Trotz deutlicher Verbesserungen seit den 1970er-Jahren zeigen die untenstehenden Daten, dass geschlechtsspezifische Muster in der Organisation des Berufs- und Privatlebens im Kanton Freiburg nach wie vor bestehen. Paare mit Kindern, die nach einem eher egalitären Erwerbsmodell leben, z. B. Partner und Partnerin Vollzeit erwerbstätig oder beide Teilzeit erwerbstätig, stellen nur eine Minderheit dar.
der Freiburger Paare mit Kindern unter 25 Jahren organisieren sich nach dem Modell, bei dem die Frau in Teilzeit arbeitet oder nicht erwerbstätig ist und der Mann Vollzeit arbeitet (Durchschnitt 2019–2023).
Erwerbstätige nach Beschäftigungsgrad
- Unter den Erwerbstätigen arbeiten deutlich mehr Männer als Frauen in Vollzeit (83,3% der Männer gegenüber 41,9 % der Frauen im Jahr 2024). Männer machen etwa 70 % der Vollzeitbeschäftigten im Kanton Freiburg aus.
- Umgekehrt ist Teilzeitarbeit bei Frauen deutlich weiter verbreitet. Von den berufstätigen Frauen arbeiten 20,5% mit einem Beschäftigungsgrad zwischen 70 % und 89 %; 19,1% mit einem Beschäftigungsgrad zwischen 50 % und 69 %; und 13,6% mit einem Beschäftigungsgrad von weniger als 50 %.
- Frauen machen 80 % der Teilzeitbeschäftigten aus; sie arbeiten mehr als viermal häufiger in Teilzeit als Männer (53 % gegenüber 12 %).
Erwerbsmodelle in Paarhaushalten mit Kindern unter 25 Jahren
- Bei heterosexuellen Paaren im Kanton Freiburg mit Kindern unter 25 Jahren arbeitet überwiegend die Frau Teilzeit und der Mann Vollzeit. Zwischen 2019 und 2023 betraf dies mehr als die Hälfte der Paare mit Kindern (50,5 %).
- Bei 14,7 % der Paare mit Kind(ern) arbeitet der Mann Vollzeit während die Frau keiner bezahlten Arbeit nachgeht (nicht erwerbstätig).
- Der Anteil der Familien mit zwei Vollzeit erwerbstätigen Elternteilen ist mit 17,3 % ebenfalls erheblich.
- Eine Teilzeittätigkeit beider Elternteile ist hingegen wenig verbreitet (6,6 %). Konstellationen, in denen Frauen Vollzeit und Männer Teilzeit arbeiten, fallen unter die Kategorie «anderes oder unbekanntes Modell».
Erwerbsmodelle in Paarhaushalten
- Einzig bei Paaren ohne Kinder oder weitere Haushaltsmitglieder arbeiten vorwiegend beide Partner Vollzeit (39 % im Durchschnitt zwischen 2019 und 2023). Bei 28 % dieser Paare arbeiten Frauen Teilzeit und Männer Vollzeit.
- Bei Paaren mit Kindern (alle Altersgruppen bis 24 Jahre) überwiegen Modelle, bei denen Frauen Teilzeit und Männer Vollzeit arbeiten, deutlich.
- Der Anteil der Paare, in denen die Frau nicht erwerbstätig ist, nimmt mit zunehmendem Alter der Kinder ab.
Entwicklung der Erwerbstätigkeit von Frauen
Im Jahr 1970 stellten Frauen 30 % der erwerbstätigen Bevölkerung Freiburgs; 2024 stieg ihr Anteil auf 47 %. Dieser deutliche Anstieg spiegelt die starke Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt in den letzten Jahrzehnten wider.
In der Schweiz wie auch in Freiburg arbeitet die Mehrheit der berufstätigen Frauen anders als die Männer in Teilzeit. Viele dieser Frauen arbeiten zu einem Beschäftigungsgrad von weniger als 50 % – und erhöhen damit das Präkaritätsrisiko im Ruhestand erheblich, insbesondere im Scheidungsfall. Die Schweizerische Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten (SKG) empfiehlt, im Durchschnitt und im Laufe des Arbeitslebens einem Beschäftigungsgrad von mindestens 70 % nachzugehen, damit finanzielle Risiken und ein Autonomieverlust vermieden werden können.
Teilzeitarbeit ist jedoch nicht immer eine freiwillige Entscheidung: Viele Frauen würden gerne mehr arbeiten, stossen dabei aber auf Hindernisse (Fehlen von Vollzeitstellen in ihrer Branche, Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie usw.). Im Jahr 2024 sind laut dem Bundesamt für Statistik (BFS) 71 % der unterbeschäftigten Personen in der Schweiz Frauen – oft Mütter – die nach der Geburt ihres Kindes ihr Pensum reduziert haben und nun Schwierigkeiten haben, zu einem höheren Beschäftigungsgrad zurückzukehren.
Teilzeitarbeit von Männern kann, insbesondere bei Unternehmen, noch immer negativ behaftet sein. Eine Studie der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) aus dem Jahr 2022 hat sich mit dieser Problematik befasst: Die Analyse bezog sich auf Job-Room, eine Online-Plattform des Staatssekretariats für Wirtschaft, auf der Arbeitssuchende ihr (anonymisiertes) Profil veröffentlichen. Recruiter sehen die Profile bei der Suche nach passenden Mitarbeitenden für ihre offenen Stellen. Es wurde festgestellt, dass ein Mann, der eine 90-%-Stelle sucht, eine um 16 % geringere Chance hat, kontaktiert zu werden, als ein Mann mit identischen Merkmalen, der eine 100%-Stelle sucht. Zudem gibt es in «typisch männlichen» Berufsfeldern nach wie vor nur wenige Teilzeitmöglichkeiten.
Die Last der Haus- und Familienarbeit
Die Aufteilung zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit, die in den oben gezeigten Grafiken nicht berücksichtigt ist, erklärt teilweise die Gründe für die Teilzeitarbeit von Frauen. Laut dem BFS investierten im Jahr 2024 Frauen ab 15 Jahren in der Schweiz 32,4 Stunden pro Woche in Haus- und Familienarbeit, Männer 22 Stunden. Die Haus- und Familienarbeit umfasst unter anderem Kochen, Putzen, Einkaufen oder administrative Arbeiten sowie Kinderbetreuung und Betreuung von pflegebedürftigen Personen im eigenen Haushalt.
Diese grössere familiäre Belastung kann die Möglichkeit von Frauen einschränken, einer Vollzeittätigkeit nachzugehen. Gesellschaftlich wenig und finanziell gar nicht wertgeschätzt, ist diese Arbeit für das reibungslose Funktionieren der Welt wie wir sie kennen und das Wohlergehen ihrer Mitglieder jedoch von entscheidender Bedeutung.
Die Geburt eines Kindes markiert oft einen Wendepunkt in der beruflichen Tätigkeit von Paaren, mit starken Auswirkungen auf den Beschäftigungsgrad von Frauen – Reduktion oder Aufgabe – und geringen Auswirkungen auf den Beschäftigungsgrad von Männern.
Strukturelle Faktoren
Die Politik spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Organisation des Berufs- und Privatlebens. Der Mangel an Betreuungsplätzen und deren hohe Kosten veranlassen Familien oft dazu, sich für ein Modell zu entscheiden, bei dem ein Elternteil sein Arbeitspensum reduziert. Die bestehenden Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern sowie die hierarchisch niedrigeren Positionen führen häufig dazu, dass diese Wahl auf die Frau fällt, wodurch traditionelle Muster verstärkt werden. Es ist finanziell vorteilhafter, wenn die Person mit dem geringeren Einkommen in einer Partnerschaft ihren Beschäftigungsgrad reduziert.
Fortbestand des traditionellen Modells
All diese Phänomene hängen weitgehend mit dem traditionellen und geschlechtsspezifischen Familienmodell zusammen, das in der Gesellschaft nach wie vor fest verankert ist. Die sogenannten «natürlichen» Kompetenzen von Frauen (Kinderbetreuung, Seniorenbetreuung usw.) sind in Wirklichkeit sozial konstruiert und werden bereits in der Kindheit vermittelt (Spielzeug, Aktivitäten für Mädchen und Jungen usw.).
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