Naturgefahren: Erdbeben

Erdbeben
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Vorstellung

Die Erdkruste besteht aus mehreren grossen Lithosphärenplatten sowie einer Vielzahl kleinerer Bruchstücke. Diese Platten konvergieren, divergieren oder bewegen sich aneinander vorbei (Transformstörung). Riesige Spannungen, die sich aus den Reibungen der Gesteinsmassen ergeben, sammeln sich laufend in der Erdkruste. Diese Spannungen bauen sich manchmal plötzlich entlang von Brüchen ab. Das Brechen erzeugt eine Erschütterung, die sich in Form von Druckwellen vom Hypozentrum aus in alle Richtungen verbreitet: Ein Erdbeben tritt auf. Das Epizentrum ist der Ort an der Erdoberfläche, der dem Erdbebenherd am nächsten ist. Die Wellenenergie ist dort noch stark (je nach Tiefe) und die Schäden schwerer.

Die Erde bebt viel öfter als man denkt. Kleine Beben mit Magnitude 3 oder weniger auf der Richter Skala gibt es täglich über hundert Mal.  Selbst ganz große Erdbeben mit Magnitude 7 kommen etwa 10-mal jährlich vor. Allerdings liegen grosse Teile der aktiven Plattengrenzen im Ozean oder in gering besiedelten Gebieten, daher fällt die eigentlich sehr hohe Zahl von Beben nicht so auf.

Gefahren

Die Hauptgefahr eines Erdbebens liegt in den horizontalen und vertikalen Schwingungen, die je nach ihrer Stärke die Gebäuden und Infrastrukturen beschädigen können.

Für die Bevölkerung sind die grössten Gefährdungen im Falle eines Erdbebens der Einsturz von Gebäuden, der Absturz von hängenden Elementen (Zwischendecke, Belüftungen, Dachplatten, usw.) und der Umsturz von Schränken und Regalen.

Die Erdbeben führen auch zu bedeutenden wirtschaftlichen Verlusten infolge der zahlreichen Schäden, die sie an  Gebäuden und Infrastrukturen verursachen, sowie wegen   des Unterbruchs der Wirtschaftstätigkeit nach dem Erdbeben.

Auf umweltlicher Ebene können die Erdbeben Erdrutsche, Bergrutsche und Bodenverflüssigungen verursachen. Boden- und Grundwasserverschmutzungen können auch infolge allfälliger Industrieunfälle auftreten.

Nachfolgende Gefahren:

  • Dämme
  • Erhöhung der Strahlung
  • Stationären Anlagen
  • Grossbrände
  • Stromausfälle
Begriffserklärungen

Epizentrum / Hypozentrum
Das Epizentrum ist das senkrecht auf die Erdoberfläche projizierte Hypozentrum (Zentrum eines Erdbebens oder Erdbebenherd).

Erdbebengefährdung
Die Erdbebengefährdung gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass eine bestimmte Bodenbeschleunigung an einem gewissen Ort und während eines gewissen Zeitraums auftritt.

Intensität
Die Intensität beschreibt die Auswirkungen eines Erdbebens an einem vorgegebenen Ort. Sie wird mit der aus 12 mit römischen Ziffern dargestellten Stufen bestehenden MSK-Skala gemessen: von I, nur von Erdbebenmessgeräten registriert, bis XII, starke Veränderungen an der Erdoberfläche. Ab VI sind nennenswerte Schäden zu beklagen.

Magnitude
Die Magnitude M ist ein Mass für die während eines Erdbebens im Herd freigesetzte Energie. Sie wird auf der offenen Richter-Skala gemessen. Schäden können ab M=4 und schwerwiegende Folgen ab M=5 auftreten. Die Richter-Skala ist eine logarithmische Skala: Für jede Einheit wird 32-mal mehr Energie erzeugt.

Nachbeben
Der Hauptbruch verursacht verschiedene Nebenbrüche, die in der Regel eine abnehmende Magnitude aufweisen. Diese Wiederholungen des Erdbebens werden als Nachbeben bezeichnet und können sich über einen Zeitraum von einigen Minuten bis mehr als ein Jahr erstrecken. Die Nachbeben können bestimmte Schäden verschlimmern und das Krisenmanagement erschweren. Sie können, während die Rettungsdienste am Werk sind, zum Einsturz von Gebäuden, die nur beschädigt worden waren, führen.

Verantwortung

Zwei Prinzipien bilden den Schutz im Erdbebenfall: die Prävention und der Einsatz bei Katastrophen. In diesem Zusammenhang wurden die Aufgaben der verschiedenen staatlichen Akteure wie folgt aufgeteilt:

Bund:

  • Erdbebenüberwachung und Gefährdungsanalyse (SED)
  • Sicherheit seiner eigenen Werke
  • Bewilligung von bestimmten Infrastrukturprojekten
  • Aufsicht von Kernenergie- und Stauanlagen
  • Unterstützung des Einsatzes im Falle eines Ereignisses

Kantonen / Gemeinden:

  • Bestimmung der lokalen Erdbebengefährdung (Karten der Baugrundklassen / Mikrozonierung)
  • Sicherheit ihrer eigenen Werke
  • Baugesetzgebung (Kantonen) und Baubewilligungen (Gemeinde)
  • Einsatz- und Wiederaufbaumanagement im Falle eines Ereignisses.
Ereignisbeispiele

2016, Amatrice (I)
Am 24. August 2016, um 1 h 36 min 33 s, wurde das Zentrum von Italien durch ein Erdbeben mit einer Magnitude von 6.2 erschüttert. Es forderte 298 Todesopfer, wovon 234 rein in Amatrice, sowie rund 400 Verletzte.

2013, St-Gallen
Eine geothermische Bohrung hat ein Erdbeben der Stärke 3,6 in St. Gallen verursacht. Keine Opfer und keine Schäden sind zu beklagen.

2011, Japan
Ein Erdbeben der Stärke 9 vor der Küste Japans verursachte einen Tsunami, der mehr als 18'000 Todesopfer forderte und die Fukushima-Katastrophe verursachte.

2009, L'Aquila (I)
Dieses Erdbeben mit einer Magnitude von 6.3, das sich um 3 h 32 min 42 s Lokalzeit im Zentrum Italiens ereignete, ist das Schlimmste seit jenem von Irpinia in 1980. Sehr viele Gebäude wurden zerstört oder schwer beschädigt. Die endgültige Bilanz trauert 308 Todesopfer.

1994, Vereinigten Staaten
Am 17. Januar hat ein Erdbeben der Stärke 6,7 Los Angeles und seine Umgebung erschüttert. Es forderte 76 Todesopfer und verletzte mehreren tausend Personen. Die Sachschäden betrugen rund 30 Mrd. USD.

1960, Chile
Das stärkste je registrierte Erdbeben (Stärke 9,5) erfolgte in Chile. Das Erdbeben und der nachfolgende Tsunami forderten 3'000 bis 6'000 Todesopfer.

1885, Wallis
Ein Erdbeben  der Stärke 6 erschüttert Visp und Brig: Ein Todesopfer, mehrere Verletzte und beschädigte Gebäude sind zu beklagen. Die Intensität des Erdbebens wurdein Freiburg und in Bulle auf VI geschätzt.

1356, Basel
Erdbeben von Stärke 6,5 auf der Richter-Skala in Basel. Seine Intensität EMS-98  lag bei IX in Basel und VII in Freiburg. Dieses Erdbeben forderte ungefähr 300 Todesopfer und verursachte mehrere Zerstörungen.

Aktuelle Lage

Die letzten Erdbeben sind aufgeführt unter:

Aktuelle Lage

Verhaltensempfehlungen

Die Erdbeben können nicht vorhergesehen werden. Bestimmte einfache Vorkehrungen ermöglichen allerdings eine Verringerung der möglichen Folgen und Schäden.

Verhalten vor einen Erdbeben:

  • Ein erdbebensicherer Bau bildet den besten Schutz gegenüber den Folgen eines Erdbebens. Das Hauptziel ist hier den Einsturz eines Gebäudes und damit Todesopfer und Verletzte zu vermeiden.
  • Neben dem erdbebensicheren Bauträgt der Abschluss einer Erdbeben-Versicherung zusätzlich zur Verringerung des persönlichen (finanziellen) Risikos bei.
  • Befestigen der Gegenstände, die wegen der Erschütterungen beschädigt werden oder fallen könnten und Verletzungen verursachen. Zum Beispiel: Deckenverkleidungen, Regale und deren Inhalt, Fernseher, Stereoanlagen oder Beleuchtungen.

Verhalten während eines Erdbebens:

  • Im Gebäude
  • In Deckung gehen (zum Beispiel unter einem festen Tisch) und Ruhe bewahren.
  • In Acht nehmen vor herunterfallenden oder umstürzenden Gegenständen (z. B. Regale, schwere Möbel, Fernseher, Musikanlagen und Beleuchtung) sowie die Nähe zu Fenstern und Glaswänden meiden, die zerbrechen könnten.
  • Das Gebäude nur verlassen, wenn die Umgebung sicher ist (wenn z. B. keine weiteren Gegenstände wie etwa Ziegel herunterfallen).
  • Im Freien
  • Im Freien bleiben, nicht in ein Gebäude fliehen.
  • Nähe zu Gebäuden, Brücken, Strommasten, grossen Bäumen und weiteren Dingen meiden, die einstürzen oder herunterfallen könnten.
  • An Gewässern Uferbereich verlassen.
  • In einem Fahrzeug
  • Fahrzeug anhalten und während des Bebens nicht verlassen.
  • Brücken, Unterführungen, Tunnels und Nähe zu Gebäuden am Strassenrand meiden (Einsturzgefahr).

Verhalten nach einem starken Erdbeben:

  • Nachbeben erwarten.
  • Gebäude genau anschauen, um Schäden zu entdecken. Bei grossen Schäden die Gebäude verlassen. (Das Gebäude  könnte einstürzen und einem Nachbeben nicht standhalten).
  • Gas-, Wasser- und Stromleitungen anschauen und diese im Zweifelsfall abschalten.
  • Radio hören oder Fernsehen schauen, um informiert zu bleiben.
  • Die Weisungen der Einsatzkräfte beachten.
  • Nur im Notfall telefonieren. (Das Netz für echte Notfälle freilassen.)

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