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"Quand la Suisse ouvre ses coffres ". Schätze der Sakristei des Freiburger Visitantinnen-Klosters

Unter dem Titel "Quand la Suisse ouvre ses coffres ", präsentiert das musée de la Visitation in Moulins (F) anlässlich seines 25-jährigen Bestehens, vom 18. Mai bis zum 24. Dezember, die Schätze der Sakristei des Freiburger Visitantinnen-Klosters. Besondere Aufmerksamkeit geniesst dabei eine umfassende Sammlung liturgischer Ornamente des 17. bis 20. Jahrhunderts. Aus edlen Seidenstoffen geschneidert, mit Gold-, Silber- und Seidenstickereien geziert, wurden einige dieser Gewänder von den Visitantinnen selbst angefertigt. Diese bemerkenswert gut erhaltene Sammlung wurde seit der Ankunft der Schwestern in Freiburg 1635 zusammengestellt. In Frankreich ist infolge der Zerstörungen während der Französischen Revolution ein solches Kulturerbe nur selten bewahrt.

Diese Ausstellung ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen den Visitantinnen Freiburgs, dem Amt für Kulturgüter des Kantons Freiburg und dem musée de la Visitation in Moulins, die gemeinsam das Buch zur Begleitung der Ausstellung verfasst haben, das die Geschichte der Gemeinschaft, ihrer Gebäude, ihrer Sakristei, ihrer Goldschmiedekunst, ihrer Gemälde und ihrer Gewänder vorstellt.

Diese von den Schwestern ermutigte Gedächtnisarbeit begann mit einer systematischen Bestandsaufnahme des religiösen Erbes des Klosters. Nahezu 2'000 Objekte wurden dokumentiert und fotografiert. Dabei kamen in allen Bereichen, aus allen Epochen stammende und aus verschiedensten Materialien bestehende Unikate zum Vorschein, von kostbaren liturgischen Objekten über Tafelsilber bis hin zu Utensilien aus Silber, Kupfer, Zinn oder Weissblech, von Devotionalien bis hin zu Sanduhren, die den Alltagsrhythmus bestimmen, vom Klostermobiliar bis hin zur Kirchenausstattung. Eine Vielzahl dieser Werke zeugt von den privilegierten Beziehungen, welche die Gemeinschaft fortlaufend zu den Familien der Schwestern, zu ihren Wohltäterinnen und Gönnern, sowie zu ihren Pensionärinnen, Schülerinnen oder Exerzitantinnen zu pflegen wussten. Es war denn auch massgeblich, dieses Kulturerbe in einen historischen Kontext einbetten zu können. Die Visitantinnen pflegen nämlich eine originelle Beziehung zu ihrer Geschichte und stellen seit der Gründung des Ordens 1610 für jedes Kloster Annalen, Rundschreiben und Lebensbeschreibungen zusammen. Sie bewahren so ein wertvolles „Familienarchiv", das den Wissenschaftlern grossherzig zur Verfügung gestellt wurde und es erlaubte, die Geschichte des Klosters in Freiburg neu zu schreiben.

Der Zugriff auf diese primären Quellen und der Zugang zu den Gebäuden ermöglichten es auch, die Geschichte des Ortes Revue passieren zu lassen. Von Jean-François Reyff entworfen und zwischen 1653 und 1663 errichtet, zählen die Kirche mit zentriertem Grundriss und der erste Wohntrakt zu den bedeutenden Bauten der Schweizer Architektur. Sie wurden 1726 durch einen neuen Flügel und 1862 durch ein Pensionat ergänzt, das den Ruf der Freiburger Visitantinnen bis zu seiner Schliessung im Jahre 1922 begründete.

Das Buch, das als Katalog der Ausstellung fungiert, erinnert auch an die jüngere Geschichte der Gemeinschaft im 20. Jahrhundert, Ort des Gebets und der zeitweiligen Zuflucht für zahlreiche Frauen, darunter die Tochter Stalins. Die jetzige Oberin erzählt die Entwicklung ihres Hauses infolge des Aggiornamento der Kirche und des Ordens, aber auch das alltägliche Leben einer von wirtschaftlichen Schwierigkeiten geplagten Gemeinschaft.

Die Ausstrahlung der Visitation beschränkt sich aber nicht auf ihr bewegliches und unbewegliches Kulturerbe. Freiburg spielte in der Wiederbelebung des Ordens nach der Revolution eine entscheidende Rolle. Nachdem sie zahlreiche flüchtende Schwestern und Frauen empfangen und die französische Invasion von 1798 ohne grossen Schaden überstanden hatte, galt die Freiburger Gemeinschaft als Garant der Werte und Bräuche der Visitation. So trug sie durch die „Leihgabe" von Oberinnen zur Wiederherstellung von Ordenshäusern in Frankreich, Italien, Deutschland und zwischen 1812 und 1862 sogar in den Vereinigten Staaten bei. Das Freiburger Kloster war auch die Wiege der Verehrung des heiligen Herzens Jesu, die seit 1865 im Kanton weit verbreitet ist.
Der Garten und Bilder haben in der salesianischen Tradition einen besonderen Platz inne und so wurden ihnen zwei Kapitel gewidmet. Hinter den Klostermauern sichert die Entwicklung der Gärten den Lebensunterhalt der Gemeinschaft und bietet gleichzeitig einen Hort des Friedens und einen Ort der Meditation und der Besinnung auf die Wunder der Natur. Und auch wenn die Ordensvorschriften dazu einladen, sich von Überflüssigem und jeglicher Ornamentik zu lösen, sind Gemälde und Devotionsbilder sehr wohl präsent. Sie begleiten den Weg von den Zellen zu den Altären der Kirche, vorbei an den Oratorien der Gänge. Einige Werke konnten Maler-Schwestern zugeschrieben werden, die so zur Gestaltung der Orte beitrugen, die ihre Vorgängerinnen aus dem 17. Jahrhundert schufen, die nicht gezögert hatten, sich als Kranführerinnen, Maurerinnen, Gipserinnen und Mörtlerinnen zu versuchen, noch eine Besonderheit eines Ortsgebundenen Ordens.

Indem sie verkannte Schätze und Schicksale offenbaren, enthüllen die Ausstellung in Moulins und ihr Katalog die Bedeutung dieser Ordensschwestern in der Stadt und dieser Frauen in ihrer Zeit. Diese Zusammenarbeit zeigt auch die Dringlichkeit auf, dieses Gedächtnis über der Erhaltung des Kulturerbes hinaus zu festigen, um die Rolle der Klostergemeinschaften im gesellschaftlichen Leben Freiburgs und die Modernität ihrer Botschaft in Erinnerung zu rufen.

Gérard PICAUD, Jean FOISSELON et Aloys LAUPER (dir.), Quand la Suisse ouvre ses coffres. Trésors de la Visitation de Fribourg, Somogy éditions d'art et musée de la Visitation, Paris et Moulins, 2018, 320 S. Im Buchhandel, im Visitationskloster oder beim Amt für Kulturgüter zum Preis von 59.- erhältlich.