Am Ende der Erfassung wurden 212 audiovisuelle Bestände lokalisiert, die Millionen von Trägern umfassen: 15,5 Millionen analoge und digitale Fotografien, über 6000 Filme, rund 30’000 Videos und mehr als 300'000 Tondokumente. Die am häufigsten vertretenen Themen sind das Alltagsleben, Feste, Porträts und die Kunst in all ihren Formen — ein eindrucksvolles Panorama des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens im Kanton Freiburg über mehr als ein Jahrhundert.
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Die Bestandsaufnahme hat jedoch besorgniserregende Lücken aufgedeckt. Bei der grossen Mehrheit der Bestände haben weniger als 20 % der Dokumente eine archivische Erschliessung erfahren, und ein erheblicher Teil wurde noch nie digitalisiert. Privatpersonen, die einen wesentlichen Teil der Bestandshalter ausmachen, lagern ihre Archive häufig unter ungeeigneten Bedingungen — in überhitzten Dachböden, feuchten Kellern oder auf USB-Sticks mit begrenzter Lebensdauer — ohne über die nötigen Kenntnisse oder Mittel zu verfügen, um Abhilfe zu schaffen.
Die KUB lädt alle Personen, die möglicherweise audiovisuelle Archive besitzen, ein, mit ihrer Abteilung Kulturerbe Kontakt aufzunehmen.
Bemerkenswerte Freiburger Besonderheiten
Der Kanton zeichnet sich auf nationaler Ebene durch mehrere Eigenheiten aus. Seine zahlreichen Patrizierfamilien bewahren aussergewöhnliche Sammlungen, wie die 500 Glasplatten der Fondation Marcello auf Schloss Affry in Givisiez oder die annotierten Alben der Familie de Diesbach Belleroche. Die Ordensgemeinschaften — darunter die Vinzentinerinnen (Filles de la Charité de Saint-Vincent de Paul) und die Ingebohler Schwestern — besitzen ihrerseits ungeahnte Archive, die sowohl lokale als auch internationale Aktivitäten dokumentieren. Schliesslich hat der Reichtum der Freiburger Musikgesellschaften dazu geführt, in den Fragebogen eine spezifische Frage zur Aufbewahrung von Partituren ufzunehmen, die wertvolle Verbindungen zwischen Ton- und Schriftgut aufdeckte.
Die Anzahl der im ganzen Kanton verschickten Fragebögen, die sich an Gemeinden, Vereine, Ordensgemeinschaften, Patrizierfamilien und Privatpersonen richteten. Eine in der Schweiz einmalige Kampagne.
Die Anzahl der lokalisierten und erfassten audiovisuellen Bestände, die bisher unbekannte Sammlungen an manchmal unerwarteten Orten wie Dachböden, Schlössern oder Klöstern zum Vorschein brachten.
Die geschätzte Anzahl der in den Beständen identifizierten Fototräger, davon über 7,3 Millionen digitale Fotografien. Zudem wurden über 6000 Filme, rund 30’000 Videos und mehr als 300'000 Tondokumente entdeckt - ein Zeugnis des ausserordentlichen Reichtums des Freiburger Kulturerbes.
Der Anteil der Dokumente, die in der Mehrheit der erfassten Bestände einer archivistischen Erschliessung unterzogen wurden — eine Zahl, die die Dringlichkeit des Handelns zur Rettung dieser Sammlungen verdeutlicht.
Dringender Handlungsbedarf und eine zu entwickelnde Strategie
Die Ergebnisse sind nun Kartografierungsplattform von Memoriav (https://memobase.ch/de/canton/fribourg ) zugänglich. Sie bilden die Grundlage, auf der die KUB und ihre institutionellen Partner eine kantonale Strategie zur Bestandserhaltung entwickeln wollen. Diese Strategie muss insbesondere dringende technische Herausforderungen angehen, wie die Behandlung von Cellulosenitrat-Negativen — die hochentzündlich sind — oder von Filmen, die vom Essigsyndrom befallen sind und bereits in mehreren privaten Beständen festgestellt wurden.
Die KUB lädt alle Personen, die möglicherweise audiovisuelle Archive besitzen, ein, mit ihrer Abteilung Kulturerbe Kontakt aufzunehmen. Diese Bestandsaufnahme hat es eindrücklich gezeigt: Die verborgenen Schätze des Kantons Freiburg sind noch zahlreich.
Einige markante Beispiele
Radio Unimix
Der zweisprachige Radiosender der Universität Freiburg, 1995 gegründet, bewahrt mehrere Hundert Magnetbänder, gebrannte CDs, Kassetten und Minidiscs sowie zahlreiche digitale Aufnahmen auf. Seine Sendungen sind auch als Podcast auf Soundcloud verfügbar.
Familie Blancpain
Die ehemaligen Direktoren der Brauerei Cardinal haben über 200 Super-8-Filme gedreht, die das Familienleben und die Freiburger Voralpenlandschaft dokumentieren. Der Bestand umfasst auch rund hundert stereoskopische Glasplatten und Negative aus den 1910er Jahren. Er wurde im Mai 2024 durch eine Schenkung der Familie Blancpain von der KUB erworben.
Vinzentinerinnen (Filles de la Charité de Saint-Vincent de Paul).
Diese Ordensgemeinschaft bewahrt zahlreiche Alben, die ihre Aktivitäten im Kanton und im Ausland dokumentieren, Interviews auf CD sowie die Musikwerke von Schwester Chantal Déthurens, einer Komponistin, die unter dem Pseudonym «Claude Léman» signierte.
Paul Rime
Als Amateurfotograf und Aktionär der Bergbahnen von Charmey in den 1960er Jahren hat Paul Rime einen bemerkenswerten Bestand zusammengestellt: 2000 Abzüge, 3500 Negative, 600 Dias, rund fünfzig Super-8-Filme und einige VHS-Kassetten. Alles wurde vom Autor vor seinem Tod sorgfältig geordnet und beschriftet.
Robert Wohlfender
Der Greyerzer Zahntechniker und Amateurfilmer Robert Wohlfender hat 27 Super-8- und Double-8-Filme gedreht, die das Leben im Greyerzerland dokumentieren — Kirmessen, Musikfeste, Poyas. Sein Bestand ergänzt denjenigen seines Bruders Jean, Gründer des Amateurfilmerclubs von Bulle, der bereits auf der Plattform https://fri-memoria.bcu-fribourg.ch/index.php/archnumfr-478 verzeichnet ist.
Patrizierfamilien
Die Freiburger Herrenhäuser bergen aussergewöhnliche audiovisuelle Schätze: 500 Glasplatten der Fondation Marcello in Givisiez, Alben und Filme der Familie de Reyff, die Reisen und frühere Besitztümer dokumentieren, sowie die bedeutende Sammlung fotografischer Ansichtskarten der Familie de Diesbach Belleroche.