Freiburger Konjunkturspiegel - neue Ausgabe

Eine Quartalsübersicht über die Freiburger Wirtschaft, speziell für die Wirtschaftskreise des Kantons

Conjoncture fribourgeoise
Conjoncture fribourgeoise © Alle Rechte vorbehalten

Indikatoren: Februar 2021

Diese Indikatoren fassen die wichtigsten Resultate der KOF-Konjunkturumfrage in der Industrie und im Detailhandel zusammen. Sie bieten auch eine Übersicht über die konjunkturellen Tendenzen in der Bevölkerungsentwicklung, im Arbeitsmarkt, im BIP, in den Konkursen, im Energieverbrauch, im Bauwesen, in der Hotellerie, im Fahrzeugbestand, im Wechselkurs und in der Börse.

Février 2021
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Kommentar

Weltwirtschaft mit vorsichtigem Optimismus

Die negativen Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaft konnten bis jetzt in Grenzen gehalten werde, insbesondere in den Industriestaaten. Dazu beigetragen haben Unterstützungsmassnahmen durch die Staaten. Dies hat allerdings zu einer höheren Verschuldung geführt. In den USA und Japan entwickelt sich die Wirtschaftsdynamik besser als erwartet, obwohl in den USA die Arbeitslosigkeit am Steigen ist. China erfährt auf Grund des resoluten Durchgreifens bei der Bekämpfung der Pandemie eine solide Erholung der Wirtschaft. Der Internationale Währungsfond (IWF) erwartet für das Jahr 2021 ein Wachstum des BIPs um +5,5% und für das nächste Jahr +4,2%. Für die Zukunft herrscht aber grosse Unsicherheit und Sorge. Die Impfung der Bevölkerung verläuft nicht so reibungslos wie gewünscht, die neuen Virus-Varianten sind auf dem Vormarsch und eine erneute Zunahme der Ansteckungen könnte zu weiteren Lockdowns führen. Auch der Erdölpreis wird sehr wahrscheinlich ansteigen. Immerhin konnte ein No-Deal-Brexit abgewendet werden, was sowohl für Grossbritannien als auch für die EU das Schlimmste verhindern konnte. Es wird erwartet, dass der internationale Handel um 8% (2021) resp. um 6% (2022) wachsen wird. Eine wichtige Voraussetzung für die Erholung ist auch, dass die Zentralbanken ihre Leitzinse bis Ende 2022 tief halten und die Unterstützungsmassnahmen beibehalten werden, solange es nötig ist. Ansonsten würden die Arbeitslosigkeit und die Anzahl Konkurse stark ansteigen. Man kann in der Krise aber auch eine Chance sehen. Die Weltwirtschaft könnte auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit und Digitalisierung einen neuen Schub erhalten.

Schweizer Unternehmer vor grossen Unsicherheiten

Die Covid-19-Pandemie ist dadurch charakterisiert, dass die Situation sehr schnell ändern kann und damit das Erstellen von Konjunkturprognosen sehr schwierig wird. So musste die Expertengruppe des Bundes im Dezember die BIP-Prognose für das Jahr 2021 nach unten korrigieren und erwartet nun ein Wachstum von +3,2 % (Prognose von Oktober: +4,2 %). Durch die zu erwartende Verbreitung der englischen Variante des Virus sah sich der Bundesrat gezwungen, die Corona-Gegenmassnahmen im Januar zu verschärfen, was einen Dämpfer für die Schweizer Wirtschaft bedeutete. Aus diesem Grund wurde die BIP-Prognose für das laufende Jahr noch einmal nach unten revidiert. Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich hat das Wachstum des BIP im Jahr 2021 von +3,2% (Prognose vom Dezember 2020) auf +2,1 % gesenkt. Am meisten leiden müssen die Dienstleistungsbereiche, insbesondere das Gastgewerbe. In dieser Branche fürchtet jeder zweite Betrieb den Konkurs. Auch im Detailhandel dürfte sich, nach einem verhältnismässig guten Start ins neue Jahr, die Geschäftslage aufgrund der vom Bundesrat angeordneten Schliessungen verschlechtern. Im Gegensatz dazu ist das verarbeitende Gewerbe, und hier vor allem die binnenorientierten Unternehmen, weiterhin auf Erfolgskurs und sieht eher zuversichtlich in die Zukunft. Sorgen bereitet aber der Aussenhandel, der im letzten Jahr stark zurückgegangen ist (-7,1% im Export und -11,2% im Import).

Der Kanton Freiburg ist noch nicht über dem Berg

Der folgende Kommentar für den Kanton Freiburg basiert auf den Ergebnissen der KOF-Konjunkturumfrage vom Januar 2021. Der Bundesrat hat zwar die Verschärfung der Schutzmassnahmen am 13. Januar verkündet, aber es ist kein Meinungsumschwung in der Industrie bei den Antworten vor und nach dem Entscheid festzustellen. Der Geschäftsgang hat sich nach einer kurzen Erholung im Herbst 2019 wieder verschlechtert. Angesichts der coronabedingten Umstände bleibt der Rückgang allerdings noch im Rahmen. Die positiven Erwartungen in der zweiten Hälfte des letzten Jahres mussten allerdings nach unten korrigiert werden. In allen Branchen erweist sich der Nachfragemangel als Hauptproduktionshemmnis. Selbst in der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, die sonst sehr krisenresistent ist, sind die meisten Unternehmer mit der Geschäftslage unzufrieden. Nur gerade die Chemie-, Pharma- und Kunstoffprodukteindustrie sieht die Lage nicht ganz so düster. Hier macht nur der niedrige Auftragsbestand Sorgen. Im Detailhandel ist der Grossteil der Antworten vor den Schliessungen eingegangen. Darum ist die Interpretation der Resultate heikel. Der Geschäftsgang schien anfangs Jahr noch relativ gut. Die Aussichten für die nächsten sechs Monaten sind aber ähnlich pessimistisch wie beim ersten Lockdown. Obwohl die Arbeitslosenquote im Januar auf rekordverdächtige 3,9% gestiegen ist, kann man in der saisonbereinigten Zeitreihe nach dem Anstieg zu Beginn der Pandemie sogar einen kleinen Rückgang von 0,1 Prozentpunkten im Vergleich zum Vormonat feststellen, womit die Quote bei 3,3% liegt. Dies ist den Unterstützungsmassnahmen zu verdanken. Die laufenden Anträge auf Kurzarbeit haben darum seit letztem Herbst wieder zugenommen. Die Anzahl Konkurse blieb hingegen durchschnittlich. Die Anzahl Logiernächte in den Hotels hat in einem ähnlich besorgniserregenden Ausmass wie beim ersten Lockdown abgenommen.

 

Quellen

Internationaler Währungsfonds (IWF), SNB, Bundesamt für Statistik, Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, Institut Créa d'économie appliquée de la Faculté HEC de l’Université de Lausanne, Amt für den Arbeitsmarkt des Kantons Freiburg, Amt für Statistik des Kantons Freiburg