Weltwassertag: "Die Welt hat Durst, weil wir Hunger haben"

21. März 2012 -15h15

Am Weltwassertag, welcher jeweils am 22. März stattfindet, starten die Vereinten Nationen eine Kampagne um die breite Öffentlichkeit auf die Bedeutung des Wassers für die Menschheit hinzuweisen. In der Schweiz braucht eine Person pro Tag 4'200 l virtuelles Wasser infolge seines Konsum- und Kaufverhaltens.

Dieses Jahr steht der Weltwassertag unter dem Motto „Wasser und Nahrungssicherheit" oder auch „Die Welt hat Durst, weil wir Hunger haben". Tatsächlich ist es so, dass wir aufgrund von unserem Konsumverhalten einen wesentlichen Einfluss auf den weltweiten Wasserverbrauch nehmen. So verbraucht ein durchschnittlicher Schweizer im Haushalt 162 l Wasser pro Tag und Person. Dieses Wasser wird für das Trinken, Kochen, Waschen und alle anfallenden Arbeiten im Haushalt verwendet. Dieselbe Person verbraucht jedoch 2000-5000 l sogenannt virtuelles Wasser. Es handelt sich hierbei um einen indirekten Wasserverbrauch, der davon abhängt, welche Lebensmittel wir essen oder welche Produkte wir kaufen. Laut der neuesten Studie des WWF-Schweiz verbraucht die Schweizer Bevölkerung durchschnittlich 4200 l virtuelles Wasser pro Person und Tag. Dabei steckt in jedem Produkt virtuelles Wasser und somit auch in den Nahrungsmitteln, welche wir für unseren täglichen Bedarf brauchen. Es wird geschätzt, dass die landwirtschaftliche Produktion einen Anteil von 70% an das virtuelle Wasser beisteuert.

Es gibt jedoch beträchtliche Unterschiede je nach dem um was für ein Produkt es sich handelt. So braucht z. B. eine Tasse Kaffee 140 l, 1 kg Kartoffeln 250 l, 1 kg Reis 3'400 und ein Kilogramm Rindfleisch lässt den Wasserverbrauch auf 15'000 l ansteigen. Es ist jedoch auch so, dass ähnliche Güter eine unterschiedliche Bilanz beim virtuellen Wasser aufweisen. So ist der virtuelle Wasserverbrauch einer Schweizer Tomate kleiner als einer Tomate aus dem südlichen Europa. Wobei es nochmals einen Unterschied macht, ob die Tomate in der Schweiz bewässert wurde und/oder in einem Treibhaus gewachsen ist.

Man unterscheidet zwischen „grünem", „blauem" und „grauem" Wasser. Beim grünen Wasser handelt es sich um den natürlichen Niederschlag und die Bodenfeuchte. Die Bewässerung ergibt das blaue Wasser und beim grauen Wasser wird auch das benötigte Wasser mit eingerechnet, welches für die Herstellung und den Einsatz von Dünger und Pestiziden anfällt. Bioprodukte aus der Nachbarschaft weisen deshalb eine doppelt so gute Wasserbilanz auf, verglichen mit den Produkten, welche gedüngt, gespritzt und von weit her transportiert werden.

Einen weiteren wichtigen Punkt in der Betrachtungsweise des virtuellen Wassers ist der Anteil des importierten Wassers. Das heisst der Anteil, welcher durch Warenimporte in die Schweiz kommt. Für die Schweiz wird dieser Anteil auf rund 80% geschätzt. Das Ganze wird für die Umwelt zu einem Problem, wenn trockene Regionen bei der Produktion dieses virtuellen Wassers betroffen sind. So exportiert zum Beispiel Australien als einer der trockensten Regionen dieser Erde sehr viel virtuelles Wasser. Dies hauptsächlich aufgrund der landwirtschaftlichen Praktiken. Die Folgen aufgrund einer Übernutzung sind für die betroffenen Regionen verheerend. Flussläufe können zeitweise oder ganz austrocknen und Seewasserspiegel sinken kontinuierlich. So hat zum Beispiel der Aralsee zwischen 1960-2000 80 % seines Wasservolumens eingebüsst. Grundwasserspiegel werden abgesenkt und damit Quellen oder Pumpbrunnen trockengelegt. Moore verschwinden von der Bildfläche. Die Biodiversität nimmt ab. Aufgrund der zunehmenden bewässerten Flächen, werden Produkte wie Dünger und Pestizide stärker ausgewaschen und verursachen eine Verschmutzung des Grundwassers und der Flüsse. Die bewässerten Flächen haben sich in den letzten 40 Jahren von 150 auf 300 Millionen Hektaren verdoppelt.

Was kann jeder Einzelne dazu beitragen, dass auf der Erde die Wasserressourcen nicht übernutzt werden, dass Regionen mit wenig Niederschlag ihres wenige Wasser nicht verschwenden? Dem einzelnen Produkt sieht man kaum an, wie viel virtuelles Wasser drinsteckt. Es gibt jedoch ein paar Regeln, welche helfen können, seinen Beitrag zum weltweiten schonenden Umgang mit Wasser zu leisten.

Der grösste Anteil des verbrauchten Wassers in der Landwirtschaft geht auf die Produktion von Fleisch zurück. So verbraucht die Produktion von 20 Kilogramm Rindfleisch die gleiche Menge Wasser wie die Herstellung eines Mittelklassewagens. Der Entwickler des Konzeptes vom virtuellen Wasser Tony Allan reduzierte seinen Kommentar zu diesem Thema auf einen Satz: „Seid vernünftig, esst weniger Fleisch!"

Als generelle Hilfe beim Einkaufen von Nahrungsmitteln mit einem kleinen Anteil von virtuellem Wasser gilt auch der Grundsatz, dass in biologisch und lokal produzierten Waren weniger Wasser versteckt ist. Dasselbe gilt natürlich auch für das Saisongerechte Einkaufen. Denn in jedem Transport oder in jeder Produktion in einem Treibhaus findet sich verstecktesWasser.

Zum Schluss geht es auch darum, mit seinem Konsum- und Kochverhalten möglichst wenig Abfall zu produzieren und gegebenenfalls die Reste am nächsten Tag weiter zu verwerten.

Schlussfolgernd kann gesagt werden, dass jeder Mensch mit seinem Konsumverhalten von Nahrungsmitteln sehr viel zur Erhaltung unserer kostbarsten Ressource Wasser beisteuern kann. In der Schweiz ist das Wassersparen in einem Haushalt schon zur Selbstverständlichkeit geworden und dies ist gut so. Wir sollten jedoch weiter denken, an Regionen, welche nicht so reich mit Wasser beschenkt wurden wie wir und unser Konsumverhalten dementsprechend anpassen. Der Wasserkreislauf wird es Ihnen danken.

Wie viel Wasser wird zur Herstellung eines Nahrungsmittels gebraucht ?

Wie viel Wasser wird zur Herstellung eines Nahrungsmittels gebraucht ?

Quelle: www.unwater.org/worldwaterday

Weitere Informationen
www.unwater.org/worldwaterday
www.fao.org
www.virtuelles-wasser.de
http://www.bafu.admin.ch/dokumentation/umwelt/11674/11690/index.html?lang=de
www.wwf.ch Bericht über „Der Wasserfussabdruck der Schweiz"