Digitalisierung an der obligatorischen Schule: Ja, aber massvoll

21. Februar 2020 -08h57

Der Staatsrat möchte nicht alle Schülerinnen und Schüler der Orientierungsschule (OS) mit einem persönlichen Computer oder Tablett ausstatten. So lässt sich die Antwort zusammenfassen, die er auf die Motion der Grossräte Urs Perler und Daniel Bürdel gibt. Diese haben in ihrer Motion verlangt, dass in sämtlichen OS des Kantons ein «1:1»-Ausrüstungsmodell eingeführt wird, also alle Schülerinnen und Schüler mit einem persönlichen IT-Gerät ausgestattet werden. Auch wenn der Lehrplan 21 in den deutschsprachigen Schulen zu Beginn des Schuljahres 2019/20 eingeführt wurde und Medien und Informatik bereits als Fach integriert ist, kann der Westschweizer Lehrplan «Plan d’études romand ‒ PER Numérique» in den französischsprachigen Schulen nicht vor Beginn des Schuljahres 2023/24 implementiert werden. Er wird derzeit unter der Leitung der Interkantonalen Erziehungsdirektorenkonferenz der französischen Schweiz und des Tessins (CIIP) erarbeitet

foto von laptop und tablet
Laptop und Tablet © Alle Rechte vorbehalten

Der Einsatz von digitalen Anwendungen im Unterricht wirft viele Fragen darüber auf, wie sich die Schule weiterentwickeln kann oder sollte. Die Schule kann sich nicht vor den technologischen Entwicklungen ihrer Zeit verschliessen, will aber dabei offen und kritisch bleiben: So überlegt sie seit mehreren Jahren, wie diese technologischen Neuerungen in den Unterricht integriert werden können, und zwar sowohl an den obligatorischen Schulen wie auch an den weiterführenden Schulen.

Obligatorischer Unterricht

Die fächerübergreifende Integration und Anwendung von Medien und Informatik ist bereits in beiden geltenden Lehrplänen im Kanton vorgesehen und ermöglicht es, die digitalen Hilfsmittel in der Schule täglich pädagogisch einzusetzen. Seitdem der Lehrplan 21 zu Beginn des laufenden Schuljahres in Kraft getreten ist, haben die deutschsprachigen Schülerinnen und Schüler der 7H, 8H und 9H eine Lektion Informatikunterricht. Auf Seite des französischsprachigen Kantonsteils wird der Westschweizer Lehrplan (PER) derzeit überarbeitet. So hat die CIIP Vorbereitungen für einen digitalen PER aufgenommen, der zu Beginn des Jahres 2021 verabschiedet und im Kanton Freiburg im Jahr 2023 oder 2024 eingeführt werden sollte.

Darüber hinaus wurde mit der Erarbeitung eines kantonalen Infrastrukturkonzepts für die Digitalisierung an der obligatorischen Schule begonnen. Diese Arbeiten sollen dazu dienen, den tatsächlichen Bedarf an Computerausrüstung für jede Bildungsstufe im Einklang mit den pädagogischen Zielen der Lehrpläne zu ermitteln. Zudem wird in diesem Konzept auch der Weiterbildungsbedarf für das Lehrpersonal festgelegt.

Achtung: Nicht alles fällt unter den Begriff BYOD/AVEC

Die Fragen, die von den Grossräten Urs Perler und Daniel Bürdel aufgeworfen werden, betreffen die obligatorische Schule und dürfen nicht mit dem Konzept BYOD/AVEC verwechselt werden. 

Das Konzept BYOD/AVEC wurde für Schülerinnen und Schüler entwickelt, die sich entschieden haben, nach der obligatorischen Schule ihre Ausbildung am Gymnasium, an der Handelsmittel­schule oder der Fachmittelschule fortzusetzen. Mit diesem Projekt wird den Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schülern ein zusätzliches Instrument zur Verfügung gestellt, dass es den Lernen­den erlaubt, sich mit dem vertraut zu machen, was für die meisten von ihnen heute bereits ein tägliches Arbeitsinstrument ist. Das Beherrschen der Grundfunktionen eines Computers und der Zugang zu sinnvollen pädagogischen Ressourcen, wie es die Schule mit dem Konzept BYOD/AVEC anstrebt, hat wenig mit der intuitiven Nutzung von Anwendungen zu tun, die es den Jugendlichen ermöglichen, über die sozialen Netzwerke stundenlang miteinander zu kommunizieren.

Eine der Aufgaben der nachobligatorischen Bildung besteht darin, die Schülerinnen und Schüler so gut wie möglich auf die realen Gegebenheiten der Berufswelt oder auf die Hochschulbildung vorzubereiten. Dazu wird sie aber nicht in der Lage sein, wenn sie die neuen Technologien nicht in ihren Unterricht integrieren kann. Für die Berufsbildung im Kanton Freiburg ist dies bereits Realität, ohne dass es dagegen Widerstand gab.