Das Publikum bleibt dem Museum trotz Veränderungen treu
Beim Spaziergang durch die Zeughausstrasse in Freiburg ist es nicht zu übersehen: Die Um- und Ausbauarbeiten am alten Zeughaus, dem künftigen Zuhause des Naturhistorischen Museums, sind in vollem Gang. Zwar wird das neue Museum nicht vor Ende 2028 eröffnet, doch der bevorstehende Umzug macht sich am aktuellen Standort schon jetzt bemerkbar. So sind nach den hintersten Sälen der Dauerausstellung seit November 2025 auch die Vogeldioramen geschlossen. Obwohl die Ausstellungsfläche also immer kleiner wird, hält das Publikum dem Museum die Treue: 57 285 Personen besuchten 2025 seine Ausstellungen und Veranstaltungen, fast so viele wie im Vorjahr (60 026). Darunter befanden sich fast 7000 Schülerinnen und Schüler, von denen knapp die Hälfte mit ihrer Schulklasse einen vom Kulturvermittlungsteam des Museums geleiteten Workshop besuchte. Die 40. Ausgabe der Küken-Ausstellung lockte im Frühling wie gewohnt viele Besucherinnen und Besucher an. Zwei weitere Sonderausstellungen wurden im Verlauf des Jahres eröffnet: «Herbargeschichten – #7 Biodiversität Freiburg» und «Spuren – Fährten, Frass und Federn»; beide sind noch bis zum 22. Februar 2026 zu sehen.
Künstlerische Ansätze und mehr Barrierefreiheit
Mit der Ausstellung «Herbargeschichten» geht die 2019 lancierte Ausstellungsreihe zur Biodiversität im Kanton Freiburg zu Ende. Wie schon bei früheren Projekten holte das Museum Kunstschaffende an Bord, um einen neuen Blick auf naturwissenschaftliche Themen zu eröffnen: Der Freiburger Fotograf Etienne Francey bereicherte die Ausstellung mit grossformatigen Bildern, und das Duo Robi Voigt und Tobias Wursthorn schuf mithilfe von künstlicher Intelligenz eine immersive Video- und Audioinstallation auf der Basis der Herbare des Museums.
Die Ausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn» hat das Naturhistorische Museum Freiburg vom Naturmuseum Solothurn übernommen und den Bedürfnissen des Freiburger Publikums angepasst. Sie ist nicht nur komplett zweisprachig, sondern bietet auch Texte in Leichter Sprache an – eine neue Erfahrung für das Museum, das dadurch die Barrierefreiheit seines Angebots verbessert.
Das Museum verlässt seine Mauern
Um den vorübergehenden Abbau seines Angebots zu kompensieren, entwickelt das Museum neue Aktivitäten ausserhalb seiner Mauern. 2025 hat es dafür mit verschiedenen Partnern zusammengearbeitet, namentlich für die Eröffnung der Hütte der Fledermaus im Moncorwald in Villars-sur-Glâne, für die «48 Stunden rund um die Biodiversität» am Murtensee und für Aktivitäten zum Film Mary Anning, Fossilienjägerin. Zu den wichtigsten Partnern zählen die Revierkörperschaft Forêts-Sarine, das Amt für Wald und Natur, die Société Fribourgeoise d’Entomolgie oder das Kino Korso in Freiburg.
Zudem hat das Naturhistorische Museum Freiburg die Strategie für naturhistorische Sammlungen in der Schweiz, die 37 Museen und andere Institutionen vereint, mitentwickelt. Teil davon ist die im November aufgeschaltete Online-Plattform swissnatcoll.ch , welche naturwissenschaftliche Sammlungsdaten für Publikum und Wissenschaft zugänglich macht.
Das neue Museum nimmt Gestalt an
Parallel zu alldem war und ist das Team des Museums intensiv mit dem neuen Museum beschäftigt. Die Arbeiten für den Umbau des alten Zeughauses laufen seit Herbst 2023. 2025 wurden wichtige Betonarbeiten beendet, und die Aufstockung des Gebäudes hat begonnen. Im Sommer 2026 soll der Rohbau beendet sein.
Auch die Entwicklung der neuen Dauerausstellung geht voran: Drei Szenografieteams, die 2025 in einem Wettbewerbsverfahren ausgewählt wurden, gestalten die vier Ausstellungssäle in enger Zusammenarbeit mit dem Museumsteam. Eingerichtet wird die Dauerausstellung in den Jahren 2027–2028, nach Abschluss des Innenausbaus und parallel zum Umzug. Die Eröffnung des neuen Museums für das Publikum ist für Ende 2028 geplant.
«Bis bald Baleine!»: Ein Abschiedsfest für den Wal
Der grosse Höhepunkt des Jahres 2026 ist der Umzug des berühmten Walpräparats ins neue Gebäude, der bereits diesen Sommer stattfindet. Verlassen wird der Wal das Museum durch ein Loch in der Fassade. Für die Vorbereitung des aufwendigen Transports wird der Saal des Wals und der Wirbeltiere aus aller Welt Anfang März 2026 definitiv geschlossen. Am 28. Februar gibt es darum unter dem Motto «Bis bald Baleine!» ein grosses Abschiedsfest in Form eines historischen Jahrmarkts, mit Spielen, Ständen, Animationen, Musik und vielen Überraschungen. Der Wal steht ebenfalls im Mittelpunkt eines Kreativwettbewerbs, für den sich nicht weniger als 99 Einzelpersonen und Personengruppen sowie 30 Schulklassen angemeldet haben. Alle eingereichten Werke werden vom 13. Juni bis zum 25. Oktober 2026 in einer Sonderausstellung zu sehen sein.
Die erste Sonderausstellung des Jahres gehört aber wie gewohnt den anderen Publikumslieblingen des Museums, den Küken: Die 41. Ausgabe der Küken-Ausstellung findet vom 14. März bis zum 19. April statt und widmet sich den Superkräften der Küken und vieler anderer Tiere.