Vor dem Hintergrund eines zunehmenden Nutzungsdrucks auf die Böden ist es notwendig, die nachhaltige Bewirtschaftung dieser Ressource zu stärken, um ihre Funktionen und die von ihr erbrachten Ökosystemleistungen langfristig zu sichern. In diesem Zusammenhang stellt die Bodenkartierung ein zentrales Instrument dar. Sie dient der systematischen Erhebung und Charakterisierung von Bodeneigenschaften, um die Funktionsweise der Böden besser zu verstehen. Indem die Bodenfunktionen und die sich daraus ergebenden Ökosystemleistungen beziffert werden, beschränkt sich die Kartierung nicht auf die Bereitstellung einer objektiven Informationsgrundlage, sondern trägt auch dazu, Nutzungskonflikte sichtbar zu machen, beispielsweise zwischen dem Ausbau von Infrastrukturen (wie Strassenerweiterungen oder Velowegen) und dem Erhalt landwirtschaftlicher Böden, oder zwischen der Siedlungsverdichtung und der Förderung von Grünflächen in der Bauzone. Zuverlässige bodenkundliche Informationen stellen nicht nur eine technische Entscheidungsgrundlage dar, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Strukturierung von Entscheidungsprozessen und zur transparenten Abwägung von Interessen. Dies gilt insbesondere für die Bereiche Landwirtschaft, Raumplanung, Waldwirtschaft sowie Naturgefahren.
Die Bodenstrategie Schweiz sieht eine nationale Bodenkartierung vor, die derzeit in Vorbereitung ist. Dieses gemeinsame Vorhaben der Kantone und des Bundes zielt darauf ab, die Kenntnisse über die Böden des Landes durch eine grossräumige Kartierung zu verbessern. Der Start ist für etwa 2030 vorgesehen und soll sich über rund zwanzig Jahre erstrecken.
Bodenkartierung im Kanton Freiburg
Die Bodenschutzstrategie des Kantons Freiburg fügt sich in die nationale Dynamik ein und stellt deren Fortsetzung auf kantonaler Ebene dar. Derzeit sind nur etwa 2 % des Kantonsgebiets kartiert.
Zur Vorbereitung dieses Vorhabens unterstützt der Aktionsplan der kantonalen Strategie für nachhaltige Entwicklung eine Vorbereitungsphase, die mehrere Pilotprojekte umfasst. Diese dienen dazu, erste Daten zu erheben, die Kartierungsmethoden zu testen und den Umfang der künftigen Arbeiten abzuschätzen. Sie zielen zudem darauf ab, den Kompetenzaufbau im privaten Sektor zu fördern, um über die notwendigen Kapazitäten für eine Kartierung in grösserem Massstab zu verfügen. Auch die Endnutzer werden in den Prozess einbezogen. Die Rohdaten werden so aufbereitet, dass sie in Form von abgeleiteten Produkten, die gemeinsam mit den Endnutzern entwickelt werden, zur Verfügung gestellt werden können.
Pilotprojekte im Kanton Freiburg
Seit 2019 wurden bereits mehrere Pilotprojekte zur Bodenkartierung in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Boden, Hochschulen (u.A. Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL, Hochschule für Technik und Architektur Freiburg (HTA-FR) und privaten Büros durchgeführt. Diese explorativen Arbeiten ermöglichten es, Böden aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten: Charakterisierung der Bodenvielfalt auf kantonaler Ebene, Bewertung der Bewässerungseignung von Böden, Analyse von Hochwasserrisiken, Erstellung von Hinweiskarten, Verbesserung der Fruchtbarkeit organischer Böden oder auch die Einbeziehung von Böden in Stadtentwicklungsprojekte.
Derzeit sind weitere Projekte in Vorbereitung, wobei den für die Bodennutzer vorrangigen Themen besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird. Nachfolgend werden einige Beispiele für realisierte Projekte und ihre wichtigsten Ergebnisse vorgestellt. Die detaillierten Berichte sind beim Amt für Umwelt oder Grangeneuve erhältlich (Koordinationsgruppe für den Bodenschutz).
Vorarbeiten für eine Bodenkartierung
Dieses Projekt legt die methodischen Grundlagen für eine Bodenkartierung auf Ebene des Kantons Freiburg. Georäumliche und bodenkundliche Analysen ermöglichten es, das Gebiet in homogene Pedozonen zu unterteilen und die Daten des Bodenbeobachtungsnetzes FRIBO zu nutzen. Diese Ergebnisse dienen der Planung künftiger bodenkundlicher Kartierungskampagnen. Das Projekt wurde zwischen 2022 und 2023 in Zusammenarbeit mit dem KOBO durchgeführt.
Projekt zur Bewertung der Bodenvielfalt
Diese Studie zielt darauf ab, das Wissen über die Bodenvielfalt des Kantons zu verbessern. An Standorten des Bodenbeobachtungsnetzes FRIBO wurden über 200 Bohrungen durchgeführt, um die Profile gemäss der Schweizer Klassifikation zu beschreiben. Die Ergebnisse ermöglichen es, Datenlücken zu identifizieren und künftige Kartierungskampagnen auszurichten. Das Projekt wurde 2023 in Zusammenarbeit mit der HAFL durchgeführt.
Bewertung der Bewässerungseignung der Böden im Broyebezirk
Dieses Projekt untersucht die Eignung der Böden im Broyebezirk für die Bewässerung. Es wurden Bodenprofile untersucht, um die nutzbare Wasserspeicherkapazität, die Textur und die Durchwurzelung zu bewerten. Die Ergebnisse ermöglichen es, geeignete und einschränkende Standorte für Bewässerungsprojekte zu identifizieren und deren Planung zu verbessern. Das Projekt wurde 2024 in Zusammenarbeit mit der HAFL durchgeführt.
Bodenuntersuchungen in drei Einzugsgebieten und Probenahmen für das Kompetenzzentrum Boden (KOBO)
Im Rahmen einer hydrologischen Studie wurden in drei Einzugsgebieten des Kantons Bodenuntersuchungen durchgeführt. Die Analysen ermöglichten es, die Bodeneigenschaften zu charakterisieren, die die Wasserinfiltration und -rückhaltung beeinflussen. Dieses Projekt veranschaulicht die konkrete Nutzung von Bodendaten im Naturgefahrenmanagement, namentlich im Hochwasserschutz. Sie wurden 2025 von der Scherrer AG erstellt.
Maschinelles Lernmodell zur Vorhersage von Bodeneigenschaften in einer Region der Schweizer Voralpen
Diese Studie untersucht den Einsatz von Modellen des maschinellen Lernens zur Vorhersage bestimmter Bodeneigenschaften. Felddaten wurden mit Umweltvariablen kombiniert, um Vorhersagekarten zu erstellen. Die Ergebnisse veranschaulichen das Potenzial der digitalen Kartografie zur Ergänzung bodenkundlicher Beobachtungen. Das Projekt wurde 2025 in Zusammenarbeit mit der HAFL durchgeführt.
Konzept zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und des Wasserhaushalts in der Region Grosses Moos
Diese Studie verbessert die Kenntnisse über die Böden im Grossen Moos, einer Region, die durch Bodensackung und den Verlust organischer Substanz geprägt ist. Bodenkundliche und räumliche Analysen ermöglichen die Identifikation von Risikobereichen sowie von Einschränkungen des Wasserhaushalts. Die Ergebnisse unterstützen die landwirtschaftliche Planung und das regionale Wassermanagement. Durchgeführt in Zusammenarbeit mit Lüscher und Aeschlimann sowie mit GeoPlanIng AG im Jahr 2024.
Neue Methoden zur Bodenkartierung Projekt Chamblioux-Bertigny, durchgeführt vom KOBO (2024)
Dieses Projekt ist Teil der Raumplanung für das Gebiet Chamblioux–Bertigny in Freiburg, das durch umgelagerte Böden und einen starken Siedlungsdruck gekennzeichnet ist. Es zielt darauf ab, die Bodenqualität in die Raumplanung einzubeziehen und neue Methoden der Bodenkartierung zu erproben. Zur Erstellung von Karten der Bodeneigenschaften wurden mechanisierte Bohrungen, spektrometrische Analysen und statistische Modelle verwendet. Das Projekt wurde 2024 in Zusammenarbeit mit dem KOBO durchgeführt.
Pilotprojekt zur Bodenkartierung in Prez-vers-Noréaz
Zur Vorbereitung der nationalen Bodenkartierung hat das KOBO in Prez-vers-Noréaz ein Pilotprojekt auf einer Fläche von 300 ha durchgeführt. Dieses Pilotprojekt testet innovative Methoden der Bodenkartierung auf Gemeindeebene. Die Arbeiten kombinieren Bodenuntersuchungen, spektroskopische Analysen und digitale Datenmanagement-Tools. Die gewonnenen Ergebnisse ermöglichen es, die Feldprotokolle zu optimieren und künftige kantonale Kartierungen vorzubereiten.