Freiburger Hefte für Archäologie 2019

27. April 2020 -14h43

In Zeiten tiefgreifender Veränderungen – seien sie konjunktureller, struktureller, klimatischer oder aktuell auch gesundheitlicher Art, werden von der gesamten Gesellschaft besondere Anstrengungen zu Anpassung abverlangt. Mit einem ständigen Blick in den Rückspiegel ermittelt das Amt für Archäologie die besten Vorgehensweisen, um diese Anforderungen zu erfüllen. Die verschiedenen Tätigkeitsfelder, die zur Bewahrung des archäologischen Erbes beitragen, fügen sich in einem fortgesetzten Justierungsprozess immer besser in die sich schnell wandelnde Gesellschaft ein. Mit der Ausgabe 2019 legen die Freiburger Hefte für Archäologie die Resultate dieser Integration vor: vielseitig, engagiert, präzise, adäquat und effizient; die Interventionen, Auswertungen und Valorisierungsprojekte unserer Archäologen/-loginnen und technischen Mitarbeiter werden mit der Öffentlichkeit geteilt.

Freiburger Hefte für Archäologie 2019
Freiburger Hefte für Archäologie 2019 © Alle Rechte vorbehalten

Das archäologische Erbe verdankt seine Bewahrung der Kenntnis und Wertschätzung der Böden, die wahre Schmuckkästen darstellen, in welchen Relikte seit Jahrhunderten, wenn nicht sogar Jahrtausenden, ihren Dornröschenschlaf halten. Diese Böden sind unterschiedlicher Natur und ihre gegenwärtige Nutzung (Landwirtschaft, Wald, Wohnzone, Infrastruktur, usw.) hat sehr direkte Auswirkungen auf das weitere Schicksal der archäologischen Hinterlassenschaft, die sie bergen. Im Jahre 2018 ist das Amt für Archäologie des Kantons Freiburg in 466 Fällen eingeschritten. Während dieser Interventionen konnte es die Anordnungen baulicher Strukturen dokumentieren, zahlreiche Fundgegenstände bergen, Proben für Datierungen und andere Analysen entnehmen und – was entscheidend ist – auch Beobachtungen zur Beschaffenheit der Böden anstellen; egal, ob diese nun archäologische Überreste einschlossen oder nicht. Die Auswertung all dieser gesammelten Informationen führt schliesslich zu einem besseren Verständnis der Verhaltens- und Handlungsweisen unserer Vorfahren zu verschiedenen Zeiten, worin letztendlich das Ziel der Archäologie besteht. Eine solche Auswertung erlaubt aber auch, das noch im schützenden Boden verborgene Kulturerbe des Kantons besser zu verwalten.

Die Vielfalt des archäologischen Erbes im Kanton Freiburg ist inzwischen unbestritten und auch die diesjährige Ausgabe der Freiburger Hefte zeugt davon. In Gletterens (Broye) sind Unterschiede in der vor 5000 Jahre praktizierten Jagd- und Viehwirtschaft zwischen der West- und der Ostschweiz festzustellen. In Estavayer-le-Gibloux barg eine Grube einen unerwarteten Inhalt, der die Vorliebe der gallorömischen Bevölkerung für Festmähler in Erinnerung ruft. Die nach heutigen Kriterien erfolgte Neuaufnahme der bereits vor längerer Zeit entdeckten Münzhortfunde von Montet (Glanebezirk) und Barberêche (Seebezirk) beleuchtet den Geldumlauf des 17. Jahrhunderts in unserer Gegend.

Das Amt für Archäologie ist stets darum bemüht, das bestmögliche Gleichgewicht zwischen Massnahmen zur Bewahrung des archäologischen Erbes und ökonomischer Entwicklung zu finden. Auch wenn die Zielsetzungen auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten, so zeigt sich seit einigen Jahren, dass sich durch eine vorausschauende Planung, eine transparente Koordination und eine zielbewusste Strategie im Vorfeld der Bauarbeiten beide Interessen in Einklang bringen lassen. Die archäologischen Untersuchungen, die der Ausdehnung einer Gewerbezone in Rossens (Saanebezirk) vorausgingen, stellen ein Musterbeispiel für ein solches Zusammenspiel dar. Unterschiedlichste Hinterlassenschaften widerspiegeln die mehrere Jahrhunderte währende menschliche Nutzung des Areals: Siedlungsspuren aus der Mittelbronzezeit, zwei Brandgräber aus der frühen Spätbronzezeit mit steinernen Randeinfassungen sowie reichem Beigabengut aus Keramik und Buntmetall, ein Kremationsgrab aus der Eisenzeit, das einen goldenen Ring barg, und schliesslich eine reich verzierte Bronzefibel aus der Jüngeren Eisenzeit. Dank der Arbeit der Kantonsarchäologie, die ihren Auftrag im Gleichschritt mit der wirtschaftlichen Entwicklung erfüllt, kann dieses aussergewöhnliche Ensemble heute im Detail vorgestellt werden.

Das grosse Engagement des Personals der kantonalen Archäologie ist durch das ganze Heft hindurch spürbar, sei es durch die Fotos, auf denen kleine, in orange Gilets gekleidete Einsatztruppen bei Wind und Wetter ihre Arbeit verrichten, durch die Qualität der gemachten Beobachtungen oder durch die Exaktheit der angefertigten Zeichnungen und Pläne. Die für jede archäologische Untersuchung erstellte und archivierte Dokumentation stellt zugleich eine Garantie für zukünftige Generationen dar, die Vergangenheit aus ihren eigenen Blickwinkeln zu erforschen. Unter der Rubrik «Kalender 2019» werden der Leserschaft der Freiburger Hefte für Archäologie zudem einige archäologische Highlights des letzten Jahres präsentiert. Ein zusammenfassender Jahresbericht des Sektors Archäologie und Territorium sowie sechs leicht lesbare Kurzberichte, die erste Einblicke in jüngst gemachte archäologische Entdeckungen gewähren, runden die Publikation ab.

Abgesehen von 500 Druckexemplaren steht der diesjährige Band der Freiburger Hefte für Archäologie auf der Webseite des Amtes für Archäologie des Kantons Freiburg (https://www.fr.ch/sommaire/publications-archeologiques?page=2#detail) ab sofort auch als Download zur Verfügung. Die digitale Version wird baldmöglichst auch auf der Plattform E‑Periodica (e-periodica.ch) aufgeschaltet, die bereits Zugang zu den zwanzig früheren Ausgaben der Zeitschrift bietet. Leser, die das Gedruckte dem Bildschirm vorziehen, können selbstverständlich weiterhin eine Printversion der neuen Ausgabe beim Amt für Archäologie beziehen. Aufgrund der neuen praktischen Bindung sowie der angenehmen Haptik hochwertigen Papiers werden sie an der Lektüre der Freiburger Hefte für Archäologie noch mehr Vergnügen finden.

Die gesamte Mitarbeiterschaft des Amtes für Archäologie des Kantons Freiburg freut sich, Sie mit dem neuen Heft auf Erkundungstour in die Vergangenheit unseres Kantons mitzunehmen. Sie wird sich auch weiterhin täglich dafür einsetzen, dass die nicht erneuerbare Ressource archäologischer Hinterlassenschaften nicht verschwendet, sondern erhalten und mit allen zur Verfügung stehenden Kompetenzen und Mitteln zur Geltung gebracht wird.