Warum muss der Wal restauriert werden?
Angesichts seines Alters und seiner abenteuerlichen Geschichte, bevor er nach Freiburg gelangte, befindet sich der Wal in einem bemerkenswert guten konservatorischen Zustand. Indessen kaschierte die Szenografie, in der er bis vor Kurzem im Museum ausgestellt war, gewisse Schäden. Im Gegensatz dazu wird der Wal im künftigen Museum aus allen Richtungen und in einer natürlicheren Beleuchtung zu sehen sein. Er wird so besser denn je zur Geltung gebracht, wobei auch seine kleinen Schönheitsfehler sichtbar werden.
Abgesehen von rein ästhetischen Gesichtspunkten, geht es bei der Restaurierung vor allem um den materiellen Erhalt. Einige der Schäden, sowohl aktiver als auch passiver Natur, machen entsprechende Eingriffe notwendig. Der bevorstehende Umzug in das neue Museum bietet dazu die perfekte Gelegenheit.
Eine besondere Herausforderung bei der Restaurierung besteht darin, dass das Präparat in seiner Geschichte mehrmals übermalen wurde. Für die komplexe Aufgabe, die sehr spezifisches Fachwissen erfordert, hat das Museum darum mit Anouk Gehrig Jaggi und Alice Gauthier zwei Restauratorinnen beauftragt, die auf die Konservierung und Restaurierung von Gemälden spezialisiert sind und Erfahrungen im Museumsbereich haben.
Die ersten Etappen der Restaurierung
Die Restaurierung des Wals erfolgt in mehreren Phasen. Zunächst wurde der Ist-Zustand gründlich untersucht und es wurden verschiedene Analysen gemacht: Die verwendeten Materialien wurden identifiziert, Schäden erfasst und Tests durchgeführt, um die am besten geeigneten Methoden festzulegen.
Anschliessend wurde der Staub auf der Oberfläche entfernt, vor allem auf dem Rücken und im Maul des Wals. Dabei entschied man sich für eine Feuchtreinigung, um die Verbreitung von Partikeln zu verhindern. Nach dieser Reinigung widmeten sich die Restauratorinnen den verschiedenen Schäden, wobei zwischen oberflächlichen und strukturellen Schäden zu unterscheiden ist.
Oberflächliche Schäden
Die oberflächlichen Schäden betrafen in erster Linie die Farbschichten, die sich speziell auf dem unteren Teil des Wals befinden. Diese Farben wurden vermutlich aufgetragen, um der natürlichen Färbung des lebenden Tiers möglichst nahe zu kommen, oder aber um die Spuren des Fetts zu kaschieren, das natürlicherweise in der Haut von Walen enthalten ist. Diese Fettstoffe wandern mit der Zeit an die Oberfläche, die dadurch klebrig und unschön wird.
Durch den Kontakt des Fetts mit metallhaltigen Pigmenten kam es im Weiteren zu einer chemischen Reaktion, und es bildeten sich sogenannte Metallseifen. Diese sammelten sich unter der Farbschicht an und führten dazu, dass sich Farbplättchen allmählich lösten und abblätterten. Um diese Schäden zu beheben, entfernten die Restauratorinnen mithilfe von mit Lösungsmittel getränkten Kompressen das Fett von der Oberfläche und fixierten dann die losen Farbschuppen mit Heizkolben.
Auf der klebrigen Oberfläche waren ebenfalls Sandkörner zurückgeblieben, Überbleibsel eines Dioramas, in dem der Wal in den Fünfzigerjahren in einem Stranddekor ausgestellt gewesen war. Auch diese Sandrückstände wurden entfernt, ohne die darunterliegende Farbschicht zu beschädigen.
Strukturelle Schäden
Einige lokal begrenzte Stellen wiesen zudem strukturelle Schäden auf, insbesondere die Schwanzflosse. Diese hatte eine grosse Bruchstelle, die auf einen Zusammenstoss oder auf anhaltende mechanische Belastungen zurückzuführen sein dürfte. Bei einer früheren Restaurierung hatte man versucht, die Stelle mit Heisskleber und silikonhaltigem Füllmaterial zu reparieren – mit begrenztem Erfolg, da diese Materialien nicht dauerhaft stabil sind. Für den bevorstehenden Transport des Wals ebenso wie für die Präsentation in der künftigen Dauerausstellung war es unerlässlich, die Stabilität der Flosse wiederherzustellen. Die beim letzten Eingriff verwendeten Materialien wurden dabei entfernt und durch zweckmässigere und dauerhaftere ersetzt.
Das Objekt und der Mensch
Das Freiburger Walpräparat ist damit ein schönes Beispiel dafür, dass kulturhistorische Objekte nicht unveränderlich sind. Jeder Schaden und jede Spur früherer Eingriffe zeugen nicht nur von der Geschichte eines Objekts, sondern auch davon, wie der Mensch das materielle Natur- und Kulturerbe wahrnimmt und schützt. So ermöglicht die Kombination von materiellen und historischen Untersuchungen ein besseres Verständnis des legendären Wals des Museums, der trotz seiner Beliebtheit bisher vergleichsweise wenig erforscht wurde.
Zusätzliche Analysen und Tests zum Innenleben des Objekts könnten weitere Geheimnisse des Wals lüften, etwa zur Frage, was sich genau in seinem Inneren befindet, oder zu den technischen und historischen Hintergründen der Innenkonstruktion. So ist aktuell etwa die Frage unbeanwortet, ob der Schädel des Wals im Inneren des Präparats erhalten ist.