Die historischen Grenzzeichen des Kantons neu auf dem Geoportal des Staates

9. Januar 2019 -16h40

Neu können die Punktprotokolle der kantonalen Hoheitsgrenzsteine von historischer Bedeutung in den Online-Karten konsultiert werden. Diese alten Grenzzeichen sind aus kultur- und kunsthistorischer Sicht sehr wertvolle Objekte. Jedoch sind sie leider auch sehr gefährdet durch Vermarkungsarbeiten, landwirtschaftliche Bewirtschaftung, Bauarbeiten und auch durch Antiquitätensammler. Mit der Publizierung dieser Punktprotokolle sollen diese einzigartigen «Kulturgüter» in den Fokus gerückt werden.

Historische Hoheitsgrenzsteine / St-Martin, Oron
Historische Hoheitsgrenzsteine / St-Martin, Oron © Tous droits réservés

Der bernische Grosse Rat hat im Februar 1989 eine Motion zum Schutz seiner Kantonsgrenzsteine beschlossen. In der Folge hat das Amt für Geoinformation des Kantons Bern unter Mithilfe der SAC Sektion Huttwil die gesamte Berner Hoheitsgrenze inventarisiert. Unter der Leitung von Kantonsgeometer Remo Durisch hat das freiburgische Amt für Vermessung und Geomatik diese Idee aufgenommen und das Inventar mit Hilfe des Geografen Jean-Pierre Anderegg mit den Hoheitsgrenzsteinen zwischen den Kantonen Waadt und Freiburg ergänzt.

Ein historischer Rückblick auf die Grenzverhältnisse zeigt, dass der Kanton Freiburg ab 1536/1555 (Eroberung der Waadt bzw. Kauf der Grafschaft Greyerz) inmitten des alten bernischen Staatsgebietes lag, und dies bis 1798 (Gründung der Helvetischen Republik). Der Kanton Waadt entstand schliesslich 1803. Die Veränderung der Hoheitsgebiete widerspiegelt sich auch in den bis heute erhaltenen Kantonsgrenzsteinen, die in Einzelfällen bis auf das 16. Jahrhundert zurückgehen.

Die Punktprotokolle der Westgrenze enthalten je 2-4 Fotos, die Koordinaten-Position, die Masse, das Steinmaterial, Form und Zustand sowie die eingetragenen Zeichen (meist mit Datum, damaliger Steinnummer und der Kantonsbezeichnung mit Buchstaben und Wappen). Die Steine aus dem Ancien Régime tragen oft ein abgekratztes bzw. überschriebenes Berner Wappen (RH = République Helvétique und V = Vaud). Im Gegensatz dazu widerspiegelt die durch die Jahrhunderte kaum veränderte Freiburger Seite die hiesige territoriale Stabilität.

Die von 2016 bis 2018 durchgeführte Bestandesaufnahme auf der 300 Kilometer langen Grenze zwischen den Kantonen Freiburg und Waadt umfasst 406 in situ erhaltene historische Kantonsgrenzsteine. Im Vergleich zum interkantonalen Grenz-Verbal von 1855 ist ein Verlust von über 1000 Objekten festzustellen, denn vor 150 Jahren waren es noch 1483 Grenzsteine bzw. Grenzmarken. Umso dringender erscheint heute der Schutz der noch bestehenden Kulturgüter.

Auf der Ostgrenze des Kantons Freiburg gibt es noch 344 Grenzsteine. Das Amt für Geoinformation des Kantons Bern nimmt diese seit 1989 mit der gleichen Methode für beide Kantone auf und führt sie nach.

Alle Punktprotolle der Hoheitsgrenzsteine von historischer Bedeutung zwischen den Kantonen Freiburg und Bern, sowie zwischen Freiburg und der Waadt können in den Online-Karten des Kantons Freiburg unter dem Themenbereich «Denkmalpflege» (Historische Grenzzeichen) eingesehen werden (https://map.geo.fr.ch/?dataTheme=Patrimoine).

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