Gewalt in Paarbeziehungen : Information und Ausbildung der Fachpersonen und des Justizwesens

Gewalt in Paarbeziehungen stellt für Fachpersonen noch immer eine befremdende Thematik dar, wobei sie insbesondere mit ihrem zyklischen Charakter konfrontiert werden. Fachpersonen, die Kontakt zu von Gewalt in Paarbeziehungen betroffenen Personen haben, sollen lernen, wie sie am besten handeln können.
Das Justizwesen hat oft mit Fällen von Gewalt in Paarbeziehungen zu tun. Ein besseres Verständnis der Dynamik und der Auswirkungen der Gewalt in Paarbeziehungen ermöglicht eine adäquate juristische Betreuung und ist sowohl auf Ebene der Opfer als auch auf Ebene der Kinder oder der gewaltausübenden Personen sinnvoll.

La violence au sein du couple et ses impacts sur la famille
La violence au sein du couple et ses impacts sur la famille © Tous droits réservés

Fachpersonen für Gesundheit und Soziales und die Polizei sind oftmals die ersten Ansprechpersonen der Opfer von Gewalt in Paarbeziehungen, sowohl in Krisensituationen als auch bei der Früherkennung und der Weiterleitung der Betroffenen.
 
Bei den Zeugenaussagen wird deutlich, dass die Fachpersonen Schwierigkeiten haben, Vielfalt und Komplexität der Situationen von Gewalt in Paarbeziehungen zu erkennen. Sie fühlen sich in solchen Situationen oftmals hilflos. Der gesetzliche Hintergrund und die existierenden Strukturen sind nicht bekannt, genauso wenig die Rolle der involvierten Akteurinnen und Akteure. Auch bekunden die Fachpersonen ihre Angst vor den Folgen ihres Handelns und davor, etwas «falsch» zu machen. Aus ihren Gefühlen der Ohnmacht und des Unverständnisses machen sie ebenfalls keinen Hehl. 

Des Weiteren muss der Aspekt der Betreuung von Kindern, die Gewalt in der Paarbeziehung der Eltern miterleben müssen, ausgebaut werden. Die Fachpersonen müssen sowohl für den Zeitpunkt des Eingreifens (z. B. durch die Polizei) als auch für die weitere Betreuung sensibilisiert werden.

Die Weiterbildung der Fachpersonen ist ein zentrales Element im Kampf gegen die Gewalt in Paarbeziehungen. Sie ermöglicht eine effiziente Betreuung in Krisensituationen, aber auch das Erkennen, Beurteilen und Erbringen von passenden Antworten für die Betroffenen (Opfer, Täter/innen, Umfeld).


DOTIP (Gewalt in Paarbeziehungen erkennen - die Opfer unterstützen, vernetzen, informieren und schützen)

Die Fachpersonen, die diese Gewaltform erkennen oder vermuten, werden durch die besonderen Mechanismen der Gewalt in Paarbeziehungen sowie die Bindung zwischen Täter- und Opferperson häufig verunsichert.

Um die Fachpersonen beim Umgang mit Gewalt in Paarbeziehungen zu unterstützen, hat das GFB  den Leitfaden DOTIP (Gewalt in Paarbeziehungen erkennen - die Opfer unterstützen, vernetzen, informieren und schützen) aktualisiert. Das Dokument enthält unter anderem nützliche Adressen, eine Beschreibung der Gewaltspirale in der Paarbeziehung sowie die aktualisierten Gewaltdelikte. Zudem behandelt es neue, spezifische Themen, wie Kinder als Opfer von Elterngewalt, Migration und Aufenthaltsrecht im Kontext von Gewalt in Paarbeziehungen sowie Stalking (Nachstellung).

Zusätzliche DOTIP-Exemplare auf Deutsch oder Französisch können Sie beim GFB telefonisch unter 026 305 23 86 oder per E-Mail an bef@fr.ch bestellen.
 

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