Das bewahren, was den Kanton stark macht: Klimarisikomanagement auf einen Blick
Reparieren statt wegwerfen, lokale Produkte konsumieren statt zu importieren, alternative Fortbewegungsmittel bevorzugen, die Bevölkerung vor starker Hitze schützen oder die Bewässerung in der Landwirtschaft sicherstellen: Der KKP2 unterstützt die Bemühungen der Partner des Staates, fördert kurze Lieferketten, den Nahtourismus und das regionale Gewerbe. Er schafft Anreize für eine gesunde Ernährung mit regionalen Produkten und fördert einen verstärkten Rückgriff auf erneuerbare, innerhalb des Kantons erzeugte Energien.
Der KKP2 verfolgt einen Ansatz, der auf Anreizen, geteilter Verantwortung und Eigeninitiative beruht. In diesem Sinne werden die administrativen Abläufe für die lokalen Partner aus dem öffentlichen wie auch aus dem privaten Sektor vereinfacht, während die wichtigsten Wirtschaftssektoren bei ihren Innovations- und Anpassungsbemühungen unterstützt werden.
Da die Klimarisiken kantonsspezifische Besonderheiten aufweisen, die insbesondere mit der Topografie und der Vielfalt der Aktivitäten zusammenhängen, wurden die Massnahmen gezielt auf die lokalen Gegebenheiten zugeschnitten und unter Einbezug des lokalen Fachwissens entwickelt.
In diesem Zusammenhang übernimmt der Staat eine treibende Rolle, indem er ein klares Signal an den Markt sendet. Insbesondere bindet er die regionalen Unternehmen und das lokale Gewerbe ein, um seine eigenen Klimaziele zu erreichen und damit entsprechend dem kantonalen Klimagesetz seiner Vorbildfunktion gerecht zu werden. Die Wahrnehmung dieser Vorbildfunktion durch den Staat trägt direkt zur Entwicklung von Fachwissen und Wertschöpfung im Kanton bei.
Die Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel stärken
Aufgrund seiner geografischen Vielfalt – von den Ebenen im Norden zu den Voralpen im Süden – ist der Kanton nicht überall in gleicher Weise von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Die Risiken unterscheiden sich je nach Region und betreffen insbesondere die Infrastrukturen, die Landwirtschaft, die Wasserressourcen und die Ökosysteme.
Im Süden des Kantons stehen Naturgefahren, die Wasserverfügbarkeit auf den Alpweiden und der Erhalt der natürlichen Lebensräume im Vordergrund. In anderen Teilen des Kantons liegen die Herausforderungen eher in der Wasserbewirtschaftung in städtischen und landwirtschaftlichen Gebieten, dem Schutz fruchtbarer Böden, der Biodiversität und der Gesundheit der Bevölkerung.
Um diesen Entwicklungen zuvorzukommen, stützt sich der Staat auf Klimaprojektionen für den Zeitraum bis 2060. Er führt Risikoanalysen durch, auf deren Grundlage die Anpassungsmassnahmen gezielt auf die Besonderheiten der einzelnen Regionen abgestimmt werden. Die regionalen Klimarisiken werden anhand einer entsprechenden Karte veranschaulicht.
Zum Klimaschutz beitragen
Die CO2-Bilanz und die Emissionsreduktionspfade sind die wichtigsten Instrumente zur Steuerung der kantonalen Klimapolitik im Bereich des Klimaschutzes. Sie ermöglichen es, die Entwicklung der Treibhausgasemissionen zu verfolgen, die Sektoren mit den höchsten Emissionen zu identifizieren und den wirksamsten Massnahmen Priorität einzuräumen. In Anwendung des kantonalen Klimagesetzes wird alle fünf Jahre eine CO2-Bilanz erstellt.
Die mit dem KKP2 eingeführten Reduktionspfade stellen eine wesentliche Neuerung dar. Sie legen die erwartete Entwicklung der Emissionen bis 2050 für die wichtigsten betroffenen Sektoren fest, namentlich Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft und Industrie. Als wichtige Referenzpunkte helfen sie dabei, den Bedarf an Dekarbonisierung frühzeitig zu erkennen und die öffentliche Politik auf einen schrittweisen Ausstieg aus fossilen Energieträgern auszurichten.
Der Aktionsplan in Kürze
Der Aktionsplan gliedert sich in zwei Achsen: Anpassung unseres Kantons an den Klimawandel zum Schutz vor dessen Auswirkungen und Schutz des Klimas durch die Reduktion unserer Treibhausgasemissionen. Zusammen tragen sie dazu bei, die Stärken des Kantons zu bewahren. So schützt beispielsweise die Vegetation im Kantonsgebiet vor starker Hitze, trägt gleichzeitig zur Schönheit der Landschaft bei, die für den lokalen Tourismus von Bedeutung ist, und fördert die natürliche Speicherung von Kohlenstoff.
Mit den geplanten Massnahmen will der Staat die Bemühungen der kantonalen Akteure unterstützen, auf regionales Fachwissen setzen, die Gesundheit schützen und mit gutem Beispiel vorangehen.
Unsere Anfälligkeit begrenzen
Durch die vorausschauende Berücksichtigung von Wetterereignissen, Infrastrukturausfällen und Mangellagen sowie die Stärkung der Resilienz der Infrastrukturen lassen sich Schäden an Menschen und Landschaften sowie Einbussen bei Dienstleistungen und Produktivität begrenzen.
Mit diesem Ansatz werden unsere Gesundheit geschützt, der Geschäftsbetrieb der Unternehmen gesichert und die Fähigkeit der gesamten Gesellschaft gestärkt, künftige Krisen zu bewältigen.
Die Herausforderungen für die Bevölkerung, die Gemeinden und den Agroforstsektor unterscheiden sich zwischen den Voralpen, die stärker Naturgefahren ausgesetzt sind und sich mit den Anliegen rund um Tourismus und Alpwirtschaft auseinandersetzen müssen, und den Flachlandgebieten, in denen insbesondere die Wasserwirtschaft, der Bodenschutz und der Erhalt der Biodiversität im Vordergrund stehen.
Die Massnahmen zum Schutz des Kantonsgebiets, der Infrastrukturen, der Bevölkerung und der lokalen Produktion sind Gegenstand des Pfeilers «Anpassung an den Klimawandel» des Aktionsplans.
Beispiele für Aktionen
- Förderung des Anbaus klimaresistenter Kulturen
- Unterstützung der Bewässerungsstrategie und der Wasserversorgung auf den Alpweiden
- Beitrag zur Schaffung von kühlen Orten in den Gemeinden und zur Begrünung im Siedlungsraum
- Investitionen in geeignete Ausrüstung zur Bekämpfung von Waldbränden
- Bekämpfung invasiver Arten wie der Tigermücke, der Quaggamuschel oder der asiatischen Hornisse
- Förderung der Entwicklung von Kulturen mit geringem Wasserbedarf
So hoch schätzt das BAFU die Kosten ein, falls wir aufgrund des Absterbens der Schutzwälder Infrastrukturen errichten müssten, um deren natürliche Schutzfunktion zu gewährleisten.
Unsere Importe fossiler Energieträger reduzieren
Der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien im Zuge von Reparaturen und dem Austausch von Anlagen am Ende ihrer Lebensdauer ermöglicht es den Haushalten, ihre Kaufkraft zu steigern, und den Unternehmen, ihre operativen Margen zu erhöhen. Die Energiekosten fallen geringer aus und die Anlagen sind schneller abgeschrieben. Dabei bleibt die Produktivität ein zentraler Aspekt.
Vier wichtige Sektoren im Kanton werden hinsichtlich ihrer Ziele zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen begleitet: der Individual- und Güterverkehr, der Gebäudesektor, die Landwirtschaft und die Industrie. Die Mittel zur Erreichung dieser Ziele sind unter anderem Gegenstand des Pfeilers «Klimaschutz» des Aktionsplans.
Beispiele für Aktionen
- Unterstützung der KMU bei der Umsetzung von Klimaschutzmassnahmen zur Erreichung der auf Bundesebene festgelegten Klimaziele für Unternehmen
- Unterstützung von Biogas- und Wärmerückgewinnungsanlagen in landwirtschaftlichen Betrieben
- Beteiligung am Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge zugunsten von Unternehmen und Mieterinnen und Mietern
- Förderung von Freiburger Holz im Bau
- Verstärkter Einsatz lokaler Produkte in der Gemeinschaftsverpflegung
- Unterstützung von Projekten zur direkten Abscheidung der Treibhausgasemissionen von Grossemittenten
Unterstützung der Schlüsselsektoren durch einen präventiven Ansatz
Der präventive Ansatz ermöglicht es nicht nur, Kosten für notfallmässige Anpassungsmassnahmen zu vermeiden, sondern auch, klimatische Herausforderungen in Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung zu verwandeln.
Mit Unterstützung der Wirtschafts- und Finanzkreise zielt dieser Ansatz darauf ab, Innovationen und private Investitionen anzukurbeln, indem in der Anfangsphase öffentliche Investitionen mobilisiert werden.
Er wirkt als Impulsgeber in den für den Kanton wichtigen Sektoren wie der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft, dem Bausektor oder dem Tourismus. Vorbeugende Massnahmen tragen zudem dazu bei, die zunehmend hohen wirtschaftlichen Kosten von Naturkatastrophen zu senken und die dadurch verursachten Schäden zu begrenzen.
Risiken vorzubeugen ist kostengünstiger als Schäden zu beheben
Durch die vorausschauende Berücksichtigung von Wetterereignissen, Infrastrukturausfällen und Mangellagen sowie die Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Infrastrukturen lassen sich Schäden an Menschen und Landschaften sowie Einbussen bei Dienstleistungen und Produktivität begrenzen.
Mit diesem Ansatz werden unsere Gesundheit geschützt, der Geschäftsbetrieb der Unternehmen gesichert und die Fähigkeit der gesamten Gesellschaft gestärkt, künftige Krisen zu bewältigen.
So hoch beliefen sich im Kanton die Kosten für die Reparatur von Gebäuden nach den Unwettern im Jahr 2021.
Heute investieren, morgen lokale Erträge erzielen
Der KKP2 unterstützt die Initiativen der Gemeinden, der Unternehmen und der Landwirtschaft durch gezielte Fördermassnahmen, vereinfachte Verfahren und Innovationsanreize. Der Staat übernimmt dabei eine treibende Rolle: Er kann die notwendigen Anfangsinvestitionen tätigen, um eine kollektive, koordinierte und gesellschaftlich tragfähige Mobilisierung anzustossen. Seine Rolle bei der Bereitstellung und Neuausrichtung öffentlicher Mittel zugunsten der lokalen Wirtschaft ist einzigartig und anspruchsvoll.
Damit gibt er den bereits getätigten Investitionen auf beiden Seiten zusätzlichen Schub und stärkt die beruflichen Kompetenzen der Fachkräfte.
Zwischen 350 und 450 Mio. Franken werden im Kanton jährlich für fossile Energien ausgegeben. Ein Potenzial, das in einheimische erneuerbare Energien fliessen könnte.
Der Klimawandel in Kürze
Die seit Beginn der Industrialisierung fortschreitende Erwärmung der Erde steht ausser Frage und geht mit tiefgreifenden Veränderungen des Klimas einher. Auf globaler Ebene liegt die mittlere Temperatur heute fast 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau (1871-1900), während der Anstieg in der Schweiz bereits fast 3,0 °C beträgt (MeteoSwiss & ETH Zurich, 2025). Die Erwärmung hat sich seit den 1960er-Jahren stark beschleunigt und macht die heutige Zeit zu einer der wärmsten der letzten Jahrtausende. In der Schweiz, wo der Temperaturanstieg etwa doppelt so schnell verläuft wie im weltweiten Durchschnitt, sind die Auswirkungen bereits deutlich sichtbar, insbesondere in Form von häufiger auftretenden Extremereignissen, dem Rückgang der Gletscher und der Abnahme der Schneefälle. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen zudem, dass diese Erwärmung überwiegend auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist. Jeder verhinderte Zehntel Grad Erwärmung bedeutet Einsparungen in Milliardenhöhe, gerettete Menschenleben und den Erhalt der natürlichen Umwelt (Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen [IPCC], 2023).