Geboren am 4. März 1935 in Freiburg. Katholisch, von Lentigny (heute Gemeinde La Brillaz). Seine Eltern sind Henri, SBB-Angestellter, und Léa Antoinette geb. Rossier, Hausfrau. Er ist das jüngste von fünf Kindern. 1964 heiratet er Isolde Stiegelmaier, von deutscher Staatsangehörigkeit. Das Paar hat vier Kinder.

Félicien Morel, ancien Conseiller d'Etat/alt Staatsrat, (1935)
Félicien Morel, ancien Conseiller d'Etat/alt Staatsrat, (1935) © Tous droits réservés
Félicien Morel, (1981-1996), sozialdemokratisch, dann PSD

Nach der Primarschule in Freiburg und dem Beginn einer Schlosserlehre macht er eine kaufmännische Lehre. Um seine Kenntnisse zu vertiefen, lernt er im Selbststudium weiter, so dass er in der letzten Klasse des Kollegiums St. Michael die Handelsmatura ablegen kann.

1957 beginnt er an der Universität Freiburg ein Studium in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, das er mit dem Lizentiat abschliesst. Dank eines Stipendiums erhält er 1960 in Turin, wo er sein Italienisch vervollkommnet, ein Zertifikat für Europa-Studien. Seine Ausbildung vervollständigt er durch Praktika in Deutschland und England. 1963 kehrt er in die Schweiz zurück und unterrichtet am Kollegium St. Michael. 1969 wird er Westschweizer Sekretär und Redaktor in der PTT-Union. In der Armee bekleidet er den Rang eines Hauptmanns.

In der Sozialdemokratischen Partei steigt er ungewöhnlich rasch auf: 1970 wird er Gemeinderat in Belfaux, 1971 Grossrat, 1975 Nationalrat (bis 1983). 1976 kandidiert er für das Oberamt des Saanebezirks. Im Nationalrat wird er 1981 Präsident der Parlamentsfraktion; zugleich ist er Vizepräsident der SP Schweiz. In Bern bringt er die Debatte über die Beteiligung der Arbeitnehmer an der Unternehmensführung wieder in Gang.

1981 wird Félicien Morel in den Staatsrat gewählt. Er ist Vorsteher der Finanzdirektion und wird 1986 und 1991 im Amt bestätigt. Während seiner 15 Regierungsjahre nimmt er 14 Revisionen des Gesetzes über die Kantonssteuern vor, häufig geht es um Steuersenkungen. Seine rigorose Geschäftsführung findet allgemeine Anerkennung. Da es ihm gelingt, zwischen 1982 und 1990 die hohe Staatsverschuldung erheblich zu reduzieren, können wichtige Investitionen, vor allem im Gesundheits- und Erziehungsbereich, getätigt und die Besoldung der Mitarbeitenden des Staats verbessert werden. Er hat die heikle Affäre der Immobilienspekulation im Zusammenhang mit dem Gelände der ehemaligen Brauerei Beauregard zu regeln.

Als Antwort auf die Verschlechterung der Konjunktur in den frühen 1990er Jahren legt Félicien Morel dem Grossen Rat fünf Sparprogramme vor und ergreift strukturelle Massnahmen: So unterbreitet er dem Parlament 1996 zwei Berichte über die neue öffentliche Verwaltung, in denen es insbesondere um eine Revision des Status der öffentlichen Hand und der Subventionspolitik geht. Seine umfangreiche gesetzgeberische Aktivität umfasst die Gesetze über die Kantonalbank (1988), die Pensionskasse des Staatspersonals (1993) und über den Finanzhaushalt des Staates (1994). Darüber hinaus bemüht er sich um die Revision der gesamten Gesetzgebung, welche die Finanzdirektion betrifft (Gesetz über das Grundbuch, Gesetz über die Katastervermessung, Gesetz über die Handänderungs- und Grundpfandrechtssteuern).

Aufgrund seiner politischen Erfahrung und seiner Sachkenntnisse denkt Morel an eine eventuelle Kandidatur für den Bundesrat. An einer tumultartigen kantonalen Versammlung in Freiburg kann er 1987, auf die moderate Hilfe seiner Anhänger angewiesen, nicht die breite Mehrheit erlangen, die er für erforderlich hält. Das Misstrauen, das ihm mehrmals entgegenschlägt, bewegt ihn, aus der SP auszutreten und die Gründung der Demokratisch-sozialen Partei (DSP) zu unterstützen. Trotz dieser Abspaltung ist die Karriere des Finanzdirektors nicht gefährdet: 1991 wird er mit einem glanzvollen Ergebnis wiedergewählt. Auf Bitten seiner neuen Partei kandidiert er im gleichen Jahr für den Ständerat, ohne jedoch gewählt zu werden.

Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung im Jahr 1996 bleibt Félicien Morel weiterhin aktiv. Bis Ende 1999 ist er Mitglied des Bankenrats der Schweizerischen Nationalbank. Von 2000 bis 2004 sitzt er im Verfassungsrat des Kantons Freiburg, von 2001 bis 2006 im Generalrat von Belfaux. Dieser entsendet ihn in die Konstituierende Versammlung der Agglomeration. Von 1998 bis 2006 präsidiert er zudem die kantonale Kommission der Loterie romande. Sein soziales Engagement kommt darin zum Ausdruck, dass er 2003 im Stiftungsrat der Fondation Nicole Niquille für das Spital von Lukla (Nepal) Einsitz nimmt und deren Schatzmeister wird. Er lernte die schlechte sanitäre Situation des Volks der Sherpa als Alpinist aus eigener Erfahrung kennen, 2001 bestieg er den 8201 Meter hohen Cho-Oyu.

Aus dem Französische übersetzt, aus: «LE CONSEIL D'ETAT FRIBOURGEOIS – 1848 – 2011 – Son histoire, son organisation, ses membres» ¦ ISBN: 978-288355-153-4 ¦ Editions La Sarine

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