Staatsanwaltschaft des Kantons Freiburg

Ministère public - Staatsanwaltschaft
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1. Wo erhalte ich Rechtsberatung?

Der Freiburger Anwaltsverband bietet jedermann zu einem bescheidenen Entgeld von Fr. 30.-- eine 20-minütige juristische Beratung an. Die Beratungen finden wöchentlich in Freiburg und Bulle statt und können ohne Voranmeldung in Anspruch genommen werden. Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.oaf.ch/de/rechtsdienst.

 

2. Wie reiche ich eine Strafanzeige oder einen Strafantrag ein?

Sollten Sie eine Strafanzeige oder einen Strafantrag einreichen wollen, können Sie wie folgt vorgehen:

• Sie können selbständig ein Schreiben verfassen, dieses datieren, signieren und anschliessend der Staatsanwaltschaft per Post zustellen. Eine Vorlage finden Sie auf der Internetseite der Staatsanwaltschaft (link).
• Sie begeben sich zu einem Polizeiposten und geben dort Ihre Strafanzeige oder Ihren Strafantrag auf.

Die Staatsanwaltschaft nimmt keine Strafanträge oder Strafanzeigen per E-Mail entgegen.

 

3. Muss ich als Anzeigeerstatter mit Kosten rechnen?

Grundsätzlich entstehen Ihnen für das Erstatten der Anzeige keine Kosten. Folgende Ausnahmen sind zu beachten:
Wird die Person, die Sie angezeigt haben, freigesprochen (oder das Verfahren gegen diese eingestellt), müssen Sie unter Umständen für die Verfahrenskosten aufkommen und/oder der Gegenpartei eine Parteientschädigung bezahlen (Anwaltskosten).

 

4. Wie lange dauert das Verfahren ab Einreichen der Strafklage?

Es ist schwierig einzuschätzen, wie lange ein Verfahren dauert. Dies hängt in erster Linie von der Komplexität des Falles ab und ob das Verfahren vor einem Gericht gebracht wird. Die Staatsanwaltschaft schliesst 65% der Strafverfahren innert drei Monaten ab Registrierung ab.

 

5. Habe ich Anspruch auf Akteneinsicht?

Sie können Ihre Verfahrensakten nach vorgängiger Terminabsprache bei der Staatsanwaltschaft einsehen.

 

6. Von der Staatsanwaltschaft habe ich einen Fragebogen zu meinen persönlichen Verhältnissen bekommen, was muss ich tun ?

Sie erhalten dieses Formular, weil Sie Gegenstand eines Strafverfahrens sind. Diesen Fragebogen können Sie gemäss Ihrer aktuellen Lebenssituation ausfüllen. Zusätzlich fügen Sie alle Dokumente, welche Ihre Situation belegen, bei und schicken alles, unter der Einhaltung der Frist von 20 Tagen, zurück.

 

7. Ich habe eine Vorladung erhalten, was muss ich machen?

Die Vorladung informiert Sie über Ihre Stellung in dem Verfahren: Beschuldigte Person, Auskunftsperson, Kläger/-in, Opfer oder Zeuge/-in. Sie müssen der Vorladung Folge leisten, weil die Staatsanwaltschaft Sie anhören will. Sollte es Ihnen nicht möglich sein, der Vorladung nachzukommen, müssen Sie dies sofort der Staatsanwaltschaft schreiben, um diese darüber zu informieren. Des Weiteren müssen Sie Ihrer Post die Dokumente beifügen, welche Ihre Verhinderung belegen.

8. Kann ich verurteilt werden, ohne dass ich zuvor angehört wurde?

Ja, Sie können ohne vorgängige Anhörung mittels Strafbefehl verurteilt werden. Sollten Sie mit dem Entscheid nicht einverstanden sein, können Sie Einsprache erheben (siehe Frage 10).

 

9. Was passiert, wenn ich einen eingeschriebenen Brief der Staatsanwaltschaft nicht entgegennehme?

Der Entscheid gilt als zugestellt, auch wenn Sie die eingeschriebene Sendung nicht innerhalb der Frist abholen.

 

10. Muss ich eine Einsprache gegen einen Strafbefehl begründen

Vorlagen für Einsprachen finden Sie auf der Internetseite (link) oder am Schalter der Staatsanwaltschaft. Falls Sie verurteilt wurden, sind Sie nicht verpflichtet die Einsprache zu begründen. Es wird aber empfohlen, kurz darzulegen, warum Sie mit dem Strafbefehl nicht einverstanden sind. Die Ihnen auferlegten Kosten müssen Sie vorerst, bis ein neuer Entscheid gefällt wird, nicht bezahlen.
Als Privatkläger sind Sie im Gegensatz zum Beschuldigten verpflichtet, Ihre Einsprache zu begründen

 

11. Was geschieht, wenn ich gegen einen Strafbefehl Einsprache erhebe?

Wenn Ihre Einsprache während der Frist eingegangen ist, wird der Strafbefehl gegen Sie aufgehoben und Sie müssen die Kosten nicht zahlen (siehe Kostenliste, welche dem Strafbefehl angefügt ist). Der Staatsanwalt wird Ihre Einsprache analysieren. Aus diesem Grund wird empfohlen, die Einsprache zu begründen. Der Staatsanwalt kann darüber entscheiden, ob er die Untersuchung wiedereröffnen und anschliessend allfällige Einvernahmen vornehmen bzw. wiederholen oder andere Schritte einleiten will. Danach wird er die Akte dem Polizeirichter des betroffenen Bezirkes weiterleiten, welcher Sie vor seiner Urteilsfällung vorladen wird. Der Staatsanwalt kann gestützt auf Ihre Einsprache oder allfällige daraufhin durchgeführte Ermittlungshandlungen auch darauf verzichten, dem Polizeirichter die Aktenweiterzuleiten und einen neuen Strafbefehl oder eine Einstellungsverfügung erlassen.

 

12. Was ist eine bedingte Strafe?

Eine bedingte Strafe ist eine Warnung. Die Strafe (Geldstrafe oder Freiheitsstrafe) wird nicht vollzogen, sofern der Verurteilte nicht rückfällig wird (siehe Frage 13). Bussen werden nie bedingt ausgesprochen und müssen dementsprechend immer bezahlt werden.

 

13. Unter welchen Voraussetzungen kann eine bedingt ausgesprochene Strafe widerrufen werden?

Die bedingt ausgesprochene Strafe kann widerrufen werden, wenn die verurteilte Person innerhalb der Probezeit (zwischen 2 und 5 Jahren) rückfällig wird und erneut eine Straftat begeht. Die Staatsanwaltschaft prüft jeweils im konkreten Fall, ob ein Widerruf angebracht ist. Sollte die bedingt ausgesprochene Strafe widerrufen werden, wird diese nachträglich vollzogen.

14. Ab wann beginnt die Probezeit zu laufen?

Die Probezeit beginnt mit Rechtskraft des Strafbefehls zu laufen. Wird beispielsweise eine Probezeit von 3 Jahren ab dem 10. März 2014 ausgesprochen, endet diese am 9. März 2017.

 

15. Wann wird eine Verurteilung im Strafregister eingetragen?

Sollten Sie ausschliesslich zu einer Busse verurteilt werden, wird diese nicht im Strafregister eingetragen. Eine Ausnahme besteht bei Bussen über CHF 5‘000.00. Alle anderen Verurteilungen (Geldstrafe oder Freiheitsstrafe, bedingt oder unbedingt ausgesprochen) werden im Strafregister eingetragen.

 

16. Wie lange bleibt eine Eintragung im Strafregister bestehen?

Für die Justizbehörden bleiben die Verurteilung für folgenden Zeitraum im Strafregister ersichtlich:

• 20 Jahre bei einer Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren;
• 15 Jahre bei einer Freiheitsstrafe von mindestens einem und weniger als fünf Jahren;
• zehn Jahre bei Freiheitsstrafen, Geldstrafen unter einem Jahr.

Auf dem Strafregisterauszug werden die Vorstrafen allerdings bereits zu einem früheren Zeitpunkt gelöscht. Im Falle einer bedingt ausgesprochenen Strafe wird der Eintrag nach Ablauf der Probezeit automatisch entfernt.

17. Kann ich eine Busse in Raten zahlen? Was ist die maximale Anzahl an Raten?

Ratenzahlungen sind möglich, wenn die Busse, die unbedingte Geldstrafe oder die Verfahrenskosten nicht auf einmal bezahlt werden können. Abzahlungsvereinbarungen können direkt per Telefon mit der Staatsanwaltschaft vereinbart werden. Die Möglichkeit der Ratenzahlung entfällt, sobald Sie für die Forderung betrieben wurden oder das Dossier dem Amt für Straf- und Massnahmenvollzug und Gefängnisse ASMVG übermittelt wurde.
Sollte die Ratenzahlung genehmigt werden, ist die Abzahlung auf maximal 10 Raten zu je mindestens CHF 50.00 begrenzt. Bei Ratenzahlungen werden keine zusätzlichen Gebühren in Rechnung gestellt.

 

18. Warum muss ich trotz bezahlter Rechnung des „Transports publics fribourgeois (TPF)“ noch eine zusätzliche Rechnung der Staatsanwaltschaft bezahlen?

Reisen Sie ohne gültiges Transportticket, kann Sie die TPF bei der Staatsanwaltschaft anzeigen. Das Verfahren der Staatsanwaltschaft läuft unabhängig von dem direkt eingeforderten Betrag der TPF, welcher zur Deckung von internen Kosten erhoben wird.
Normalerweise zieht die TPF den Strafantrag bei Bezahlung der Schuld zurück, vorausgesetzt es wurde noch kein Strafbefehl erlassen.
Die Staatsanwaltschaft verzichtet in diesem Fall auf eine Sanktion und dem Beschuldigten werden nur die bis dahin angefallenen Verfahrenskosten in Rechnung gestellt.

 

19. Gegen mich läuft ein Strafverfahren wegen Verstoss gegen das Strassenverkehrsgesetzes (SVG). Was hat das für Konsequenzen für meinen Führerausweis?

Beim Verfahren um Führerausweisentzug handelt es sich um ein selbständiges Administrativverfahren ausserhalb der Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft. Das Administrativverfahren wird von der Kommission für Administrativmassnahmen im Strassenverkehr (KAM) durchgeführt, deren Sitz sich in der Nähe des Amts für Strassenverkehr und Schifffahrt (OCN) an folgender Adresse befindet: Rte de Tavel 10, 1707 Freiburg (tel.: 026 484 55 22). Bei Fragen betreffend dem Administrativverfahren können Sie sich direkt an die zuständige Kommission wenden.

 

20. Warum werde ich von der Staatsanwaltschaft verurteilt, obwohl ich bereits vom Amt für Strassenverkehr und Schifffahrt (OCN) einen Entscheid (Verwarnung oder andere) erhalten habe?

Das Verfahren der Staatsanwaltschaft und des OCNs sind voneinander unabhängig (siehe Frage 19).
Das OCN evaluiert Ihr Verhalten als Fahrzeuglenker und entscheidet über die Konsequenzen hinsichtlich Ihres Führerausweises. Die Staatsanwaltschaft prüft dagegen, ob Sie sich mit Ihrem Verhalten strafbar gemacht haben und entsprechend sanktioniert werden müssen.

 

21. Ich habe Strafantrag/Strafanzeige gegen eine Person erstattet, die mich bestohlen hat. Wie muss ich vorgehen, um mein Geld zurückzuerhalten?

Der Staatsanwalt entscheidet im Rahmen des Strafverfahrens, ob sich die Person des Diebstahls schuldig gemacht hat. Die zivilrechtliche Frage nach Rückerstattung des gestohlenen Geldes wird grundsätzlich nicht vom Staatsanwalt behandelt. Es liegt demnach an Ihnen, die nötigen Schritte einzuleiten. Dafür muss nicht zwingend eine Verurteilung abgewartet werden. Konkret können Sie mit der beschuldigten Person in Kontakt treten (am besten mit einer eingeschriebenen Postsendung) und eine Rückerstattung innert angemessener Frist verlangen. Sollte die Person nicht zahlen, können Sie sich an das Betreibungsamt wenden.

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