Mitte der 1990er-Jahre sackten die Betonplatten der KUB unter dem Gewicht der Bücher ein. Zu diesem Zeitpunkt begann man, über eine Renovation und eine Erweiterung zu sprechen. Der Gewinner des Architekturwettbewerbs wurde 2010 gewählt, und das Projekt wurde 2018 in einer Volksabstimmung angenommen.
Vom Bau der Bibliothek im Jahr 1910 zeugen nur eine Handvoll Aufnahmen von Prosper Macherel. Vom Erweiterungsbau aus dem Jahr 1976 sind wenige Bilder überliefert… In 2019 erteilte die KUB Francesco Ragusa und Yves Eigenmann einen öffentlichen Auftrag: die fotografische Dokumentation dieser gigantischen Baustelle sicherzustellen. Schritt für Schritt richten die beiden Freiburger ihren humanistischen Blick auf den Arbeitsalltag der Arbeiter inmitten des beeindruckenden Lochs, das in die ehemaligen Lagerräume gegraben wurde, oder auf den Wald aus Stützbalken, die die brüchigen Mauern stützen. Auf jedem einzelnen Foto ist der Stolz in den Gesichtern zu erkennen.
Noch bevor die ersten Umzüge stattfanden, begannen die beiden Freiburger Fotografen mit ihrer dokumentarischen Arbeit. «Wir wollten die Benutzerinnen und Benutzer der KUB in dem Moment zeigen, als sich das Gebäude langsam leerte», erklärt Francesco Ragusa. «Ein Gebäude lebt nicht nur von seinen Mauern, sondern vor allem von den Menschen, die darin wohnen.»
Ich sagte ihnen, dass ich sie zur Erinnerung fotografiere. Dass auch sie zum Kulturerbe gehörten. Sie fühlten sich wertgeschätzt.
Francesco Ragusa
Ob mit ihrer schweren Kamera auf einem Stativ oder mit der Handkamera – sie dokumentieren die einzelnen Bauphasen, den berühmten leeren Umschlag aus den alten Magazine, die imposanten Stützen, den Schlamm, den Schrott und den Beton. Vor allem aber das Alltagsleben der Arbeiter. «Mein Vater war Arbeiter. Einige seiner Kollegen haben mich erkannt. Ob wir nun Sizilianer, Portugiesen oder Spanier sind – irgendetwas verbindet uns. Ich bin Sohn eines Immigranten, daher fiel es mir leichter, Kontakt aufzunehmen. Ich habe die Pause mit ihnen gebracht.
Wir unterhielten uns. Ich sagte ihnen, dass ich sie zur Erinnerung fotografiere. Dass auch sie zum Kulturerbe gehörten. Sie fühlten sich wertgeschätzt. Und sobald sie wieder bei der Arbeit waren, vergassen sie mich.»
Yves Eigenmann, der Mentor von Francesco Ragusa, war lange Zeit als Fotograf für das Amt für Kulturgüter tätig. Auf der Baustelle der KUB brachte er seine langjährige Erfahrung ein. «Während der Rohbauphase führten die Arbeiter inmitten der Schalungsplatten und der Beton-Armierungstahl eine Art Choreografie auf. Diese Baustelle war der reinste Wahnsinn. Es sah aus, als würden kleine Ameisen tief unten in diesem Loch arbeiten.»
Nach sieben Jahren Arbeit wird vom 1. September bis zum 31. Dezember 2026 in der KUB eine umfangreiche Auswahl an Fotografien von Francesco Ragusa und Yves Eigenmann ausgestellt. Diese Bilder sind auch auf der Plattform www.fri-memoria.ch zu sehen.
ÖffnungszeitenMo-Fr 8:00-22:00Sa 10:00-18:00