Vor zehn Jahren wurde der damalige Bereich Familienplanung und Sexualinformation umbenannt und zur Freiburger Fachstelle für sexuelle Gesundheit (FFSG). Heute feiert die Fachstelle ihr 40-jähriges Bestehen. Als Teil des Kantonsarztamts beschäftigt sie Fachpersonen für sexuelle Gesundheit und Sexualpädagoginnen, die an den Schulen der obligatorischen Schulzeit tätig sind. Zudem bietet sie unter anderem frauenärztliche Untersuchungen und Beratungen zu Fragen der sexuellen Gesundheit an.
Anlässlich des Jubiläums zogen Fachpersonen vor fast hundert Vertreterinnen und Vertretern des Freiburger und des schweizerischen Netzwerks heute Bilanz über die Geschichte und Entwicklung der Fachstelle. Dabei wurde auch aufgezeigt, wie sich die Bedürfnisse und Fragestellungen im Bereich der sexuellen Gesundheit im Laufe der vergangenen Jahrzehnte verändert haben.
Die Weiterentwicklung der Angebote der FFSG widerspiegelt die neuen Herausforderungen, die im Laufe der Jahre hinzugekommen sind. So wurden die Angebote der Sexualaufklärung angepasst, um auch die Auswirkungen der Bildschirmnutzung sowie mögliche Risiken und Formen des Missbrauchs im Zusammenhang mit digitalen Medien aufzugreifen. Die Zusammenarbeit mit den Schulen wurde verstärkt, insbesondere im Zusammenhang mit sexuellen Handlungen. Die Themen Prävention von sexueller Gewalt und Bekämpfung von Diskriminierungen wurden weiterentwickelt.
Auch im Bereich der Beratung ist heute eine bemerkenswerte Entwicklung festzustellen. Zum Beispiel bei den Tests auf sexuell übertragbare Infektionen geht inzwischen die Hälfte der Anfragen von Männern aus.
Schliesslich wurde im März 2026 eine Aussenstelle der FFSG in Düdingen eröffnet. Damit konnte das Angebot der Fachstelle weiter dezentralisiert und der Zugang zu ihren Leistungen für die Bevölkerung der Region erleichtert werden.
Genauso wie die Rechte der Frau, werden auch die Rechte in Sachen Sexualität, Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft immer wieder in Frage gestellt. Gerade deswegen ist die Sexualerziehung unerlässlich. Dank ihr können Fragen der öffentlichen Gesundheit aufgegriffen werden, wie z. B. frühe Schwangerschaften oder sexuell übertragbare Infektionen, der Aufbau von Beziehungen zwischen Mädchen und Jungen oder noch Themen im Zusammenhang mit sexueller Gewalt.
Ein paar Zahlen
Im Jahr 2025 beantwortete die Freiburger Fachstelle für sexuelle Gesundheit (FFSG) 4’129 telefonische Anfragen und führte in Freiburg, Bulle und Düdingen 1’024 Beratungsgespräche sowie 16 Gruppenempfänge durch. Zudem wurden 1’414 Tests auf sexuell übertragbare Infektionen durchgeführt und in Freiburg 463 medizinische Konsultationen angeboten.
In 128 Fällen im Zusammenhang mit sexuellen Handlungen erfolgte eine fachliche Einschätzung und Koordination. Die Kurse zur sexuellen Gesundheitsbildung und zur Prävention von sexueller Gewalt wurden in 948 Klassen der obligatorischen Schule im Kanton Freiburg durchgeführt. Schliesslich leistet die FFSG einen aktiven Beitrag zur Umsetzung der Massnahmen der kantonalen Strategie für sexuelle Gesundheit, die 2023 vom Staatsrat verabschiedet wurde.
Geschichte
Im Kanton Freiburg existieren die Beratungsgespräche der Familienplanung seit 1974. Damals ermöglichen neue Verhütungsmittel eine freiere Sexualität, wodurch unterschiedliche Bedürfnisse in Sachen Prävention und Information für junge Paare und Jugendliche entstehen.
Zu Beginn der 80er Jahre löst u. a. das Inkrafttreten des Bundesgesetzes über die Schwangerschafts-beratungsstellen eine Restrukturierung der Freiburger Familienplanungsstelle aus.
So entsteht am 3. März 1986 die «Beratungsstelle für Familienplanung und Sexualinformation», die Familienplanung, Sexualerziehung in den Schulen und Beratungsgespräche sowie Konsultationen in Sachen Schwangerschaft unter einem Dach vereint. Aufgrund der damaligen Gegebenheiten gehört bald auch schon die Prävention von sexuell übertragbaren Infektionen (STI), insbesondere von HIV/Aids, aber auch von sexuellem Missbrauch zu ihren Aufgaben.
Bis 1986 kümmern sich in den Freiburger Schulen die Lehrperson, der Direktor, der Schularzt oder noch der Pfarrer um die Sexualerziehung. Dank der Schaffung der Beratungsstelle im Jahre 1986 fällt diese Aufgabe fortan speziell dafür ausgebildeten Personen zu. 1988 führt der damalige Kantonsarzt ein Verfahren für Frauen ein, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen wollen, damit diese dafür nicht in einen «liberaleren» Kanton gehen. Zu diesem Zweck entsteht eine Zusammenarbeit zwischen dem Psychosozialen Zentrum, dem Kantonsspital und der Beratungsstelle für Familienplanung.
1995 bietet die Beratungsstelle HIV-/Aids-Tests an und eröffnet zwei Zweigstellen, zuerst in Bulle, danach in Merlach. Ausserdem unterhält sie in Payerne eine Zusammenarbeit mit dem Kanton Waadt. Ihre Leistungen passen sich stetig den neuen Entwicklungen an, wie z. B. der Ankunft von Flüchtlingen, die besondere Bedürfnisse haben, der Notfallverhütung oder noch der Fristenregelung. 2003 wird die Beratungsstelle zur Dienststelle der GSD, 2009 wird sie zur Informations- und Beratungsstelle für pränatale Untersuchungen ernannt. Nach und nach weitet sich ihr Handlungsfeld in Sachen Prävention auf die Bereiche weibliche Genitalverstümmelung und Zwangsheirat aus. Gleichzeitig wappnet sie sich für den rasanten Aufschwung der neuen Medien in den Schulen, mit denen die Fragen zum Thema Sexualität sich vervielfachen. 2012 wird die Beratungsstelle schliesslich dem Kantonsarztamt unterstellt.
Im Jahr 2016 ändert sie ihren Namen und wird zur Freiburger Fachstelle für sexuelle Gesundheit. Damit unterstreicht sie ihre Rolle als Referenzstelle in den Bereichen sexuelle Gesundheit, Sexualaufklärung, Beratung, Prävention und Begleitung für die gesamte Freiburger Bevölkerung.