Der Lac de Lussy befindet sich am Grunde einer schönen Mulde nördlich von Châtel-St-Denis. Zusammen mit den umliegenden Feuchtgebieten, den Hecken und den Bauernhöfen, die man vereinzelt auf den nahen Hügeln antrifft, wurde er ins Bundesinventar der Moorlandschaften von besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung aufgenommen.

Site marécageux du lac de Lussy
Site marécageux du lac de Lussy © Tous droits réservés - SFN
Die Landschaft

Der Lac de Lussy befindet sich am Grunde einer Mulde aus der Eiszeit und ist von Moorlandschaften umgeben.

Die benachbarten Hügel bestehen hauptsächlich aus Sandstein und Konglomerat und sind das Produkt der alpinen Erosion. Einerseits wurden die Hügel durch Gletscherschliff abgerundet, andererseits entstand an Stellen mit einer weicheren und wasserundurchlässigen Mergelschicht eine Vertiefung. Diese Vertiefungen wurden mit Gletscherablagerungen gefüllt, so dass sich Moore bilden konnten.
Zeugen der Bewirtschaftung wie die Hecken, die isolierten Bauernhöfen mit ihren alten Bäumen oder die traditionelle Nutzung des Bodens verstärken den einmaligen Charakter dieser Landschaft.

Die Fauna

Zahlreiche Wasservögel finden Zuflucht am Lac de Lussy. Die Bekassine (Gallinago gallinago) ist einer unter ihnen. Die Sumpfschnepfe, wie dieser Vogel auch genannt wird, ist ein Zugvogel, der hier Halt macht und im Frühling (März und Anfangs April) sowie im Herbst (hauptsächlich Oktober) am Lac de Lussy beobachtet werden kann. Einige Exemplare bleiben sogar über den Winter hinweg. Früher nistete die Bekassine regelmässig in der Schweiz. Mit der Trockenlegung der Sümpfe wurde jedoch auch ihr Lebensraum zerstört.

Die Moorlandschaften und Moore gehören in der Schweiz zu den wertvollsten Biotopen für die Natur. Ein Viertel der vom Aussterben bedrohten Tierarten sind auf solche Lebensräume angewiesen, um überleben zu können.

Der Grosse Moorbläuling ist stark von den Feuchtgebieten abhängig. Er folgt einem aussergewöhnlichen biologischen Zyklus in welchem er sich zuerst vom Grossen Wiesenknopf und dann von Larven einer bestimmten Ameisenart (Myrmica) ernährt: Der Moorbläuling legt seine Eier auf dem Grossen Wiesenknopf. Da die Raupen karnivor sind, überlebt nur eine pro Pflanzenkopf. Die überlebenden Raupen geben süssliche Stoffe ab, welche Ameisen anlocken. Diese nehmen nun ihren vermeintlichen Nahrungsspender mit in ihren Bau, wo sich die Raupe während des Winters von den Larven der Ameisen ernähren kann. Darauf verpuppt sie sich im oberen Teil des Nestes und fällt auf den Boden, wo sie zu einem wunderschönen Schmetterling wird. Der Zyklus kann von vorne beginnen.
 
Oder, um es mathematisch auszudrücken:
1 Grosser Wiesenknopf + 1 Ameisennest (Myrmica) = 1 Grosser Moorbläuling

Mit seinen grossen Wiesenknopfbeständen und zahlreichen Ameisenhaufen bietet das Gebiet um den Lac de Lussy herum einen idealen Lebensraum für diesen Schmetterling. Die hiesige Population scheint die einzige unter den Westschweizer Populationen zu sein, die auch langfristig überleben kann – dies dank der Grösse, Qualität und Vielfalt dieser Moorlandschaft.

Damit diese äusserst seltene Schmetterlingsart überleben kann, ist es unabdingbar, dass die Wiesen rund um den See erst spät geschnitten werden, da nur so das Legen der Eier und das Überleben der Raupen möglich ist.

Die Flora

Rund um den Lac de Lussy finden wir typische Flach- und Hochmoorflora.

Die Vegetationsabfolge um den Lac de Lussy herum ist konzentrisch organisiert:

  • Im Zentrum findet man die Wasserpflanzen,
  • dann die Schilfbestände und Hochmoorreste,
  • etwas weiter vom Zentrum entfernt die Streuewiese (Pfeifengras- oder Kleinseggenbestände),
  • dann die Feuchtwiesen mit den Kuckucks-Lichtnelken und Vergissmeinnichts,
  • und am äusseren Rand schliesslich Fettwiesen, die als Pufferzone dienen und deren Nährstoffgehalt im Laufe der Zeit abnehmen wird.
Traditionnelle Abbaumethoden

Im Frühjahr fand jeweils der „Verkauf der Parzellen“ statt: Die Bewohner von Châtel-St-Denis teilten die Gebiete, auf denen Torf gewonnen werden konnte, unter sich auf, damit es genug für alle hatte. An gewissen Stellen wurde der Torf bis auf eine Tiefe von 2,5 Metern abgebaut. Nach dem Abbau schüttete die Gemeinde die Parzellen wieder auf.
 
Der Torfabbau ist mitverantwortlich für den Rückgang der Hochmoore, die sich früher über grosse Flächen erstreckten. Dazu muss man wissen, dass Hochmoore extrem langsam wachsen (1 mm pro Jahr). Dort wo also Torf bis auf eine Tiefe von 2,5 Metern abgebaut wurde, wurde Torf abgebaut, das 2500 Jahre gebraucht hatte, um diese Dicke zu erreichen. Mit andern Worten, Torf ist keine erneuerbare Energiequelle!

Torfgewinnung

Dort, wo heute das Stadium liegt, wurde vom 19. Jahrhundert bis Ende des zweiten Weltkriegs Torf gestochen, um damit die Häuser zu heizen.

Eisgewinnung

Das Eis des Lac de Lussy wurde für den Gebrauch in Gasthöfen abgebaut. Das Eis wurde während des Winters in Blöcke geschnitten und in einem Eislager gelagert. Ab Mai wurde das Eis dann den Restaurants zweimal pro Woche und zusammen mit den Getränken geliefert. Um 1956 herum wurde diese Tätigkeit eingestellt.

 

Schutzmassnahmen

1974 hat der Staatsrat auf Vorstoss der Gemeinde hin einen Beschluss zum Schutz dieses Gebiets erlassen. In der Ortsplanung von Châtel-St-Denis ist dieser Sektor als Natur- und Landschaftsschutzzone definiert. Ausserdem ist diese Moorlandschaft durch verschiedene Bundesinventare (Inventar der Moorlandschaften, Inventar der Flachmoore, Inventar der Übergangs- und Hochmoore) geschützt.

Ähnliche News