Der Wal des Naturhistorischen Museums Freiburg ist ein junger Seiwal, der 1852 in Le Havre in der Normandie strandete. Der Kadaver wurde mithilfe einer experimentellen Methode einbalsamiert, die der Apotheker und Forscher Jean-Nicolas Gannal für die Erhaltung menschlicher Leichname entwickelt hatte. Für die Herstellung des Tierpräparats wurde die Haut auf ein Holzgerüst gespannt.
Noch im gleichen Jahr beginnt das zweite Leben des Wals als Publikumsattraktion: Auf einem von Pferden gezogenen Wagen reist er zunächst durch Frankreich, später quer durch Europa. Während fast dreissig Jahren gastiert er in zahlreichen Städten in mindestens acht Ländern. Dabei kommt er auch mehrmals in die Schweiz und nach Freiburg.
Bei seinem dritten Aufenthalt in Freiburg, aus Anlass des Eidgenössischen Schützenfestes 1881, macht sein Besitzer Konkurs, flieht vor seinen Gläubigern und lässt den Wal mitsamt einer Sammlung von anderen maritimen Objekten zurück. Der Staat Freiburg kauft diese Sammlung 1882 für insgesamt 2000 Franken und vertraut sie dem Naturhistorischen Museum an. Zu dem Bestand gehören nebst dem Walpräparat unter anderem auch das Skelett eines Pottwals, ein präparierter Delfin und präparierte Haie, Kiefer von Meerestieren und Geräte für den Walfang.
Die spektakulären Objekte werden zunächst in der «Halle der Meeresfauna» («Salle de la Faune maritime») auf einem Platz beim Kollegium St. Michael ausgestellt. 1897 bezieht das Museum und mit ihm der Wal seine heutigen Räumlichkeiten auf der Pérolles-Ebene. Der Wal wird dabei durch ein Loch in der Mauer ins Gebäude gehievt. Auf dem gleichen Weg wird er das Haus im Sommer 2026 wieder verlassen, um im neuen Museum auf dessen Eröffnung zu warten – und auf das Wiedersehen mit dem Publikum!