprüft und aktualisiert wurden. Diese Massnahmen erfolgen insbesondere im Hinblick auf die künftige Auslagerung der Objekte in das Interinstitutionelle kantonale Lager (SIC) und gehen mit einem Projekt zur wissenschaftlichen Analyse, Überprüfung, Ergänzung und Aufbereitung der Keramik- und Steininventare einher, das in enger Zusammenarbeit mit den chronologischen Sektoren durchgeführt wird.
Die archäologische Sammlung wird weiterhin über das Archäologische Informationssystem Freiburg (SIAF) verwaltet, sowohl was den Inhalt als auch was die Art der Aufbewahrungsbehälter und die Standorte in den Depots betrifft (Verfolgung der Lagerung durch QR-Codes). Dieses System ermöglicht die Integration, Verwaltung und Nutzung aller archäologischen Informationen nach Fachbereichen und stellt einen «hub» dar, die zahlreichen Arbeitsinstrumente, aber auch das Dokumentenarchiv der Kantonsarchäologie umfasst. Im Jahr 2025 wurden umfangreiche Verbesserungen am System vorgenommen.
Im Bereich des Informationsmanagement und der Dokumentenarchivierung konnte das Projekt zur Überprüfung, Digitalisierung, Verpackung und endgültigen Archivierung der Ausgrabungspläne abgeschlossen werden. Ausserdem wurde mit der Digitalisierung, Verpackung und Klassifizierung der Zeichnungen archäologischer Objekte begonnen, um deren langfristige Organisation und Aufbewahrung sicherzustellen. Das Projekt «Archivportal» wurde in Zusammenarbeit mit dem Amt für Geoinformation (GeoA) fortgesetzt. Diese Geodaten ermöglichen es, den im AAFR aufbewahrten archäologischen Dokumentationsbestand, geordnet nach archäologischen Fundstellen, visuell darzustellen und umfassen Feldaufnahmen, beschreibende Datenblätter, Fotografien, Inventarlisten, Berichte usw. Diese Dokumentation ist auf Anfrage beim AAFR zugänglich, vorbehaltlich der geltenden gesetzlichen Bestimmungen.
Das Jahr 2025 war für das AAFR auch durch den Start des Projekts «Digifonds» geprägt, das Teil des Regierungsprogramms zur Digitalisierung empfindlicher Kulturgüter ist. Über 60'000 Dias wurden bisher inventarisiert und anschliessend dem auf die Digitalisierung von Kulturgütern spezialisierten Unternehmen Memorist (Genf) übergeben. Die fotografischen Originale werden im künftigen SIC in geeigneten Behältern gelagert, um ihre langfristige Erhaltung zu gewährleisten. Die digitalen Dateien stehen dagegen für wissenschaftliche Studien und Öffentlichkeitsarbeit zu Vergügung. Das Projekt, das die Digitalisierung von mehr als 400'000 Dias vorsieht, wird bis 2026 fortgesetzt.
Das AAFR hat weiterhin seine Bibliothek– die der Kantons- und Universitätsbibliothek (KUB) angegliedert ist – betreut und insbesondere eine vollständige Bestandsaufnahme der Bücher und Zeitschriften abgeschlossen.
Vergrössern SAEF/AAFR / Laboratoire de conservation - restauration © Etat de Fribourg - Etat de Fribourg
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Die interdisziplinären Auswertungen führen zu Publikationen für verschiedene Zielgruppen. Ergänzend werden für Schulklassen und die breite Öffentlichkeit regelmässig Projekte und Aktivitäten zur Wissensvermittlung und zur Sensibilisierung für das archäologische Erbe durchgeführt.
Auf Grundlage der Grabungsberichte wird das Auswertungsprogramm unter folgenden Gesichtspunkten priorisiert: die wissenschaftliche Bedeutung in Bezug auf den aktuellen Wissensstand, der Grad der Aufbereitung der archäologischen Funde durch die Konservierungslabors, die notwendigen Ressourcen für die restauratorische Behandlung einer Objektauswahl und für die grafische Inwertsetzung, die Verfügbarkeit der internen wissenschaftlichen Kompetenzen, der Kostenangemessenheit der Analysen, Labordatierungen und externen Fachuntersuchungen. Je nach Umfang werden die Auswertungen in einer Zeitschrift oder einer Monografien-Reihe veröffentlicht. Die im Rahmen von Auswertungen erstellten Dokumente können für Konferenzen weiterverwendet werden, aber auch für die Publikationen der neuen Reihe Foc/kus, die sich an eine breite Leserschaft richtet.
Die wichtigsten Auswertungsprojekte, die im Jahre 2025 weiterverfolgt wurden, sind nachfolgend aufgeführt:
Für die Vor- und Frühgeschichte: Ansiedlung und Werkstätte aus der Eisenzeit in Sévaz/Tudinges, Korrekturlesen des Layouts (Fortschritt 50%); bronzezeitliche Siedlung von Courgevaux/En Triva, Überarbeiten des Manuskripts nach externem Lektorat (Fortschritt: 50%); Synthese der Ergebnisse der Ausgrabungen in Arconciel/La Souche, Verfassen des Manuskripts (Fortschritt: 75%).
Für die Römische Epoche und die Spätantike: die spätlatènezeitliche Ansiedlung (2.-1. Jh. v.Chr.), der römerzeitliche Gutshof (1.-3. Jh. n.Chr.), die frühmittelalterliche Ansiedlung (6.-7. Jh. n.Chr.) und der karolingerzeitliche Bestattungsplatz (9. Jh. n.Chr.) von Murten/Combette (Fortschritt 98%); der römerzeitliche Gutshof von Grenilles/Route de Grenilles (Fortschritt 20%); der römerzeitliche Gutshof (1.-5. Jh. n.Chr.) und der frühmittelalterliche Bestattungsplatz von Vallon/Sur Dompierre (Überarbeiten des Manuskripts, Fortschritt: 60%).
Für das Mittelalter und die Bauarchäologie: Fortsetzung der Studie über die Ziegelei des Schlosses Courgevaux; redaktionellen Arbeit an sechs Beiträgen für die Monografie über die Kirche Sainte-Marie d'Hauterive, die vom Amt für Kulturgüter (KGA) herausgegeben wird; Fortsetzung der Auswertung zum Burgstädtchen von Arconciel/Vers les Châteaux; Fortsetzung der Erfassung früherer Ausgrabungen im Freiburger Burgquartier im Hinblick auf deren Einbindung in eine umfassende Studie, die auch die jüngsten Ausgrabungen umfasst.
Die publikationsreife Fertigstellung eines Auswertungsmanuskripts erfordert zahlreiche Interaktionen sowie Beiträge aus verschiedenen Fach- und Tätigkeitsbereichen. Grafikerinnen und Grafiker setzen die Dokumentationen aus den Feldarbeiten (Pläne, Profile) in Abbildungen um, erstellen Fundzeichnungen und rekonstruieren Szenen aus vergangenen Zeiten. Das Fotostudio dokumentiert die archäologischen Funde. Die Fotogrammetrie – eine technologische Entwicklung, die neue Möglichkeiten für die archäologische Arbeit eröffnet – erleichtert die Analyse und Vermittlung von Fundobjekten und Befunden. Grafik, Fotografie und Fotogrammetrie tragen zur Dokumentation der wichtigsten Objekte der archäologischen Sammlung bei.
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Das AAFR setzte 2025 die interne Produktion von qualitativ hochwertigen Publikationen für verschiedene Zielgruppen fort, wobei die Wirtschaftlichkeit der digitalen Verbreitung im Vordergrund stand.
Im Jahr 2025 wurden die Vorbereitungs- und Layoutarbeiten für drei neue digitale Monografien fortgesetzt und können voraussichtlich 2026 und 2027 beendet werden. Die erste widmet sich der Untersuchung der Fundstätte von Sévaz/Tudinges (M. Ruffieux et al.), die zweite der bronzezeitlichen Siedlung von Courgevaux/En Triva (B. Bär et al.) und die dritte den Tierknochenfunden, die unter dem Feldschutzdach von Arconciel/La Souche zutage kamen. Mehrere weitere Monografien sind geplant und werden nach Abschluss der laufenden Studien erstellt.
Unter den im Jahre 2025 erschienenen Artikeln seien folgende erwähnt:
A. Angéloz, R. Pilloud und B. Bär, «Un riche foyer à Delley», FHA 26/2024, 18-19; B. Bär und R. Pilloud, «Nicht alles, was glänzt, ist Gold», arCHaeoSuisse 4/2025, 40-41; B. Bär und V. Trancik Petitpierre, «Bösingen/Fendringenstrasse: ein kleiner Bestattungsplatz der Spätbronzezeit im Sensebezirk», FHA 26/2024, 60-109 ; D. Bugnon, «Connaissez-vous l'antique Marsens-Riaz?», arCHaeo 2/2025, 2025 28-33; L. Gournay, «À la redécouverte d’une pirogue romaine», FHA 26/2024, 20-21;;M. Mauvilly, «St. Silvesters ferne und vergessene Vergangenheit», Freiburger Volkskalender 2026, 2025, 187-190; M. Meuwly, «La villa romaine de Marly/Les Râpettes: nouvelle lecture d’un décor d’une pièce thermale», FHA 26/2024, 110-125; J. Monnier, O. Presset und L. Rubeli, «Rue/Fin-des-Fourches: un cimetière romain près du gibet», FHA 26/2024, 24-25; C. Niot, «Fribourg: nouvelles perspectives dans l’église Saint-Maurice», FHA 26/2024, 26-27; O. Presset und J. Furrer, «La voie romaine de Bulle/La Prila: un nouvel axe de réflexion», FHA 26/2024, 22-23; M. Ruffieux und L. Kramer «Les armes hallstattiennes du canton de Fribourg (Suisse)», in: Genechesi et al., La guerre et son cortège. Reflexion sur les conflits et leur impact sur les cultures de l’âge du Fer, Actes du XLVIIe colloque international de l’AFEAF, Lausanne, 2023, 2025, 177-183; E. Sauteur, «Archéologie du territoire 2023», FHA 26/2024, 16-17; A. Scherrer, «Beiltechnologie am Ende des 4. Jt. V Chr. - Die Steinbeile von Muntelier/Platzbünden», FHA 26/2024, 32-59; V. Serneels et al., «Madagascar (7): La cité de Teniky – deuxième campagne», Annuaire FSLA 2025, 229-280; A.-L. Tharin-Pradervand und C. Kündig, «Fromage et ‘petits fours’ à Belfaux!», FHA 26/2024, 28-29; A. White et al. «Ancient DNA and Biomarkers from artefacts: insights into technology and cultural practices in Neolithic Europe», Proceedings of the Royal Society B, vol. 2592, Issue 2057.
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Ein interdisziplinäres Projektteam hat gemeinsam mit dem Museum für Kunst und Geschichte Freiburg (MAHF) das Konzept für eine Sonderausstellung im Jahr 2026 erarbeitet und setzte die Vorbereitungsarbeiten für diese Ausstellung fort.
Im Jahr 2025 durften insgesamt 750 Schülerinnen und Schüler aus 40 Klassen (2024: 21) der Stufen 5H bis 9 H französischsprachiger Primar- und Sekundarschulen zu pädagogischen Führungen durch das AAFR begrüsst werden. Im Rahmen des Festivals «Culture & École», das im November stattfand, konnte das AAFR weitere 20 Schulklassen empfangen. Bei diesem Besuch, der den Lehrkräften über die Plattform «Kultur & Schule» zur Verfügung steht, lernen die Schülerinnen und Schüler die vielfältigen Aspekte der archäologischen Berufe kennen – von der Ausgrabung bis zu den Konservierungs- und Restaurierungslabors. Sie werden dazu angeregt, Hypothesen aufzustellen und diese zu begründen, indem sie archäologische Objekte – seien es Darstellungen auf Bildkarten, Nachbildungen oder sogar echte Artefakte – beobachten und in die Hände nehmen. Durch die Begegnung mit Archäologinnen und Archäologen hinterfragen sie die Notwendigkeit, nach Spuren der Vergangenheit zu suchen, sie zu verstehen und sie aus wissenschaftlicher, kultureller und denkmalpflegerischer Sicht zu erhalten. Eine Zusammenarbeit mit dem Amt für deutschsprachigen obligatorischen Unterricht (DOA) muss noch aufgebaut werden, um dieses Vermittlungsangebot auch deutschsprachigen Schulklassen zugänglich zu machen.
Das AAFR öffnete seine Türen auch für Besichtigungen durch andere Gruppen, darunter Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Programms Senior+, Studierende der UNIFR und Kolleginnen und Kollegen aus anderen kantonalen Dienststellen.
Der Schnuppertag für Berufe in der Archäologie fand 2025 nicht statt, wird aber 2026 wieder angeboten.
Auf verschiedene Anfragen fanden weitere Kulturvermittlungsveranstaltungen statt: Tage der offenen Grabung auf dem Klein-Sankt-Johann-Platz in Freiburg, Präsentation der Ausgrabung und der verschiedenen archäologischen Berufe im Rahmen des FriStages und des «Nationalen Zukunftstags», Besichtigungen der Ausgrabung des Grabhügels von Grandvillard; Arbeitsaustausch zwischen Schweizer und/oder ausländischen Fachleuten; Teilnahme an verschiedenen nationalen Kolloquien; verschiedene Führungen und Vorträge im Rahmen von Tagungen, insbesondere anlässlich von Veranstaltungen des Museums für Kunst und Geschichte Freiburg (MAHF) und des Vereins ArcheoFribourg.
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Der Kantonsarchäologe fungiert als Direktor des Musée romain de Vallon (MRVa) und sitzt im Stiftungsrat von Pro Vallon. Der Vorstand der Stiftung verwaltet die laufenden Aktivitäten und gewährleistet die Rahmenbedingungen für die Konservierungsarbeit des Museums. 2025 konnten die Vorbereitungsarbeiten für die geplante Integration des MRVa in das Museum für Kunst und Geschichte Freiburg (MAHF) fortgesetzt werden. In Zusammenarbeit mit dem HBA finden für das MRVa Überlegungen zur Aufwertung des römischen Mühlsteinbruchs von Châbles/Les Saux statt.
Das AAFR ist durch den Kantonsarchäologen in folgenden Organen vertreten: Kulturgüterkommission, Groupe patrimoine, Lenkungsausschuss und Kommission des Projektes für ein kantonales Lager für Kulturgüter (SIC), Konferenz der Schweizer Kantonsarchäologinnen und Kantonsarchäologen, Swiss Coordination Groupe UNESCO Palafittes (Präsident), Vorstand der Interkantonalen Arbeitsgemeinschaft für Anthropologie IAG, Vorstand des Village lacustre de Gletterens, Vorstand der Vereinigung Mon Vully (Präsident), Komitee der Association Pro Aventico (Mitglied), Vorstand der Vereinigung Archäologie Schweiz.
Im Jahr 2025 arbeitete das AAFR zudem mit zahlreichen akademischen Institutionen, Museen und Vereinigungen, mit mehreren Arbeits- und Interessengruppen, mit Eventorganisationen sowie mit verschiedenen kantonalen Ämtern und Gemeinden zusammen. Auch stand es bezüglich Auskünfte oder Anfragen für grafische und fotografische Erzeugnisse verschiedenen Dritten zu Verfügung.
Anzumerken ist schliesslich, dass das AAFR eng an der Entwicklung und Verbesserung neuer digitaler Instrumente mitwirkt, damit die Aufgabe der Bewahrung, Erforschung und Vermittlung des archäologischen Kulturguts des Kantons Freiburg noch effizienter wahrgenommen werden kann.
Kennzahlen
davon 5 Rettungsgrabungen, 8 Bauanalysen, 356 Baubegleitungen, davon 98 im Rahmen linearer Bauprojekte, 17 abklärende Sondierungen, 78 Prospektionen – davon 67 durch Sondengänger ausgeführt – sowie 4 Unterwassereinsätze und 8 andere Interventionen.
Weitere Informationen
- Tätigkeitsbericht 2024 Amt für Archäologie
- Tätigkeitsbericht 2024 Direktion für Bildung und kulturelle Angelegenheiten
- News Amt für Archäologie
- Auftrag des Amtes für Archäologie
- Archäologische Fundberichte
- E-Periodica - Frieburger Hefte für Archäologie
- Fri-Memoria - Freiburger Archäologie
- Musée romain de Vallon