Die neue Stundentafel enthält zahlreiche Neuerungen, insbesondere hinsichtlich der Unterrichtsformate. Dazu gehören beispielsweise Tage, die thematischen Projekten gewidmet sind, und Ergänzungsfächer in Form von Semesterangeboten. Dabei geht es vor allem darum, die Autonomie der Schülerinnen und Schüler zu fördern und die fächerübergreifende Dimension des Unterrichts zu verstärken. Um den neuen Anforderungen des Bundes gerecht zu werden, wird der Anteil der Kunstfächer erhöht. In den einsprachigen Klassen sind originelle Massnahmen vorgesehen, um die Praxis der Partnersprache zu verstärken.
Immersion und Zweisprachigkeit
Zu den neuen Unterrichtsformen gehört auch, dass alle Schülerinnen und Schüler der ersten Klasse den Musikunterricht in der Partnersprache besuchen. Durch diesen Immersionsunterricht werden ihre Sprachkompetenzen gestärkt. Die Themen der Ergänzungsfächer werden nicht nur in der Partnersprache, sondern auch in Italienisch und Englisch angeboten. Der Sprachaustausch wird noch stärker gefördert werden. Es wird ein Freiburger Kreditmodell in der Partnersprache entwickelt, um den Zweisprachigkeitsnachweis zu stärken. Die Teilnahme an einem Tandem, kulturellen Aktivitäten oder Wahlfächer in der Partnersprache wird sichtbarer gemacht. Die bereits bestehenden freiwilligen Stützkurse werden beibehalten. Die Organisation der Ausbildung, die zum zweisprachigen Maturitätsausweis führt, wird vereinfacht. Die Aufnahmebedingungen werden geöffnet, um eine grössere Vielfalt der Profile der Schülerinnen und Schüler zu fördern.
Autonomie und übergreifende Kompetenzen
Neue strukturelle und organisatorische Rahmenbedingungen sollen die Autonomie der Schülerinnen und Schüler stärken. Die Mittelschulen werden pro Schuljahr 10 Projekttage für fächerübergreifenden und interdisziplinären Unterricht einsetzen. Zusätzlich werden die Ergänzungsfächer als Semesterangebot organisiert. Es werden drei Ergänzungsfächer angeboten: «Kultur, Kommunikation und Kunst», «Ingenieurwesen und Biowissenschaften» und «Individuum und Gesellschaft». Sowohl für die Projekttage als auch für die Ergänzungsfächer können die Lehrpersonen Themen, eine fächerübergreifende Zusammenarbeit sowie die Unterrichtssprachevorschlagen.Das Ergänzungsfach wird somit interdisziplinär. Es ist ein wichtiges Mittel für die Schülerinnen und Schüler, um übergreifende Kompetenzen zu erwerben.
Stärkung der MINT-Fächer
Der Unterricht in den MINT-Fächern wird durch die Einführung eines neuen Vertiefungsfachs verstärkt, das sich mit Anwendungen und gesellschaftlichen Herausforderungen befasst. Die Schülerinnen und Schüler können zwischen Mathematik, Informatik, Biologie, Chemie und Physik wählen. Gleichzeitig werden die beiden Schwerpunktfächer Physik und Anwendungen der Mathematik (PAM) sowie Biologie/Chemie durch die Erhöhung des Anteils des naturwissenschaftlichen Unterrichts gestärkt.
Inkrafttreten zum Schuljahresbeginn 2027/28
Die neue Stundentafel tritt für die Schülerinnen und Schüler der 1. Kollegiumsklasse zu Beginn des Schuljahres 2027/28 in Kraft. Sie wird dann mit diesem ersten Schülerjahrgang umgesetzt. Bis 2030 werden somit zwei Stundentafeln nebeneinander bestehen. Bis dahin müssen noch zahlreiche weitere Arbeiten für die Anerkennung der neuen Freiburger Maturität durchgeführt werden, insbesondere die Fertigstellung des kantonalen Lehrplans und die Überarbeitung der Studien- und Prüfungsreglemente.
Eine ausgewogene Stundentafel
Die Stundentafel Matu2027 behält die gleiche Stundenzahl bei wie die aktuelle Stundentafel, nämlich 137 Stunden verteilt auf vier Jahre. Die Prozentsätze werden angepasst, um den vom Bund geforderten Mindestanforderungen zu erfüllen:
- 31,8 % der Unterrichtszeit sind dem Bereich Sprachen gewidmet (Mindestanforderung: 27 %).
- 28,6 % der Unterrichtszeit sind für MINT-Fächer reserviert, d. h. Mathematik, Informatik, Biologie, Chemie und Physik (27 %).
- 17,5 % der Unterrichtszeit sind den Geistes- und Sozialwissenschaften gewidmet, d. h. Philosophie, Religionswissenschaften, Geografie sowie Wirtschaft und Recht (12 %).
- 6,4 % der Unterrichtszeit sind dem Bereich Kunst gewidmet, d. h. Musik und bildende Kunst (6 %).
- 15,7 % beziehen sich auf die Schwerpunktfächer, die Ergänzungsfächer und die Maturaarbeit (15 %).
Hinzu kommen während der vierjährigen Ausbildung drei Stunden Sport pro Woche, wie es den Vorgaben des Bundes entspricht. Dies ist eine Besonderheit des Kantons Freiburg.
Mehr dazu
Die EDK und der Bundesrat haben die Umsetzung von Neuerungen initiiert, die für die Weiterentwicklung der gymnasialen Ausbildung notwendig sind. Der Kanton Freiburg wollte diese Gelegenheit nutzen, um diese Ausbildung zu überdenken und anzupassen. Das Projekt Matu2027 wurde am 8. November im Rahmen einer Tagung, an der alle betroffenen Lehrkräfte teilnahmen, offiziell lanciert