Die Bauernhäuser des Kantons Freiburg I und II
Von 1972 an erarbeitete Jean-Pierre Anderegg eine umfangreiche Dokumentation über die ländliche Architektur des Kantons, indem er Bauernhäuser, Scheunen, Speicher, Ofenhäuser und Mühlen besuchte und fotografierte sowie Verzeichnisse von Inschriften und Handwerkern zusammenstellte. Mehr als 10'000 Gebäude wurden auf diese Weise erfasst. Auf der Grundlage dieser Arbeit verfasste er zwei Bände über die «Bauernhäuser des Kantons Freiburg», die 1979 (Saane-, See- und Sensebezirk) und 1987 (Broye-, Glane-, Greyerz- und Vivisbachbezirk) in der von der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde herausgegebenen Reihe «Die Bauernhäuser der Schweiz» erschienen.
Das vorliegende Werk beruht auf einer zuvor erarbeiteten Dokumentation, die aus mehr als 10'000 technischen Blättern, je ein Blatt pro Bau, besteht. Von Anfang an waren diese Blätter als Unterlage für eine morphologische une typologische Untersuchung gedacht, die auf die Funktion des Baus, die Baustoffe, die Wand im Holz- une Steinbau, die Dachform une die Dekorelemente eingeht. Dazu gehört ein Fotoarchiv mit mehr als 50'000 Aufnahmen. Diese wertvolle Dokumentation bildet heute das Archiv des Bauernhausverzeichnisses (ARMR).Die beiden Bände beschreiben zunächst die Arten der erfassten Gebäude, die Bauweisen und für jede Region charakteristischen Siedlungstypen. Lauben, Giebelbögen und die gekerbten oder gemalten Fassadenelemente werden in ihrer Entwicklung und dekorativen Fülle dargestellt. Mit Hilfe von Inschriften und Archivdokumenten können eine Chronologie und eine Geschichte der Bauernhausarchitektur und ihrer Handwerker erarbeitet werden. Es folgt eine Präsentation der wichtigsten Haustypen, vom Wohnhaus über die Schule zum Speicher, zur Mühle und zur Käserei, die mit Plänen und zahlreichen Fotografien veranschaulicht werden.Die beiden von der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde herausgegebenen Werke bilden die Bände 7 und 8 der Reihe «Die Bauernhäuser der Schweiz», die im Jahr 2018 bereits 34 Bände umfasst.
Die Bauernhäuser des Kantons Freiburg I
Band I der «Bauernhäuser des Kantons Freiburg» umfasst den deutschsprachigen Bezirk Sense, den französischsprachigen Bezirk Saane und den gemischtsprachigen Bezirk See, ein Gebiet, das einerseits das Stammterritorium des Stadtstaates Freiburg i. Ü., die sogenannte Alte Landschaft, anderseits das reformierte Murtenbiet als ehemals mit Bern zusammen verwaltete Gemeine Herrschaft in sich begreift. Der kulturelle Gegensatz zwischen diesen beiden historischen Gebietseinheiten hat auch die freiburgische Hauslandschaft geprägt. Zwischen Grossem Moos und Schwarzseetal durchläuft der Leser alle denkbaren Formen und Typen der Siedlung. Besonders charakteristisch sind dabei die konzentrisch um die Hauptstadt angeordneten Herrensitze.
Nach den mannigfaltigen ländlichen Bauaufgaben und den Konstruktionsformen in Holz und Stein kommt die künstlerische Gestaltung an Tür, Fenster, Laube, Dach und Fassade ausführlich zum Zuge. Eine kulturgeschichtliche Quelle ersten Ranges bilden die vor allem im deutschen Kantonsteil zahlreichen Hausinschriften. Sie ermöglichten - zusammen mit ausgedehnten Archivstudien - die Aufstellung eines Handwerkerkatalogs und damit die Zuweisung und Datierung sehr vieler Bauten.
Die wichtigsten Typen der ländlichen Architekturgattungen - vom Bauernhausüber über den Speicher bis hin zu Schulhaus, Mühle und Käserei - erscheinen in einem abschliessenden Kapitel, planzeichnerisch dargestellt jeweils anhand eines einschlägigen Beispiels. Ein Inventar sämtlicher bemerkenswerter Bauten und Siedlungen der Region erlaubt deren Einordnung in die zuvor entwickelte Typologie und bildet zugleich das Ortregister zum Band. Die regionale Bauterminologie wird durch ein Fachwortverzeichnis aufgeschlüsselt.
Mit seinen zahlreichen Plänen, Fotos und Karten, den systematischen Typenbeschreibungen und dem ausführlichen Registerteil bietet das Werk ein abgerundetes Bild der erstaunlich reichen ländlichen Baukultur eines noch recht wenig bekannten, dank seine kulturellen Komplexität aber hochinteressanten Teiles der Schweiz.
Jean-Pierre ANDEREGG, Die Bauernhäuser des Kantons Freiburg, Bd. 1 : Die Bezirke Saane, See, Sense, Basel: Krebs 1979, 404 S., Text d/fr, 953 Abb., 4 Farbtafeln, 1 Faltkarte, ISBN 3-908121-47-7
Die Bauernhäuser des Kantons Freiburg II
Der zweite und abschliessende Band der « Freiburger Bauernhäuser » umfasst die Dauersiedlungszone der französischsprachigen Bezirke Broye, Glane, Greyerz und Vivisbach. Ähnliche Bau- und Wohnbedürfnisse zeitigen in diesen vergleichsweise engen ländlichen Räumen eine erstaunliche Vielfalt an architektonischen Lösungen. Von den Äckern und Tabakfeldern des Broyetals über das sanftgewellte Hochplateau zwischen Rue und Romont mit seinen buntscheckigen Mischkulturen bis zu den saftig-grünen Weiden der Greyerzer Voralpen verändert sich, je nach Platzbedarf, Baumaterial und Ressourcen, stufenweise auch das Bild des Freiburger Bauernhofes. Die dezenten Farbtöne von Muschelkalk, Molasse-Sandstein und Alpen-«Marmor» prägen die Hausfassaden, soweit sie nicht aus sonnengebräunten Bohlen- oder Blockwänden bestehen.
Schon früh macht sich der selbstbewusste bäuerliche Herdenbesitzer und Käseproduzent den Stil seiner Grundherren auf eigenständige Weise dienstbar. So lebt die Gotik in den Dörfen zwischen Moléson und Vanil Noir im 17. Jahrhundert noch einmal auf. Barock und Rokoko gestalten Türen und Täfer der Bauernstube bis an die Schwelle der politischen Regeneration. Von der Befreiung der Bauern aus dem Feudalsystem des Ancien Régime künden schliesslich neue Standesabzeichen, nicht zuletzt die berühmte « Poya » über dem Tenn. Über die modischen Zeitströmungen hinweg aber bleibt das Gehäuse selbst in Grundriss und Anlage vorwiegend in seiner je eigenen, naturräumlichen und sozialen Landschaft verwurzelt.
Der Aufbau des Buches entspricht gründsätzlich dem Konzept des I. Bandes. Neben dem analytischen Teil mit Schwergewicht auf den regionaltypischen Gestaltungselementen werden die wichtigsten Siedlungs- und Haustypen in 18 bzw. 84 exemplarischen Monographien abgehandelt . Das Spektrum der einschlägigen Siedlungsformen reicht vom Einzelhof zum Haufendorf, vom Gutsweiler zur Taglöhnerzeile. Zu den ländlichen Bauaufgaben in weitesten Sinne gehören neben dem Bauernhaus und seinen Trabanten Speicher und Ofenhaus u.a. auch die Dreschhütte, die Tal- und Bergkäserei, das Archivhäuschen, die Tanzbrücke und der Dorfbrunnen.
Das gemeindeweise Haus- und Siedlungsinventar - ein Novum in der schweizerischen Bauernhausreihe - umfasst über 2000 Einzelbauten und Ortsbilder und weist damit für die westliche Hälfte des Kantons Freiburg einen ansehnlichen Baubestand nach. Der Zimmermeisterkatalog und eine Auswahl einschlägiger Dokumente zum ländlichen Bauwesen des 18./19. Jahrhunderts lassen einen wenig bekannten Berufsstand teilweise aus seiner Anonymität heraustreten.
Das in diesem Band vereinigte Quellenmaterial in Form von zahlreichen Fotos, Plänen, Grafiken, Karten und Tabellen schliesst eine Lücke in der Kenntnis der regionalen Baukultur der Westschweiz und wird Forscher und Laien, Baufachleute und Hausbesitzer, Land- und Stadtbewohner gleichermassen ansprechen.Jean-Pierre ANDEREGG, Die Bauernhäuser des Kantons Freiburg, Bd. 2: Die Bezirke Broye, Glane, Greyerz, Vivisbach, Basel: Krebs 1987, 502 S., Text d/fr, 1158 Abb., Farbtafeln, 2 Faltkarten, ISBN 3-908121-48-5
Herausgegeben von Amt für Kulturgüter
Letzte Änderung: 22.04.2026