Die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) steht auf der Roten Liste der Reptilien der Schweiz als eine vom Aussterben bedrohte Art. Ihr Schutz wird vom Bund als vorrangig eingestuft. So hat der Kanton Freiburg ein Förderprogramm ins Leben gerufen, das bis 2028 eine jährliche Aussetzung in der Grande Cariçaie vorsieht.
Im Jahr 2025 wurden 70 Sumpfschildkröten in der Grande Cariçaie ausgesetzt, darunter 18 mit Mikrochips und 5 mit solarbetriebenen GPS-Sendern. Dieses Monitoring hat es ermöglicht, bisher unbekannte Informationen über die Habitatnutzung, die Fortbewegung und das Verhalten nach der Aussetzung zu sammeln. Die Daten zeigen eine vielversprechende Anpassungsfähigkeit und Verhaltensvielfalt. Die beobachteten Tiere scheinen homogene Schilfgürtel und Waldgebiete zu bevorzugen, während sich ein Tier in einem ruhigen Gewässerbereich niedergelassen hat. Eine der Schildkröten hatte sogar mehrmals die im Reservat verlaufende Eisenbahnstrecke überquert. Die beobachteten Unterschiede in der Fortbewegung und der Habitatnutzung stellen ein ökologisch relevantes Ergebnis dar. Die Tatsache, dass die Tiere eine grosse Vielfalt an Lebensräumen nutzen, ist ein positiver Indikator für ihre Anpassung. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Erhaltung eines Mosaiks aus Lebensräumen innerhalb des Reservats und liefern wertvolle Hinweise auf besonders schützenswerte oder wiederherzustellende Gebiete.
80 weitere Sumpfschildkröten im Jahr 2026
Am 19. Juni wurden 80 neue Sumpfschildkröten (Jungtiere, fast ausgewachsene und ausgewachsene Tiere) an derselben Stelle von einer 5H-Klasse der Primarschule Cheyres-Châbles ausgesetzt. Fünf von ihnen wurden mit einem solarbetriebenen GPS-Sender ausgestattet, um die wissenschaftliche Analyse fortzusetzen. Die Beteiligung der Schülerinnen und Schüler aus der Region trägt dazu bei, die junge Generation für den Schutz der Biodiversität und der einheimischen Tierwelt zu sensibilisieren.
Zur Erinnerung: Es ist strengstens verboten, Wildtiere eigenmächtig in der Natur auszusetzen. Solche Handlungen können schwerwiegende Folgen für die Biodiversität und die einheimische Fauna haben.
Das Förderprogramm im Kanton Freiburg wird vom Staat Freiburg in Zusammenarbeit mit dem Kanton Waadt, dem Centre Emys, info fauna und dem Verein Grande Cariçaie koordiniert. Es ist Teil einer nationalen Initiative, die von Vertretern des Bundes, der Kantone, der Koordinationsstelle für den Schutz von Amphibien und Reptilien in der Schweiz (info fauna - KARCH), des Vereins SwissEmys, des Centre Emys sowie der zoologischen Einrichtungen des Tierparks Bern und des Papilioramas geleitet wird.