Mit Beschluss vom 16. Januar 2024 hatte der Staatsrat den Steuerungsausschuss zur Überprüfung der kantonalen Windkraftplanung eingesetzt. Der breit abgestützte 15-köpfige Ausschuss, präsidiert von den Direktoren der Direktion für Raumentwicklung, Infrastruktur, Mobilität und Umwelt (RIMU) und der Volkswirtschafts- und Berufsbildungsdirektion (VWBD), ist beauftragt, die bestehende kantonale Windkraftplanung zu erneut zu überprüfen, bei Bedarf zu aktualisieren und zu beurteilen, ob alternative Kriterien für die Auswahl geeigneter Standorte herangezogen werden können.
Im Rahmen dieser Arbeiten wurde das Büro Meteotest AG im Juni 2025 damit beauftragt, die von Ennova im November 2016 erstellte Vergleichsstudie zu Windgeschwindigkeiten und Ertragspotenzialen («Étude comparative des vitesses de vent et du productible») zu überprüfen. Diese Studie hatte in der zweiten Phase der kantonalen Planungsarbeiten eine wesentliche Rolle bei der Auswahl möglicher Windenergiestandorte gespielt.
Die Überprüfung von Meteotest verfolgte zwei Hauptziele: Erstens war zu beurteilen, ob die Vergleichsstudie von Ennova nach damaligem Wissens- und Datenstand korrekt und fachgerecht erarbeitet wurde. Zweitens war zu prüfen, ob die damals angewandte Methodik aus heutiger Sicht weiterhin angemessen ist.
Korrekt und nachvollziehbar
Hierzu analysierte Meteotest die von Ennova bereitgestellten Daten, Modelle und Berechnungsschritte, welche der Vergleichsstudie zugrunde lagen. Mitte Januar 2026 wurde die finalisierte Überprüfung vorgelegt. Das Büro Meteotest kommt in seinem Analyse-Bericht zum Schluss, dass das methodische Vorgehen sowie die Ergebnisse von Ennova nachvollziehbar sind. Die eigenen Nachberechnungen stimmen weitgehend mit den Resultaten von Ennova überein. Beide Studien identifizieren dieselben sechs Gebiete mit den besten Windressourcen.
Die von Ennova angewandten Methoden entsprachen den damals üblichen Standards für die Erstellung von Windatlanten. Das damals für die Berechnung der Windgeschwindigkeiten verwendete lineare Strömungsmodell war für die verfügbaren Messdaten geeignet und korrekt implementiert. Zwar weisen lineare Windmodelle in komplexen Voralpenregionen naturgemäss gewisse Grenzen auf, doch liegen die Abweichungen gegenüber dem Windatlas 2019 des Bundes, der derzeit als Standard für die Beurteilung des Windpotenzials gilt, innerhalb der vom Bund definierten Unsicherheitsmargen. Auch der Windatlas 2019 gilt trotz modernerer Modellierungen nicht als definitive Referenz, da auch er beträchtliche Unsicherheiten aufweist.
Die festgestellten Abweichungen zwischen Ennova und späteren Windatlanten lassen sich durch unterschiedliche Modellierungsansätze und Messgrundlagen erklären. Entscheidend ist: Meteotest fand keine Hinweise auf Fehler, welche die Auswahl der sechs Standorte mit den besten Windressourcen infrage stellen würden. Die Schlussfolgerungen von Ennova werden als korrekt und nachvollziehbar beurteilt.
Die Studie von Meteotest ist die erste von mehreren Analysen, die der Steuerungsausschuss in Auftrag geben wird, um sein Mandat zur Reevaluation der kantonalen Windkraftplanung zu erfüllen.