«Gemeinsam in der Gemeinde» fördert seit zehn Jahren sozialen Zusammenhalt und gesellschaftliche Teilhabe

11. Dezember 2020 -10h30

Vor zehn Jahren wurde das Projekt «Gemeinsam in der Gemeinde» ins Leben gerufen. Nach dem Vorbild von «Marly Sympa» beteiligten sich auf Anregung der Fachstelle für die Integration der Migrantinnen und Migranten und für Rassismusprävention weitere Gemeinden an dem Programm, das die Stärkung des sozialen Zusammenhalts und die Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe zum Ziel hat. Heute ist das Programm in acht Gemeinden verankert, die ein Drittel der Kantons-bevölkerung repräsentieren. Es hat nichts von seiner Nützlichkeit verloren und ist weiterhin ein unübertroffenes Instrument bei Förderung des Zusammenlebens, sei es auf Quartierebene oder bei einem Gemeindezusammenschluss.

Ausgehend vom Projekt «Marly Sympa», das gerade mit dem Schweizer Integrationspreis ausgezeichnet worden war, lancierte die Fachstelle für die Integration der Migrantinnen und Migranten und für Rassismusprävention im Jahr 2010 ein Projekt zur Erweiterung dieses Ansatzes auf andere Freiburger Gemeinden. Dank der Anschubfinanzierung der Eidgenössischen Migrations­kommission konnte das Projekt «Gemeinsam in der Gemeinde» aus der Taufe gehoben werden.

Das Programm, an dem in der zweijährigen Pilotphase fünf Gemeinden (Düdingen, Marly, Bulle, Estavayer-le-Lac und Freiburg) beteiligt waren, überzeugte anschliessend vier weitere Gemeinden. Villars-sur-Glâne trat dem Projekt 2012 bei (und trat 2018 wieder aus), Wünnewil-Flamatt 2013, Schmitten 2018 und Bösingen 2020. In den acht aktuellen Projektgemeinden leben rund 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner (ein Drittel der Freiburger Bevölkerung) und 32'000 Migrantinnen und Migranten (42 % der im Kanton niedergelassenen ausländischen Bevölkerung).

Ziel des Programms? Das Zusammenleben in der Stadt, im Dorf und im Quartier fördern. Wie? Durch die Förderung der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, durch die Festigung des Dialogs zwischen den politischen Organen und der Zivilgesellschaft, durch die Zusammenführung der Einwohnerinnen und Einwohner einer Gemeinde und durch die Stärkung ihres Gefühls einer gemeinsamen Lebenswirklichkeit sowie durch die Ermutigung der Bevölkerung, eine Haltung des Willkommens, der Offenheit und der gegenseitigen Hilfe anzunehmen.

Gut ausgebildete Vernetzer/innen+
Konkret setzt jede Gemeinde eine Kommission ein, ernennt eine Projektkoordinatorin oder einen Projektkoordinator und stützt sich auf ein Netzwerk von freiwilligen «Vernetzerinnen+ und Vernetzern+» – gewöhnliche Einwohnerinnen und Einwohner oder Personen, die sich bereits im Vereinswesen engagieren. Die Vernetzerinnen+ und Vernetzer+ erhalten eine Ausbildung vom Bildungszentrum «L’êtrier», die an die Ziele jeder Gemeinde angepasst werden kann, aber auf einer gemeinsamen Grundlage beruht. Diese Grundlage legt den Schwerpunkt auf zwischenmenschliche Beziehungen, auf Grundhaltungen, auf das Zusammenleben und die Entwicklung gemeinsamer Projekte, auf Konfliktmanagement und Sitzungsleitung, auf die Kenntnis des sozialen Umfelds sowie auf die Integration und die kulturelle Vielfalt.

Einwohnerinnen und Einwohner mit vielen Rollen
Die Vernetzerinnen+ und Vernetzer+ nehmen bei ihrer Arbeit im Alltag je nach Umständen und Projekten verschiedene Rollen ein: Vermittlerin bei den Behörden, Organisator, Wegbereiterin, Koordinator usw. Beispielsweise wurden diesen Frühling, nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie rasch Aktionen zur Unterstützung der gefährdeten Bevölkerungsgruppen umgesetzt. Unter solchen Umständen ist es für die Gemeinden und die Bevölkerung besonders wertvoll, sich auf ein grosses Netz von Vernetzerinnen+ und Vernetzern+ (550 ausgebildete Vernetzer/innen+ in acht Gemeinden) stützen zu können.

Im Lauf der Jahre wuchs und entwickelte sich das Programm «Gemeinsam in der Gemeinde» mit den Bedürfnissen seiner Akteurinnen und Akteure und es wird sich auch in Zukunft nach ihren Prioritäten richten. So ist Freiburg beispielsweise dazu übergegangen, die Vernetzerinnen+ und Vernetzer+ in den Quartieren auszubilden. Auch die Zusammenschlüsse von Gemeinden, die zunehmen dürften, stellen die Behörden und die Bevölkerung vor neue Herausforderungen wie den Erhalt des gesellschaftlichen Zusammenhalts, zu dem das Programm «Gemeinsam in der Gemeinde» beitragen kann.