11. Januar 2021 -10h24

Das Jahr 2020 war für die Forscherinnen und Forscher am Naturhistorischen Museum Freiburg – trotz der Corona-Krise – ein Erfolgsjahr. Mehr als zehn wissenschaftliche Artikel wurden in internationalen Fachzeitschriften publiziert. Die Themen der Arbeiten reichten von seltenen Reliktbäumen und arktischen Mohnarten bis hin zu bedrohten Wasserpflanzen. Die publizierten Resultate erweitern nicht nur die Kenntnisse über diese Organismen, sondern tragen dazu bei, diese grösstenteils gefährdeten Arten vor dem Aussterben zu schützen.

Zelkova abelicea
Zelkova abelicea © Alle Rechte vorbehalten - Gregor Kozlowski

Eine der originellsten Arbeiten aus dem Jahr 2020 beschäftigte sich mit dem Flugmechanismus und der Fluggeschwindigkeit von Früchten der Kretischen Zelkove (Zelkova abelicea), einer endemischen Baumart aus Kreta. Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit dem Botanischen Garten der Universität Freiburg (Schweiz) und mit der Universität von Edinburgh (Vereinigtes Königreich) durchgeführt und vor kurzem im American Journal of Botany publiziert.

Die Kretische Zelkove, die eng mit unseren Ulmen verwandt ist, besitzt eine einzigartige Eigenschaft: Sie verbreitet ihre Früchte nicht nur einzeln, sondern auch mit Hilfe von einjährigen kurzen Trieben, die im Herbst ganz vom Baum abfallen, mitsamt den befestigten Blättern und Früchtchen. Diese Ausbreitungsmethode ist bei keiner anderen Blütenpflanzengruppe bekannt. Sie wurde noch kaum erforscht und ist schlecht dokumentiert.

Zelkova abelicea
Zelkova abelicea © Alle Rechte vorbehalten - Gregor Kozlowski
Zelkova abelicea
Dispersal units Zelkova abelicea
Dispersal units Zelkova abelicea © Alle Rechte vorbehalten - Gregor Kozlowski
Dispersal units Zelkova abelicea

Die Zelkoven können sich damit über relativ weite Strecken ausbreiten. Zwar fliegen so ausgestattete Früchte dieser Baumart etwas schlechter als die Ahorne aber viel besser als beispielsweise die Eschen. Jedes dieser Flugästchen ist anders, mal länger mal kürzer, mal mit drei, mal mit sechs Blättern. Damit erreichen sie eine ganz unterschiedliche Flugdistanz und können eine Fläche von ein paar hundert Metern rund um die Mutterpflanze mit Früchten bedecken.

Die Zelkoven sind also perfekt angepasst, um in den Bergen Kretas alle benachbarten und geeigneten Habitate zu erreichen. Die Insel Kreta jedoch werden sie auf diese Weise nie verlassen. Die uralte Baumart erreichte und besiedelte Kreta vor mehreren Millionen Jahren, als der Wasserstand des Mittelmeers noch tiefer war und Kreta über Landbrücken mit dem Festland verbunden war. Sie ist also heute gewissermassen auf der Insel gefangen.

Gregor Kozlowski