Freiburger Konjunkturspiegel: die Industrie ist zwar gerettet, aber eine Erholung noch nicht sicher

30. November 2020 -17h12

Zum Zeitpunkt, als die befragten Industrieunternehmen die Fragebögen der KOF-Umfrage ausfüllten, d.h. spätestens im Oktober, waren das Ausmass der zweiten Welle und die Massnahmen zu ihrer Bekämpfung noch nicht bekannt. Der relative Optimismus der Antworten spiegelt daher eher die Erleichterung, die große Krise der ersten Welle überstanden zu haben und die Aussichten auf eine Normalisierung wider als den Eintritt in eine neue Phase der Restriktionen. Folglich ist die Interpretation sehr heikel. Dennoch kann gesagt werden, dass der Industriesektor beim derzeitigen Stand der Dinge und vorausgesetzt, dass die sanitären Bedingungen eine Normalisierung des Geschäftsgangs und des Handels ermöglichen, im Grossen und Ganzen überleben wird und bereit ist, mit voller Kapazität zu produzieren und sich den bereits vor der sanitären Krise bekannten Herausforderungen zu stellen.

Conjoncture fribourgeoise © Etat de Fribourg - Staat Freiburg

Vor allem die Nahrungsmittelindustrie hat Auftragsspitzen erlebt, die wahrscheinlich auf die vorübergehende Lähmung des internationalen Handels und die Bildung von Reserven zurückzuführen sind. Die Entwicklung der Lagerbestände neigt dazu, dieses Phänomen zu bestätigen. Auch die Chemie-, Pharma- und Kunststoffindustrie meldete während der Krise einen Anstieg der Auftragseingänge, während der Trend zuvor rückläufig gewesen war. Trotzdem blieben die Indikatoren für das Produktionsniveau und den Geschäftsgang lange Zeit relativ niedrig, bevor sie gegen Ende des Sommers wieder anstiegen, was womöglich Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Rohstoffen auf dem Höhepunkt der Krise widerspiegeln könnte.

Saisonbereinigt hat sich die Arbeitslosenquote im Sommer stabilisiert und ist sogar leicht zurückgegangen, aber nicht auf das Niveau vor der Krise. Die derzeit hängigen Gesuche für Kurzarbeit (KA) sind zurückgegangen, aber diese Zahlen berücksichtigen noch nicht die Anfragen, die infolge der Massnahmen zur Bekämpfung der zweiten Welle noch eingehen werden. Die Hotelübernachtungen haben im Verlauf des Sommers wieder zugenommen, ohne jedoch das Niveau der Vorjahre zu erreichen. In geringerem Maße gilt dies auch für die Zulassung von Neufahrzeugen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ohne die zweite Welle die - besser als erwartete - Widerstandsfähigkeit der Volkswirtschaft im zweiten und dritten Quartal und die gute Performance der qualitativen KOF-Indikatoren in einem nach wie vor ausserordentlich schwierigen Umfeld eine relativ gute Nachricht hätten sein können. Die Gesamtergebnisse für das Jahr 2020 hängen nun aber wieder von dem ab, was die Pandemie dem Kanton, der Schweiz und der Welt für das Jahresende bereithält.

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Einige konjunkturelle Indikatoren auf unserer Website:

- Wirtschaftsbarometer

Bautätigkeit

- Geschäftsgang in der Industrie

- Immobilienverkäufe

- Aussenhandel

- Logiernächte

- Arbeitslosigkeit

- Inverkerhrsetzungen neuer Personenwagen