Ein kantonaler Nutzungsplan, um das AgriCo-Gelände zu einem Campus zu machen, auf dem man sich wohl fühlt und der eine führende Rolle bei den Innovationen im Lebensmittelsektor spielt

19. April 2021 -14h00

Der kantonale Nutzungsplan (KNP) AgriCo in Saint-Aubin wird ab 23. April öffentlich aufgelegt. Die Eckpunkte lauten: Potenzial für 1600 Arbeitsplätze innerhalb von 15 Jahren, ein Standort, der wirtschaftliche Entwicklung und Inwertsetzung des baulichen Erbes zusammenbringt, sowie ein Campus, der nachhaltig ist und beste Rahmenbedingungen für Arbeit und Innovationen sowie hochwertige öffentliche Räume und Grünflächen bietet. Der KNP definiert den allgemeinen Rahmen, die Grundsätze sowie die städtebaulichen und landschaftlichen Massnahmen für eine koordinierte und durchdachte Entwicklung des 2017 vom Staat Freiburg erworbenen, 270 700 m2 grossen Geländes. Als Instrument zur Schaffung von Synergien auf mehreren Ebenen und zur Gewährleistung einer guten Lebensqualität und Urbanisierung ermöglicht der KNP es, im Rahmen eines Industriegeländes die architektonischen und denkmalpflegerischen Merkmale des ursprünglichen Standorts in Wert zu setzen, indem er mehrere Sektoralpolitiken miteinander koordiniert.

AgriCo © Etat de Fribourg - Staat Freiburg

Der KNP schafft die nötigen Rahmenbedingungen für die Entwicklung des AgriCo-Geländes, das der Schaffung von Arbeitsplätzen in den Bereichen Landwirtschaft, Ernährung und Biomasse gewidmet ist. Es wurde als Werkzeug konzipiert, das es ermöglicht, alle zukünftigen Projekte in Übereinstimmung mit der Vision für den Sektor zu entwickeln, nämlich einen nachhaltigen, offenen Campus, der gute Arbeits-, aber auch Lebensbedingungen bietet und den Austausch fördert.

Sein Ziel ist, eine bestehende und gut gelegene Arbeitszone zu stärken, zu entwickeln und zu fördern, was ganz auf der Linie des Bundesgesetzes über die Raumplanung (RPG) ist. Längerfristig wird es möglich sein, nicht nur Saint-Aubin, sondern den gesamten Broyebezirk als einen der wesentlichen Pfeiler der Strategie für den Lebensmittelsektor des Staats Freiburg zu profilieren. Zudem wird im Kanton Freiburg dank der engen Zusammenarbeit mit Grangeneuve und vor allem der künftig in Posieux zusammengezogenen Tätigkeiten von Agroscope ein echter Cluster in diesem Bereich geschaffen.

Das Projekt wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Amt für Kulturgüter (KGA) entwickelt und wird es ermöglichen, die wirtschaftliche Entwicklung und die Aufwertung eines geschützten Ortsbilds mit Gebäuden, die im Verzeichnis der zeitgenössischen Architektur des Staats Freiburg aufgeführt sind, in Einklang zu bringen. Die zukünftigen Bauten und Entwicklungen müssen sich harmonisch in das Gelände einfügen, mit dem Ziel, die zu erhaltenden Bestandteile des Kulturerbes, die vorhandenen Landschaftsöffnungen und den ursprünglichen Charakter des Geländes und dessen Qualität in Wert zu setzen.

Es soll ein echtes Campus-Gefühl geschaffen werden, mit einem offenen Gelände, das den Fokus im ganzen Perimeter auf den Langsam- und Fussgängerverkehr und auf hochwertige öffentliche Räume legt. Es wurde ein Energiekonzept erstellt, das eine rationelle Energienutzung und die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien anstrebt. Geplant ist eine starke Grünachse mit bewahrten Landschaftsöffnungen. Die von den Architekten Zweifel und Stricker sowie im Jahr 1968 von Kurt Gloor entworfene Promenade, die die landschaftliche Atmosphäre des Geländes prägt und ihm eine bemerkenswerte Qualität verleiht, wird ihre Funktion als landschaftlicher Rahmen beibehalten und es ermöglichen, den Nutzerinnen und Nutzern einen attraktiven und komfortablen Raum sowie Orte zum Ausruhen und Entspannen zu bieten. Der Plan berücksichtigt auch das Revitalisierungsprojekt für die Kleine Glane, das im vergangenen Mai öffentlich aufgelegt worden war. Der für die Umsetzung der Revitalisierung notwendige Raum wird reserviert.

Für das Gelände wird zudem ein multimodaler Mobilitätsplan erstellt werden. Die Verkehrs- und Parkierungsinfrastrukturen für den motorisierten Individualverkehr werden optimiert, um ihre Auswirkungen auf das Gelände und das Strassennetz und seine Umgebung zu reduzieren. Hierfür soll der motorisierte Verkehr in der Peripherie bleiben. Innerhalb des Geländes ist nur der für den Betrieb der Unternehmen notwendige motorisierte Verkehr erlaubt. Der KNP-Entwurf sieht den Bau eines Silo-Parkhauses für etwa 1000 Parkplätze vor.

Am Eingang des Geländes wird eine neue Bushaltestelle eingerichtet, um das Gelände mit dem öffentlichen Verkehr zu erschliessen. Weiter sind zwei Strassenzufahrten geplant: die Route des Vernettes als Hauptzufahrt, die vorrangig für die Personen, die auf dem Gelände arbeiten, sowie den Schwerlastverkehr und den öffentlichen Verkehr gedacht ist, sowie die Route de la Petite-Glâne als Nebenzufahrt für die Besucherinnen und Besucher. Dieser doppelte Zugang sorgt für eine bessere Verkehrsqualität. Die Möglichkeit der Schaffung eines neuen Strassenzugangs wird untersucht werden, wenn die Schwelle von 2500 Fahrzeugbewegungen pro Tag erreicht wird.

Der KNP wurde dem Oberamt, dem Regionalverband COREB und den betroffenen Gemeinden und Behörden zur Vorprüfung vorgelegt. Die öffentliche Auflage wird am 23. April beginnen und 30 Tage dauern. Die Schlussprüfung und Behandlung allfälliger Einsprachen erfolgen bis zum Herbst. Die Genehmigung des KNP durch die RUBD und dessen Inkraftsetzung werden für Anfang nächstes Jahr erwartet.

Aufgrund der aktuellen Gesundheitslage können die öffentlichen Informationsveranstaltungen, die die Auflage des KNP begleiten, nicht in Form von Präsenzveranstaltung abgehalten werden. Um die strikte Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen von Bund und Kanton zu gewährleisten, werden stattdessen ein Film, der den KNP vorstellt, sowie die verschiedenen Dokumente im Zusammenhang mit dem Projekt auf der Website des Bau- und Raumplanungsamts (www.fr.ch/brpa) zur Einsichtnahme aufgeschaltet werden. Fragen können ab dann an folgende Adresse gerichtet werden: seca@fr.ch. Auf Anfrage (Tel. 026 / 305 36 13) werden die Informationsunterlagen zum KNP auch per Post zugestellt. Interessierte können zudem ihre Fragen telefonisch unter der Nummer 026 / 305 36 08 an die Staatsräte Jean-François Steiert und Olivier Curty am 6. Mai von 17.20 bis 18.20 Uhr richten. Nicht zuletzt steht das BRPA während der gesamten Dauer der Auflage für technische Fragen telefonisch zur Verfügung: Dienstagnachmittags antwortet Frau Charlotte Gautier zwischen 13.00 und 17.00 Uhr (026 /305 61 51) und donnerstagnachmittags Frau Sarah Augier (026 / 305 47 23), ebenfalls von 13.00 bis 17.00 Uhr.

 


Das AgriCo-Gelände wurde in den späten 1960er-Jahren als landwirtschaftliches Forschungszentrum von Ciba-Geigy gebaut, das 1996 zu Novartis wurde. Im Jahr 2014 wurde der Standort dann von Elanco gekauft.

Der Staat Freiburg hat das Gelände 2017 im Rahmen seiner Wirtschaftsförderungsstrategie und aktiven Bodenpolitik erworben. Der Standort ist Teil eines starken und kompletten Ökosystems, das Innovationen durch vielfältige Synergien zwischen institutionellen, akademischen und privaten Akteuren des Agrar- und Ernährungssektors fördert.

Das Gelände wird derzeit von der kantonalen Anstalt für die aktive Bodenpolitik (KAAB) verwaltet und bietet Industrien und KMU ein stimulierendes Umfeld mit grossen Bauzonen sowie bereits bestehenden Büros, Labors und ausgestatteten Produktionshallen. Es zählt derzeit rund zwanzig Mieter. Micarna hat ein 95 000 m2 grosses Grundstück erworben, um einen neuen Geflügelverarbeitungsbetrieb zu bauen. Für Grossversuche steht eine landwirtschaftliche Fläche von ca. 10 ha zur Verfügung.

Geplant ist eine vierstufige Entwicklung des Geländes mit einem Potenzial an 1600 Arbeitsplätzen bis 2034 und einer Investition von rund 1 Milliarde Franken über die Zeit.