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Ausstellung und neue Publikation - ein Ehrenplatz dem fotografischen Erbe

"Kulturdenkmäler im ersten Weltkrieg - Fotosammlung Heribert Reiners". Nach der Sommerpause räumt das Amt für Kulturgüter dem fotografischen Erbe einen besonderen Platz ein mit einer Publikation und einer Ausstellung, die an den Einsatz eines Kunsthistorikers an der Front des Kulturgüterschutzes während des 1. Weltkriegs erinnern. Vor genau hundert Jahren wurde der Artillerie-Unteroffizier Heribert Reiners (1884-1860) dem Kunstschutz eingeteilt. Von dieser Mission legte er hunderte von Aufnahmen in sein persönliches Archiv, die nun aufgearbeitet sind.

Das Amt für Kulturgüter des Staats Freiburg (KGA) lädt Sie herzlich zur Ausstellung „Kulturdenkmäler im Ersten Weltkrieg. Die Fotosammlung von Heribert Reiners" ein. Vom 1. September bis zum 27. November 2016 wird sie im Gutenberg Museum präsentiert.

Die Ausstellung lädt ein, dieses Randgebiet unserer Sammlung zu entdecken, das anlässlich der Konservierung des Fonds Reiners gefunden wurde. Die Witwe des Kunsthistorikers und Ordinarius an der hiesigen Universität hatte diesen dem Kanton überlassen. Reiners war ein Pionier der Inventarisierung und Erforschung der Freiburger Kunstdenkmäler. Als junger Kunsthistoriker mit Aussicht auf eine brillante akademische Laufbahn zählt Reiners 30 Jahre, als der Krieg ausbricht. Zunächst der Fliegerabwehr zugeteilt, entkommt er dem Grauen der Schützengräben und dient im Kunstschutz an einer andern Front, jener der Ideen und der Propaganda. Die gezeigten Fotos sind begleitet von Dokumenten aus dem Familienarchiv Reiners-Meier. Mit Gross-Abzügen zeigt die Ausstellung die Zweideutigkeit der Arbeit des Kunstschutzes und wie Bilder von Ruinen und Truppen in der Deutschen Propaganda verwendet wurden. Sie lädt ein, über die Instrumentalisierung der Kulturgüter in Konflikten nachzudenken und über die Rolle des Bildes zwischen wissenschaftlichem Anspruch und Kriegspropaganda. Die meisten dieser Aufnahmen bezeugen ein aufkeimendes Bewusstsein für das Kulturerbe und, darin liegt eine neue Idee, für ein gemeinsames Erbe der Menschheit, dessen gezielte Zerstörung als ein Verbrechen geächtet wird.



Zum Rahmenprogramm der Ausstellung gehören geführte Besichtigungen in beiden Sprachen, ein Podiumsgespräch am 22. September, an dem sich Spezialisten aus Frankreich und der Schweiz zum Thema „Notre mémoire en ruines: la guerre et la destruction du patrimoine culturel" austauschen, schliesslich, am 27. Oktober, der Vortrag „Histoires filmées, histoires photographiées: un patrimoine en danger" anlässlich des Welttages des audiovisuellen Erbes der UNESCO. Diese Veranstaltungen sind öffentlich und gratis.

Die Publikation, ein zweites Heft „hors-série" unseres Jahresheftes FREIBURGER KULTURGÜTER, stellt die neuesten Forschungen über Heribert Reiners vor, besonders sein Einsatz beim Kunstschutz und die Ausgrabungen auf der römerzeitlichen Fundstätte von Senon. Sie leistet damit einen Beitrag zu neueren Studien über die Rolle der Kunsthistoriker und ihres Fachs im Weltkrieg der Worte und Bilder.