Nach der Ausschreibung eines einjährigen Aufenthalts im Atelier «Jean Tinguely» in der Cité internationale des arts in Paris hat sich die Fachjury für den Künstler Romain Buffetrille und die Künstlerin Délia Krayenbühl entschieden, welche die Jury mit ihrem jeweiligen Projekt überzeugt haben. Die beiden erhalten jeweils einen sechsmonatigen Aufenthalt sowie ein Stipendium in Höhe von 10 500 Franken (1750 Franken pro Monat).
Der Maler Romain Buffetrille möchte sich der Malerei und dem Schreiben widmen, insbesondere zum Thema Kollapsologie und zu den Theorien zur Zyklizität von Zivilisationen. Mit Paris als Forschungsgebiet wird er versuchen, unsere Beziehung zu Umgebungen und ihren Symbolen zu hinterfragen und daraus eine zeitgenössische Erzählung zu entwickeln. Seine Forschungen werden zur Erstellung seines ersten Werks führen, einer Mischung aus Kunstbuch und Essay.
Der Maler Romain Buffetrille ist 1999 im Kanton Freiburg geboren. Nach seinem Lehrabschluss zum Bibliothekar absolvierte er die Matura an der EIKON in Freiburg und studierte dann an der Académie d'arts visuels de Meuron in Neuenburg. In den letzten Jahren hat Romain Buffetrille seine Gemälde in Gruppen- und Einzelausstellungen präsentiert, unter anderem im Murtner Museum, in der Galerie C in Neuenburg, im Musée Rousseau in Môtiers und im Atelier La Cellule in Freiburg. Seine Inspiration findet er in der Ökologie und der Philosophie, in Werken, die die Spiritualität und die Symbolik der Umgebung hervorheben.
Die Tänzerin Délia Krayenbühl möchte durch ihre Choreografie die Beziehung zwischen Popmusik und Intimität hinterfragen. In ihren Recherchen befasst sie sich mit dem Einfluss der Popmusik auf das kollektive Gedächtnis, ihrer Rolle als Werkzeug für die choreografische Komposition und der Frage der Zugänglichkeit des Tanzes für das Publikum. Dieser Aufenthalt wird Délia Krayenbühl ausserdem ermöglichen, sich nach zahlreichen Erfahrungen mit kollektiven Kreationen als Einzelkünstlerin zu etablieren. Sie möchte ihre Residenz mit einer Bühnenkreation und Workshops abschliessen, die sie in Freiburg präsentieren will.
Die in Freiburg geborene Délia Krayenbühl absolvierte eine Schauspielausbildung am Konservatorium Freiburg, bevor sie sich beruflich dem zeitgenössischen Tanz zuwandte. Nach einem Jahr an der Tanzfabrik in Berlin begann sie 2017 ein Bachelorstudium in zeitgenössischem Tanz an der Manufacture in Lausanne. Nach ihrem Abschluss gründete sie gemeinsam mit anderen das Kollektiv Foulles, mit dem sie mehrere Stücke schuf, und wurde assoziierte Künstlerin bei L'Abri-Genève. Heute arbeitet sie mit verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern als Tänzerin, Schauspielerin oder künstlerische Mitarbeiterin zusammen.
Das Pariser Künstleratelier «JeanTinguely», Freiburger Künstlerresidenz
Im Jahr 1985 erwarben der Kanton und die Stadt Freiburg gemeinsam ein Atelier in der Cité internationale des Arts, Rue de l'Hôtel-de-Ville, im Zentrum von Paris. Der ungefähr 35 m2 grosse Wohn- und Arbeitsraum erhielt den Namen «Atelier Jean Tinguely». Im Komplex der «Cité internationale des Arts» stehen auch Gemeinschaftsräume zur Verfügung (z. B. Ateliers für Druck, Keramik oder Fotographie de sowie Übungsräume für Musik). Die Cité fördert die Vernetzung und den Austausch von Ideen und Erfahrungen unter Kunstschaffenden aus der ganzen Welt. Für die Ausschreibung des Ateliers, das von professionellen Kunstschaffenden genutzt werden kann, sind Stadt und Kanton abwechselnd zuständig.