Die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren präsentierte heute Vormittag die Ergebnisse einer Erhebung, die im Zeitraum April‒Juni 2024 durchgeführt wurde. Die erstmals durchgeführte Erhebung sollte messen, ob die Schülerinnen und Schüler der 4H in sämtlichen Kantonen der Schweiz die Grundkompetenzen in der Schulsprache und in Mathematik erreichen. Diese Messungen ermöglichen es, den Grad der Harmonisierung der Bildungsziele nach Schulstufe zwischen den Kantonen zu beurteilen, wie es in Artikel 62 Abs. 4 der Bundesverfassung vorgesehen ist. Landesweit haben 20'000 Schülerinnen und Schüler an der Erhebung teilgenommen.
Erstmals getestete Kompetenzbereiche bei den Schülerinnen und Schüler der 4H
Im Kanton Freiburg nahmen im Frühjahr 2024 erstmals 1582 Schülerinnen und Schüler der 4H (915 französischsprachige und 667 deutschsprachige Schülerinnen und Schüler) aus 85 Schulen an den ÜGK-Tests teil. Getestet wurden die Kompetenzbereiche Lese- und Hörverstehen in der Schulsprache sowie Mathematik.
Im Kompetenzbereich Hören wurde auf das Textverstehen in monologischen und dialogischen Situationen fokussiert. Die Themen stammten aus der Erfahrungswelt der Schülerinnen und Schüler. Im Kompetenzbereich Lesen wurde das Verstehen einerseits von Sätzen und andererseits von kleinen Texten überprüft, wobei sich die Themen ebenfalls an der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler orientierten. Zusätzlich wurde ein Test zur Leseflüssigkeit durchgeführt. Im Fachbereich Mathematik wurden fünf Aspekte bewertet: Erkennen und Beschreiben, Anwenden von Verfahren und Techniken, Verwenden von Instrumenten und Hilfsmitteln, Mathematisieren und Modellieren sowie Interpretieren und Analysieren von Ergebnissen.
Gute Ergebnisse für die Schülerinnen und Schüler des Kantons
Die Ergebnisse der Freiburger Schülerinnen und Schüler liegen insgesamt im nationalen Durchschnitt, d. h. mit einer Abweichung von plus/minus 3%, und sind insgesamt gut. Es gibt keine nennenswerten Unterschiede zwischen den Ergebnissen der Mädchen und denen der Jungen. Die Ergebnisse der französischsprachigen und der deutschsprachigen Schülerinnen und Schüler sind ebenfalls vergleichbar. Dies ist besonders erfreulich, da die Schülerinnen und Schüler im Freiburger Schulsystem im 1. Zyklus einen aufbauenden Einstieg mit 12 bis 14 Lektionen in der 1H, 22 bis 24 Lektionen in der 2H, 24 Lektionen in der 3H und 26 Lektionen in der 4H durchlaufen.
Einfluss der individuellen Merkmale
Auch wenn das Geschlecht keinen Einfluss auf das Erreichen der Kompetenzen am Ende der 4H hat, zeigt die Erhebung, dass drei weitere individuelle Merkmale der Schülerinnen und Schüler die Ergebnisse ebenfalls signifikant negativ beeinflussen können. In absteigender Reihenfolge sind dies die soziale Herkunft, die zu Hause gesprochene Sprache und der Migrationsstatus der Familie der Schülerin oder des Schülers – Faktoren, auf die die Schülerin oder der Schüler keinen Einfluss hat. Freiburg bildet da keine Ausnahme. Zwar bietet das Freiburger Schulwesen gewisse Unterstützungsangebote für fremdsprachige Schülerinnen und Schüler an, insbesondere den Unterricht in Französisch (FLS) oder Deutsch (DaZ) als Zweitsprache sowie individuellen pädagogischen Stützunterricht, doch dies vermag den Umstand, dass die Unterrichtssprache in der Familie des Schülers oder der Schülerin nicht gesprochen wird, nicht zu kompensieren. Allenfalls könnte die schulische Leistung der Kinder auch durch gezielte Unterstützung der benachteiligten Familien verbessert werden, beispielsweise durch die Verbesserung der Französisch- oder Deutschkenntnisse der Eltern und/oder die Stärkung ihrer Grundkompetenzen, wie dies im Rahmen des Programms Einfach besser vorgesehen ist. Diese Dienstleistung wird im Kanton Freiburg vom Amt für Berufsberatung und Erwachsenenbildung angeboten: Verbessern Sie Ihre Grundkompetenzen | Staat Freiburg
Danksagung
Die beiden Ämter für obligatorischen Unterricht nehmen die erfreulichen Ergebnisse der Erhebung 2024 zur Kenntnis. Die BKAD bedankt sich gemeinsam mit beiden Unterrichtsämtern bei den Lehrpersonen und Schuldirektionen für ihr unermüdliches Engagement zugunsten der Schülerinnen und Schüler sowie ihre Motivation, diese für die Erreichung der nationalen Bildungsziele und Grundkompetenzen zu begleiten und unterstützen.
Eckwerte der Erhebungen:
Die EDK hat beschlossen, bis 2025 vier Erhebungen durchzuführen mit dem Ziel, das Erreichen der Grundkompetenzen bei den Schülerinnen und Schülern zu überprüfen. Dieses Vorhaben wird mit «ÜGK» (Überprüfung des Erreichens der Grundkompetenzen) bezeichnet. Die erste Erhebung fand im Mai/Juni 2016 statt. Getestet wurde der Fachbereich Mathematik am Ende der obligatorischen Schule. Insgesamt nahmen 22'423 Schülerinnen und Schüler der 11H aus allen Kantonen an den Tests teil. Die zweite Erhebung fand im Mai/Juni 2017 statt. Getestet wurden die Fachbereiche Schulsprache und erste Fremdsprache (zweite Landessprache oder Englisch, je nach Region). Die dritte Erhebung befasste sich mit der Schulsprache und den Fremdsprachen. Sie fand zwischen April und Juni 2023 statt. 18'500 Schülerinnen und Schüler der 11H nahmen daran teil. Die Tests wurden auf einem Tablet durchgeführt. Die vierte und letzte Erhebung fand zwischen Mai und Juni 2024 statt. Rund 20'000 Schülerinnen und Schüler der 4H nahmen daran teil.
Die Kantone sind per Verfassung zur Harmonisierung der Bildungsziele verpflichtet (Art. 62 Abs. 4 Bundesverfassung). Sie haben gemeinsam Instrumente für die Zielharmonisierung entwickelt. Dazu gehören die nationalen Bildungsziele (Grundkompetenzen) der EDK oder die neuen sprachregionalen Lehrpläne. Die Einführung dieser und weiterer Instrumente ist ein langfristiger Prozess und noch nicht abgeschlossen.