Im Jahr 2025 verzeichnete das Bundesamt für Statistik 22 066 Straftaten im Bereich häusliche Gewalt. Das entspricht einem Anstieg von 4,4 % gegenüber dem Vorjahr (2024: 21 127 Straftaten). In Freiburg registrierte die Kantonspolizei täglich etwa zwei Einsätze im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt.
Die Bevölkerungsgruppe der Kinder und Jugendlichen ist besonders stark von häuslicher Gewalt betroffen. So waren bei 332 von 675 Einsätzen der Kantonspolizei im Jahr 2025 auch Minderjährige anwesend. In fast der Hälfte der Fälle erlebten Kinder Gewalt in der Paarbeziehung ihrer Eltern. Junge Menschen sind aber auch Gewalt in ihrer eigenen Partnerschaft ausgesetzt. Gemäss Studien zur Viktimisierung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in verschiedenen Kantonen ist die Häufigkeit von Gewalt in jugendlichen Paarbeziehungen besorgniserregend. Die Daten zeigen, dass gezielte Präventionsmassnahmen entwickelt werden müssen.
Die Ausstellung «Stärker als Gewalt» , die 2019 aus einer Kooperation der Kantone Bern und Freiburg entstand, führt die jungen Besucherinnen und Besucher in den Alltag einer gewöhnlichen Familie und lässt sie ins Thema häusliche Gewalt eintauchen. Unter Anleitung von geschulten Fachpersonen können sie sich während des Rundgangs durch die Ausstellung darüber austauschen. Es handelt sich um ein bewährtes und wirksames Instrument, um das Thema mit jungen Menschen zu thematisieren und ihnen die nötigen Informationen zu vermitteln, damit sie häusliche Gewalt erkennen und Hilfe suchen können.
Neben der jährlichen Organisation der Ausstellung im Kanton Freiburg hat das Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann und für Familienfragen (GFB) im Rahmen der Westschweizer Konferenz der Gleichstellungsbüros zusammen mit den Kantonen Bern, Genf, Jura, Neuenburg, Waadt und Wallis ein Videospiel zum Thema häusliche Gewalt entwickelt. ALTernatives ist ein interaktives Tool, mit dem junge Menschen lernen können, übergriffiges Verhalten zu erkennen, ihre Beziehungskompetenzen zu verbessern und in problematischen Situationen angemessen zu reagieren. Das Tool befasst sich insbesondere mit den spezifischen Dynamiken häuslicher Gewalt, mit sexueller Gewalt und der Bedeutung der Einwilligung sowie mit Problemen, die in dieser Altersgruppe besonders häufig auftreten, wie etwa Kontrolle und Cybergewalt.
Das Spiel, das seit Beginn des Schuljahres 2025/2026 auf Französisch angeboten wird, ergänzt die Ausstellung «Stärker als Gewalt» und soll die Prävention von häuslicher Gewalt und Gewalt in Paarbeziehungen im Kanton Freiburg verstärken. Es gibt Lehrpersonen sowie Schulmediatorinnen und Schulmediatoren der Sekundarstufe II die Möglichkeit, das Thema in ihren Klassen jederzeit und in einem vertrauten Rahmen zu behandeln.
Das GFB bildet die Schulmediatorinnen und Schulmediatoren aktuell für den Einsatz des Spiels im Unterricht aus. Interessierte Lehrkräfte können sich an das GFB wenden: bef@fr.ch.