«Unsere Konvois, die durchaus hübsch anzusehen waren, haben das Publikum sehr interessiert. Der Transport des Wals und des Pottwal-Skeletts bereitete die grössten Schwierigkeiten, verlief aber ohne Unfälle. Die grossen Tiere wurden über eine Rampe zu einem Fenster im ersten Stock gebracht, das vergrössert werden musste. Allein dieser Transport nahm drei Tage in Anspruch, und für die Arbeit im Pérolles brauchte es ein Dutzend Handlanger.»
So steht es in einem Bericht von Konservator Maurice Musy zum Umzug des Naturhistorischen Museums vom Lyzeum des Kollegiums St. Michael an den heutigen Standort im Pérolles-Quartier. Das war im Jahr 1897. Heute steht das Museumsteam vor den gleichen Herausforderungen wie seine Vorgänger vor fast 130 Jahren: Wie bekommt man ein 1650 Kilogramm schweres und 11 Meter langes Walpräparat aus dem einen Gebäude hinaus und in das andere hinein?
Die Antwort ist die gleiche wie damals: durch Löcher in den Mauern! Im Gegensatz zum ersten Umzug wird dieses Mal am aktuellen Standort allerdings nicht ein Fenster vergrössert, sondern im ehemaligen Saal der Wirbeltiere aus aller Welt ein Loch in die Nordfassade gemacht. Am künftigen Standort, im ehemaligen Zeughaus an der Zeughausstrasse, bleibt nach dem Abschluss des Rohbaus eine Maueröffnung im ersten Stock bestehen, die erst nach dem Umzug geschlossen wird.
Mit Kranwagen und Anhänger
Für die technische Planung des Umzugs musste das Walpräparat zunächst gewogen werden, denn sein genaues Gewicht war zuvor nicht bekannt gewesen. Die mit dem Transport betraute Firma DAN Transports aus Marly hat den Wal dazu auf ein Eisengestell gehoben, auf dem er an-schliessend für die Restaurierung und den Umzug verblieb.
Für den Transport wird das Gestell mit dem Wal auf Rollen zur Maueröffnung gebracht, durch die Öffnung auf eine Plattform ausserhalb des Gebäudes geschoben und von dort mit einem Kranwagen auf einen Anhänger geladen. Auf diesem wird der Wal, mit einer Plastikhülle bedeckt und mit Spanngurten fixiert, zum neuen Gebäude gefahren.
Dort angekommen, wird der Wal wiederum mit einem Kranwagen auf eine Plattform gehoben und von dort auf Rollen in das Gebäude hineingebracht, im ersten Stock, wo er dereinst seinen Platz in der Dauerausstellung finden wird. Dort wird er in einer Holzkiste auf Rollen gelagert, damit er geschützt ist und bei Bedarf für die Arbeiten vor Ort verschoben werden kann.
Auch der Schädel des Pottwal-Skeletts wird gezügelt
Nebst dem Seiwal-Präparat wird bei der gleichen Gelegenheit auch der Schädel des Pottwal-Skeletts ins künftige Museum transportiert, um die Maueröffnungen auch dafür zu nutzen. Dieser Transport ist jedoch weniger komplex, da das Objekt kleiner und weniger fragil ist.