6. August 2021 -11h01

Die ursprünglich aus dem Schwarzen Meer stammende Quaggamuschel dringt in besorgniserregendem Tempo in die Seen und Flüsse der Schweiz ein. Ihre Entwicklung könnte beträchtliche wirtschaftliche und ökologische Kosten verursachen. Die jüngsten Untersuchungen zeigen, dass die Quaggamuschel nach dem Neuenburgersee nun auch im Murtensee vorkommt. Der Lessocsee, der Greyerzersee, der Pérolles-See und der Schiffenensee bleiben hingegen verschont. Das Amt für Umwelt weist darauf hin, dass Eigentümer von Freizeitbooten ihre Boote mit einem Hochdruckreiniger säubern müssen, wenn sie diese von einem Gewässer in ein anderes verlegen. Dadurch soll die Ausbreitung der Muschel eingedämmt werden.

Die Quaggamuschel (Dreissena rostriformis bugensis) ist eine aus dem Schwarzmeerraum stammende Süsswassermuschel, die 2015 erstmals in der Schweiz nachgewiesen wurde. Sie besiedelt sowohl Seen als auch Fliessgewässer. Aktuell ist ihr Vorkommen in der Schweiz im Bodensee, im Genfersee, im Neuenburgersee und im Bielersee bestätigt. Die neuesten Probenanalysen zeigen jedoch, dass die Quaggamuschel nun auch im Murtensee vorkommt. In den Seen von Lessoc, Greyerz, Pérolles und Schiffenen wurde sie hingegen nicht nachgewiesen. Diesen Herbst sind neue Analysekampagnen geplant, um die Entwicklung der Situation zu verfolgen.

Reinigung der Boote und der Wassersport- und Fischereiausrüstung

Die im Juni 2020 ergriffenen Massnahmen konnten die Besiedlung des Murtensees nicht verhindern. Um eine Verschleppung der Quaggamuschel aus den bereits besiedelten Seen in noch nicht besiedelte Gewässer so weit wie möglich zu verhindern, müssen Eigentümer von Freizeitbooten ihre Boote mit einem Hochdruckreiniger säubern, wenn sie diese von einem Gewässer in ein anderes verlegen. Organismen können an der Aussenhaut, im Motor oder im Kühlwasser von Booten sowie mit Wassersport- und Fischereiausrüstung (überall dort, wo nasse Ausrüstung oder Wasser transportiert wird) verschleppt werden.

Jeder, der eine Quaggamuschel entdeckt, wird gebeten, ein Foto und den Fundort an das AfU an quagga@fr.ch zukommen zu lassen.

Eine invasive Spezies

Im Vergleich zur ebenfalls invasiven Zebramuschel (Dreissena polymorpha), die in der Schweiz mehr oder weniger flächendeckend verbreitet ist, dringt die Quaggamuschel auch in grössere Tiefen vor. Sie erreicht somit Bereiche, in denen sich die für die Trinkwasserversorgung notwendigen Anlagen (Filter und Fassungsleitungen) befinden. Da sie sich auch in Gewässern mit niedrigen Temperaturen (ab 5 °C) und bei schlechterer Nährstoffversorgung vermehren kann, ist sie in der Lage, sich das ganze Jahr über und möglicherweise auch in höher gelegenen Gewässern zu reproduzieren. So kann sie erhebliche wirtschaftliche und ökologische Kosten verursachen.

Die jüngste Studie hat gezeigt, dass eine weitere invasive Muschelart (Corbicula Fluminea) im Murtensee und im Schiffenensee vorkommt. Diese Molluske wurde erstmals Anfang der 2000er Jahre in Freiburg nachgewiesen. Sie ist für das Ökosystem jedoch weniger problematisch als die Quaggamuschel und besiedelt auch nicht die Trinkwasserversorgungsanlagen.