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Theater in frankoprovenzalischem Patois

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Das Theater in frankoprovenzalischem Patois

Das Theater in frankoprovenzalischem Patois
Theater in Patois
Theater in Patois © 2018 Alle Rechte vorbehalten

Im Greyerz-, Vivisbach- und Saanebezirk wird jedes Jahr Theater in Patois gespielt. Zuschauer und Schauspieler/innen aus der Region sind durch eine gemeinsame Sprache franko­provenzalischen Ursprungs vereint, in der die dargebotenen Lieder und Dramen verfasst sind. Je nach Autor können diese Texte mehr oder weniger traditionell ausfallen. Die Handlung, die sich gewöhnlich auf wenige Personen beschränkt, spielt meist in der Familie. Die Amateur–Schauspieler sprechen Pa­tois oder erlernen die korrekte Aussprache dank der anderen Mitglieder der Truppe. Mit ihren neu verfassten Werken tragen die wenigen zeitgenössischen Autoren zur Erneuerung des Theaterrepertoires in Patois bei.

Die ersten Patois-Stücke wurden um 1920 von Cyprien Ruffieux, Fernand Ruffieux, Joseph Yerly, Pierre Quartenoud, Abbé François-Xavier Brodard und Francis Brodard geschrie­ben. Es ging um Stoffe à la «Romeo und Julia auf dem Dorf» (A.-M. Yerly), Alphüttendramen und Legenden oder Musik­komödien mit Liedern von Abbé Bovet. Da es noch keine Patois-Vereinigungen gab (sie wurden zwischen 1956 und 1984 gegründet), organisierten Jugend-, Trachten- und Ge­sangsvereine die Aufführungen. Von 1936 an sorgten Trup­pen in Sâles, Mézières, Le Crêt und Treyvaux für den Auf­schwung des Patois-Theaters. In Treyvaux garantierte die Tsêrdziniolè die Weiterführung der Tradition (in der Nach­folge des Gesangs- und Musikvereins, der 1959 zum letzten Mal Theater spielte), indem sie alle drei, vier Jahre ein Stück aufführt. Der Stil entwickelte sich weiter, und die Gruppe verfasste ihre eigenen Stücke. 1985 wurde die erste Volks­oper in Patois, Le Chèkrè dou tsandèlê von Nicolas Kolly mit Musik von Oscar Moret achtmal vor ausverkauften Rängen gegeben!

Dem Patois-Theater, das im Kanton weiterhin sehr aktiv ist, fehlt es weder an Zuschauern noch an Nachwuchs. Neue, doch traditionsverbundene Themen (Leben auf der Alp, Gebirge, Stadt/Land, Familie), «historische» Dorfszenen, bearbeitete Komödien und Farcen oder neu verfasste Stücke gewährleis­ten den Erfolg dieser Volkskunst, die Teil des Freiburger Kulturerbes ist.

Bemerkungen
Die Patoisants sind in Vereinen – je einer pro Bezirk – organisiert, die für die Theateraufführungen verantwortlich sind. Ihr Dachverband ist die «Société cantonale des patoisants fribourgeois», die Koordi­nations- und Förderungsaufgaben wahrnimmt, doch keine Anlässe durchführt. Augenblicklich sind folgende Theatertruppen im Kanton tätig: der Jugendverein Cerniat (die seine Stücke alle zwei, drei Jahre selber verfasst und aufführt), die Theatertruppe des Groupe Choral Intyamon in Albeuve (Theater und Gesang), der Jugendverein Sorens, die Patoisants de la Sarine, Intrè-No in Freiburg (jährlich), die Patoisants de la Gruyère (jährlich), die Patoisants de la Veveyse (jährlich) und die Gruppe Tsêrdziniolè in Treyvaux (alle drei, vier Jahre).

Hören - Sehen

Archiv RTS, 2013, 120': DVD: Les patois romands

Links

Société cantonale des patoisants fribourgeois

Referenzen

Referenzen und Biographie

Autor

Florence Bays

Übersetzung : Hubertus von Gemmingen

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