Geboren am 31. Oktober 1952 in Freiburg. Katholisch, von Luterbach (SO) und Tafers, wo seine Vorfahren seit der Mitte des 19. Jahrhunderts niedergelassen sind. Seine Eltern sind Viktor, Elektro-Kontrolleur, und Berthe geb. Stritt, Hausfrau. Er ist das älteste von vier Kindern. 1982 heiratet er Barbara Aebischer. Das Paar hat drei Kinder.

Urs Schwaller, ancien Conseiller d'Etat/alt Staatsrat, (1991-2004)
Urs Schwaller, ancien Conseiller d'Etat/alt Staatsrat, (1991-2004) © Tous droits réservés
86. Urs Schwaller (1991-2004), christlichdemokratisch

Nach der Primarschule in Tafers besucht Urs Schwaller das Kollegium St. Michael, wo er die französische Sprache erlernt und die Matura besteht. Er studiert Rechtswissenschaften an der Universität Freiburg und legt 1976 sein Lizentiat ab. Parallel zu einem Praktikum in einer Freiburger Anwaltskanzlei setzt er seine Studien fort, um sie 1981 mit dem Doktorat abzuschliessen. Im gleichen Jahr erhält er sein Anwaltspatent.

1982 entscheidet sich Urs Schwaller für den öffentlichen Dienst. Er wird Abteilungsleiter in der damals von Rémi Brodard geleiteten Justiz-, Polizei- und Militärdirektion. Vier Jahre später, im Mai 1986, wird er zum Oberamtmann des Sensebezirks gewählt und zeichnet sich in diesem Amt durch seine Leistungsfähigkeit aus.

1991 kandidiert er für den Staatsrat. Im ersten Wahlgang vom 17. November erhält er 34 % der Stimmen und liegt für den zweiten Wahlgang auf dem ersten Platz. Am 8. Dezember wird er mit seinen Parteikollegen Michel Pittet und Augustin Macheret, die wie er zum ersten Mal kandidieren, in den Staatsrat gewählt.

Urs Schwaller leitet die Direktion des Innern, der Gemeinden, der Forste und der Landwirtschaft. Das erste wichtige Dossier, für das er verantwortlich ist, betrifft die Gemeindeautonomie. Es geht darum, den von Hans Bächler vorbereiteten Entwurf zum Abschluss zu bringen und dem Volk vorzulegen. Dieses nimmt ihn am 16. Februar 1992 mit deutlicher Mehrheit (79 % der Stimmen) an. 1995 verabschiedet der Grosse Rat das Gesetz über die Agglomerationen, mit dem in der Schweiz Neuland betreten wird.

1996 kandidiert Urs Schwaller mit glänzendem Erfolg für ein weiteres Regierungsmandat und wird im ersten Wahlgang vom 17. November vor allen anderen Mitbewerbern mit 61 % der Stimmen gewählt. Von seinem Vorgänger, Félicien Morel, wie er Hauptmann in der Armee, übernimmt er die Finanzdirektion und führt deren Sanierungspolitik der Kantonsfinanzen weiter. Er bekämpft die Gesetzesinitiative für eine bessere Verteilung der Steuerlast, die das Volk am 28. September 1997 mit 77 % der Stimmen wuchtig ablehnt.

2001 bewirbt sich Urs Schwaller um ein drittes Mandat. Von den elf Kandidaten wird im ersten Wahlgang vom 11. November einzig der Unabhängige Pascal Corminboeuf gewählt. Der Finanzdirektor steht an der Spitze der Kandidaten für den zweiten Wahlgang und wird am 20. November – nach dem Rückzug verschiedener Bewerber – schliesslich mit den anderen fünf Verbliebenen in stiller Wahl gewählt. Am 1. Dezember 2003 wird Urs Schwaller in den Ständerat gewählt, bleibt jedoch bis zum Juli 2004 noch Staatsrat. In der Kleinen Kammer macht der Freiburger Abgeordnete rasch auf sich aufmerksam. 2005 übernimmt er das Präsidium der Christlichdemokratischen Fraktion. 2007 wird er vom Freiburger Stimmvolk in seinem Amt bestätigt. Er bleibt weiterhin Fraktionspräsident.

Im Ständerat entfaltet Urs Schwaller eine intensive Tätigkeit. Von 2004 bis 2009 bringt er 21 parlamentarische Vorstösse (Motionen, Interpellationen, Initiativen) ein. Zudem sitzt er in der Staatspolitischen, der Sicherheitspolitischen und der Finanzkommission und präsidiert die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit. Schliesslich gehört er der einflussreichen Finanzdelegation des Parlaments an.

Am 13. August 2003 kandidiert der Christdemokrat Urs Schwaller, von seiner Fraktion portiert, für die Nachfolge des freisinnigen Bundesrats Pascal Couchepin. Seine Sprachzugehörigkeit stellt ein Problem dar. Als perfekter Bilingue unterstreicht er die Brückenrolle seines Kantons und erklärt, Freiburger zu sein, bevor er Romand sei. Politiker wie Öffentlichkeit sind geteilter Meinung. Dies betrifft auch die Frage, ob es angebracht sei, während der Legislatur das politische Kräfteverhältnis im Bundesrat zu verändern. Am 16. September wählt die Bundesversammlung im vierten Wahlgang mit 129 Stimmen den Neuenburger Freisinnigen Didier Burkhalter, während 106 Abgeordnete für Schwaller stimmen. Bei den Ständeratswahlen 2011 wird er wiedergewählt und präsidiert weiterhin die CVP-Fraktion der Eidgenössischen Räte. Im Jahr 2015 tritt er aus dem Ständerat zurück. 

Urs Schwallers Mandate beschränken sich nicht allein auf die Politik, sondern umfassen – als Ausdruck seiner Verwurzelung in der Zivilgesellschaft – ebenfalls den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereich. Am 26. April 2016 wird er zum Präsidenten des Verwaltungsrates der Schweizerischen Post gewählt.

Aus : "Der Freiburger Staatsrat : 1848-2011"

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