Die Europäische Landschaftskonvention von Florenz definiert die Landschaft als „ ein vom Menschen als solches wahrgenommenes Gebiet, dessen Charakter das Ergebnis des Wirkens und Zusammenwirkens natürlicher und/oder anthropogener Faktoren ist“. Sie festigt damit eine dynamische und evolutive Sichtweise der Landschaft, bei der es nicht darum geht, die Landschaft zu schützen, sondern auch sie zu pflegen und gestalten.

Aus diesem Sichtwinkel wird die Landschaft nicht darauf beschränkt, dass Natur- und Kulturwerte gechützt werden, sondern sie wird als ein vom Menschen gestaltetes und verändertes Umfeld betrachtet. Bei einigen Landschaften steht der Schutz vor der Nutzung (z.B. für die Objekte des Bundesinventars BLN), andere werden hingegen klar als vom Menschen bewohnte Landschaften berücksichtigt, die wichtige Elemente in der Lebensqualität der Bewohner darstellen und welche entsprechend gepflegt und gestaltet werden.

Sicht vom Schwarzsee auf den Breccaschlund
Sicht vom Schwarzsee auf den Breccaschlund © Tous droits réservés - ANL
Landschaft auf nationaler Ebene
Landschaftsstrategie des BAFU

"Landschaft umfasst den gesamten Raum - wie wir ihn wahrnehmen und erleben. Landschaften bilden räumlich die gelebte und erlebte Umwelt des Menschen, welche ihm als Individuum sowie der Gesellschaft die Erfüllung physischer und psychischer Bedürfnisse ermöglicht. Landschaften haben dabei als Ressource vielfältige Funktionen. Sie sind Wohn-, Arbeits-, Erholungs- und Identifikationsraum für den Menschen, Lebensraum für Tiere und Pflanzen, sowie räumlicher Ausdruck des kultu-rellen Erbes. Zudem leisten sie einen Beitrag zur Wertschöpfung. Landschaften sind dynamische Wirkungsgefüge und entwickeln sich aufgrund natürlicher Faktoren und durch die menschliche Nutzung und Gestaltung stetig weiter.“

Das kantonale Gesetz über den Natur- und Landschaftsschutz stützt sich ebenfalls auf diese funktionalen und evolutiven Sichtweise der Landschaft für das Inventar der schützenswerten Landschaften von kantonaler und lokaler Bedeutung und für den Schutz, die Verwaltung und Gestaltung durch die Instrumente der Raumplanung.

Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN)

Das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) bezeichnet die wertvollsten Landschaften der Schweiz. Es hat zum Ziel, die landschaftliche Vielfalt der Schweiz zu erhalten, und sorgt dafür, dass die charakteristischen Eigenarten dieser Landschaften bewahrt werden. Das BLN-Inventar dokumentiert und illustriert in umfassender Weise die grosse, räumlich sichtbare Vielfalt der natürlichen und kulturellen Landschaftswerte der Schweiz. Der sorgsame Umgang mit den Landschaften und Kulturdenkmälern trägt wesentlich zur alltäglichen Erholung und Identifikation der Bevölkerung mit der Landschaft sowie zur touristischen Wertschöpfung bei.

Im Kanton Freiburg sind 6 Landschaften von nationaler Bedeutung bezeichnet worden:
    1208 - Rive sud du lac de Neuchatel
    1209 - Mont Vully
    1320 - Schwarzenburgerland mit Sense- und Schwarzwasser-Schluchten
    1504 - Vanil Noir
    1514 - Breccaschlund
    1515 - Tour d’Aï— Dent de Corjon

Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS)

Der Begriff Landschaft bezieht sich nicht nur auf Naturlandschaften, sondern auch auf bebaute Landschaften. Das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS) stützt sich auf Artikel 5 des Bundesgesetztes vom 1. Juli 1966 über den Natur- und Heimatschutz (NHG; SR 451). Nach Anhörung der Kantone ist der Bund verpflichtet, Inventare der Objekte von nationaler Bedeutung zu erstellen.

Heute umfasst das ISOS 1273 Objekte von nationaler Bedeutung, wovon sich 55 im Kanton Freiburg befinden. Auf kantonaler Ebene ist das Amt für Kulturgüter für das ISOS zuständig.

Eine Moorlandschaft ist eine in besonderem Masse durch Moore geprägte, naturnahe Landschaft. Ihr moorfreier Teil steht zu den Mooren in enger ökologischer, visueller, kultureller oder geschichtlicher Beziehung. Durch ihre ausserordentliche Schönheit und ihre Bedeutung für die Biodiversität sind die Moorlandschaften durch die Bundesverfassung (Art. 78) geschützt. Im Kanton Freiburg sind 4 Moorlandschaften von nationaler Bedeutungverzeichnet. 

Geotope sind Formationen, die eine aussergewöhnliche geologische, geomorphologische oder geotektonische Bedeutung haben. Als Zeugen der Erdgeschichte sind sie vor Einflüssen zu bewahren. Das Inventar der Geotope der Schweiz steht auf den Karten des BAFU zur Verfügung. Aktuell sind 322 Geotope von nationaler Bedeutung erfasst, wovon sich 13 im Kanton Freiburg befinden:

    Gorges de la Veveyse de Fégire (FR, VD)
    Réseau des Morteys et Gouffre des Diablotins (FR, VD)
    Fossiles du Creux de l'Ours (Châtel-St-Denis, FR)
    Chaîne des Gastlosen (BE, FR, VD)
    Crétacé-Tertiaire de Roter Sattel (Jaun, FR)
    Vallée glacio-karstique du Breccaschlund (Charmey, Jaun, FR)
    Instabilités de terrain dans le vallon de Falli Hölli - Chleuwena (FR)
    Paysage fluvial de la Singine et carrière de Zollhaus (BE, FR)
    Molasse de Heitenried (FR)
    Gorges de la Sarine et affluents (FR)
    Séquences de marée du Bois du Devin (Marly-le-Petit, FR)
    Molasse des Grottes de la Madeleine, Einsiedelei (Düdingen, FR)
    Colline rocheuse isolée du Mont Vully (Haut-Vully, Bas-Vully, FR)

Ein Inventar der geomorphologischen Geotope des Kantons Freiburg ist 1999 durch V. Grandgirard erhoben worden.

 

Landschaft auf kantonaler Ebene

Im kantonalen Richtplan von 2002 wird die Landschaft als das provisorische Resultat von natürlichen und menschlichen Aktivitäten betrachtet und nicht als spezifisches Thema berücksichtigt. Die Landschaftspflege erfolgt durch verschiedene Komponenten (Landwirtschaft, Biotope, Wald) und die Instrumente der Raumplanung.

Basierend auf der Feststellung der starken Banalisierung der Landschaft, insbesondere durch die Zersiedelung, und gestützt auf die globale und zukunftsgerichtete Wahrnehmung der Landschaft, sieht das kantonale Natur- und Landschaftsschutzgesetz vor, charakteristische und spezielle Landschaften und Geotopen zu schützen, und die anderen Landschaften als wichtige Elemente der Lebensqualität der Bevölkerung zu pflegen und gestalten (Art. 32 NatG).

Inventar der Landschaften von kantonaler Bedeutung

Das NatG beauftragt den Kanton, ein Inventar der wichtigsten charakteristischen Landschaften und Geotope des Kantons zu erstellen und die Objekte von kantonaler Bedeutung zu bezeichnen. Zusätzlich muss der Kanton Richtlinien für die Gemeinden erarbeiten, welche die notwendigen Angaben für die Berücksichtigung der Landschaften in der Ortsplanung enthalten.

Eine kantonale Studie zu diesem gesetzlichen Auftrag läuft zurzeit.


Landschaft auf lokaler Ebene
Inventar der Landschaften von lokaler Bedeutung

Die Gemeinden müssen das Inventar der Landschaften von kantonaler Bedeutung mit den Landschaften von lokaler Bedeutung ergänzen und sie müssen diese Landschaften angemessen schützen, pflegen und gestalten.

Die Vollzugshilfe wird für das Inventar der Landschaften von lokaler Bedeutung ergänzt werden sobald das Inventar der Landschaften von kantonaler Bedeutung abgeschlossen ist, um die Gemeinden bei ihrer Aufgabe zu unterstützen.

In der Zwischenzeit können die Gemeinden trotzdem Überlegungen zu ihren Landschaften anstellen und zu erhaltende und aufzuwertende Sektoren festlegen. Hierfür sind verschiedene Instrumente geeignet:

  • Ortsplan (OP) : Die Gemeinde kann Sektoren festlegen, die sie erhalten will und entsprechende Bestimmungen ins GBR aufnehmen (z.B. von Bauten freizuhaltende Sektoren).
  • Detailbebauungsplan (DBP): im DBP für einen Sektor der Bauzone kann die Gemeinde Bestimmungen vorsehen, um die Bauten besser in die natürliche und landschafliche Umgebung zu integrieren (z.B. Gebäudehöhe, Wahl der Materialien, Form der Dächer, …).
Landschaft und Landwirtschaft: Landschaftsqualitätsprojekte

Der Erhalt, die Förderung und die Entwicklung einer vielfältigen Landschaft gehören zu den gemeinwirtschaftlichen Leistungen der Landwirtschaft. Spezifische Beiträge für die Landschaftsqualität können nun an Landwirte entrichtet werden, die an einem vom Bund genehmigten Gemeinschaftsprojekt  mitwirken. Im Kanton Freiburg bestehen 6 Projekte, die das gesamte Kantonsgebiet abdecken. Mehr Informationen: Amt für Landwirtschaft.

Ähnliche News