Verbot von Elektroheizungen: eine notwendige Gesetzesänderung

29 August 2012 - 14H00

Am kommenden 25. November werden die Freiburgerinnen und Freiburger über das revidierte Energiegesetz abstimmen. Wird das Gesetz angenommen, kann die Energiestrategie des Kantons umgesetzt werden. Elektroheizungen und Elektroboiler müssen bis 2025 ersetzt werden, sofern dies im Sinne des Gesetzes technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist. Wird das Gesetz abgelehnt, wird nicht nur das Verbot von Elektroheizungen verworfen, sondern werden auch alle anderen vom Grossen Rat einstimmig verabschiedeten Änderungen abgelehnt. Diese Abstimmung ist von besonderer Bedeutung, da Elektroheizungen grosse Stromfresser sind und viel Geld und Energie gespart werden könnte.

Eine sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung ist eine der grössten Herausforderungen der heutigen Zeit. Vor dem Hintergrund des Klimawandels, der Verknappung der fossilen Ressourcen, des Ausstiegs aus der Kernenergie und des stark zunehmenden Energieverbrauchs will der Staatsrat seine Verantwortung wahrnehmen.
Die vom Grossen Rat einstimmig verabschiedete Teilrevision des Energiegesetzes wird es ihm erlauben, die Ziele der neuen Energiestrategie des Kantons zu erreichen, mit der die 4000-Watt-Gesellschaft bis 2030 angestrebt wird. Diese Revision sieht zahlreiche konkrete Massnahmen vor, wie zum Beispiel eine energieeffizientere öffentliche Beleuchtung oder die Einführung des Gebäudeenergieausweises. Eine andere wichtige Massnahme ist das Verbot von Elektroheizungen und Elektroboilern, da diese wegen ihres tiefen Wirkungsgrades eine grosse Stromverschwendung verursachen.

Strom ist zu wertvoll, um verschwendet zu werden
Das Verbot von Elektroheizungen ist eine kohärente, verantwortungsvolle und vorteilhafte Massnahme. Strom ist zu wertvoll, um über eine Elektroheizung direkt in Wärme umgewandelt zu werden. Eine elektrische Widerstandsheizung kann mit 1kWh Strom nur 1kWh Wärme erzeugen. Demgegenüber vermag eine Wärmepumpe mit der gleichen Menge Strom 3 bis 4 kWh Wärme zu erzeugen. Wenn heute alle Elektroheizungen in der Schweiz gleichzeitig in Betrieb wären, würden sie die Leistung der drei Kernkraftwerke Beznau I, Beznau II und Mühleberg praktisch für sich allein beanspruchen. Im Winterhalbjahr sind Elektroheizungen für einen Fünftel des gesamten Strombedarfs der Schweiz verantwortlich. Doch gerade in dieser Jahreszeit wird ein grosser Teil des Stroms importiert und dieser stammt fast ausschliesslich aus fossilen und nuklearen Energiequellen. Heute haben sich bereits die Kantone Bern und Neuenburg für das Verbot von Elektroheizungen entschieden, weitere Kantone werden demnächst ihrem Beispiel folgen. Auch auf nationaler Ebene hat die Konferenz der kantonalen Energiedirektoren kürzlich deren Verbot bis 2025 beschlossen. Im Kanton Freiburg betrifft diese Massnahme 11 000 Wohneinheiten, das sind rund 6000 Häuser.

Dank dieser Massnahme kann der gesamte Stromverbrauch im Kanton Freiburg um etwa 10 % gesenkt werden. Das sind bedeutende Einsparungen zu einem Zeitpunkt, da der Strombedarf jährlich um etwa 2 % zunimmt sowie mittel- und langfristig mit steigenden Strompreisen gerechnet werden muss.

Die effektiven Kosten eines Systemwechsels
Die Praxis zeigt, dass die Kosten für den Wechsel des Heizsystems dank Subventionen und Steuerabzügen vergleichbar sind mit denjenigen, die entstehen, wenn die Elektroheizungen ohnehin ersetzt werden müssen. Diese werden im Jahr 2025, wenn das Verbot in Kraft tritt, über 35 Jahre alt sein. Ausserdem kann die neue Heizanlage dank den tieferen Heizkosten in etwa zehn Jahren amortisiert werden. Auch die Mieterinnen und Mieter können nur gewinnen: Die Investition in ein neues Heizsystem kann nur beschränkt auf die Mieten abgewälzt werden und auch dann würden die Einsparungen bei den jährlichen Heizkosten die höheren Mietkosten bei Weitem kompensieren, so dass die Miet- und Nebenkosten zusammengerechnet tiefer ausfallen dürften.

Ein flexibler rechtlicher Rahmen
Der Staatsrat will konkrete Ausnahmen zulassen, wenn der Ersatz technisch nicht machbar oder wirtschaftlich nicht tragbar ist, oder wenn Kompensationsmassnahmen getroffen wurden. Er will damit ein klares Zeichen setzen, dass er sich für den Fortschritt einsetzt, gleichzeitig aber einen sanften Systemwechsel ermöglicht.

Folglich entspricht der im Gesetz vorgesehene Ersatz von Elektroheizungen einer kohärenten und verantwortungsvollen Energiestrategie, die es dem Kanton Freiburg erlauben wird, sich den Herausforderungen im Energiebereich zu stellen - zum Wohle der heutigen und künftigen Generationen.